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Warum früher zurück nicht gleich scheitern ist

Scheitern wird oft daran gemessen, ob man etwas bis zum Ende durchzieht. Mein Auslandssemester hat mich vor eine Entscheidung gestellt, die ich mir so nicht vorgestellt hatte. Früher zurückzugehen bedeutet für mich nicht aufzugeben, sondern ehrlich mit mir selbst zu sein.

Ein Auslandssemester wird oft romantisiert. Social Media spielt dabei eine sehr große Rolle. Bilder von Sonne, neuen Freundschaften und unbegrenzten Möglichkeiten stehen dabei im Vordergrund. Dass diese Zeit auch einsam, überfordernd oder widersprüchlich sein kann, wird eher seltener thematisiert.

Und genau auf dieses Romantisieren von Instagram und TikTok bin ich hauptsächlich reingefallen. Ich habe erwartet, dass man sofort eine riesige Freundesgruppe findet, unendlich viel im Land reisen kann und das perfekte Uni-Campusleben hat.

Ich bin im Wintersemester nach Athen für mein Auslandssemester gegangen. Ende September bis Ende Februar war der Plan; fünf Monate Athen und herrlicher griechischer Flair. Hört sich schön an, oder? Ich bekomme noch die warme südliche Sonne mit und kann dem deutschem Winter entfliehen. Am Ende war ich aber nur drei Monate in Griechenland und bin vor Weihnachten wieder nach Hause gekommen und geblieben. Nach den ganzen Familientagen konnte ich mir nicht mehr vorstellen, zurück nach Athen zu fliegen und zwei Monate allein zu verbringen.

Also gebe ich es zu: Ich hatte Heimweh. Heimweh nach meiner Familie und meinen Freunden, nach dem bekannten Umfeld in meiner Heimatstadt und vor allem Sehnsucht nach meinem Freund.

Durchhalten oder ehrlich sein?

Mit den ersten Zweifeln an meinen Auslandsaufenthalt begann der innere Konflikt. Einerseits war da der Gedanke, durchhalten zu müssen, weil man das so macht, weil andere es auch schaffen. Andererseits meldete sich immer deutlicher das Gefühl, dass Ehrlichkeit mir selbst gegenüber wichtiger ist als das Festhalten an einem Plan.

Ich hatte immer den Satz „Das ist eine einmalige Chance, die musst du nutzen“ im Kopf. Dieser Gedanke kam von mir selbst, aber auch von meinem Umfeld. Dass das gar nicht böse gemeint war, wusste ich. Aber trotzdem war der Druck auf mir enorm. Ich hatte Schuldgefühle und Angst. Ich wollte nicht undankbar wirken oder etwas wegwerfen, wofür andere kämpfen würden. Dabei ging es nie darum, die Erfahrung abzuwerten, sondern ehrlich zu erkennen, was sie mir in diesem Moment geben konnte und was nicht.

Vergleiche mit Anderen

Während meines Auslandssemesters habe ich mich oft mit anderen verglichen. Freunde von mir waren ebenfalls im Ausland und erzählten von einer großartigen Zeit und von Leichtigkeit. Je schöner ihre Erfahrungen klangen, desto stärker hatte ich das Gefühl, selbst etwas falsch zu machen. Dabei habe ich lange übersehen, dass Erfahrungen nicht vergleichbar sind. Jede Universität, jedes Land und vor allem jeder Mensch bringt unterschiedliche Voraussetzungen mit und genau deshalb können Wege nicht gleich verlaufen.

Wenn du diesen Text gerade liest und dich in diesen Gedanken wieder erkennst: Du bist damit nicht allein. Vergleiche können auf Dauer erschöpfend sein. Falls du gerade in einer ähnlichen Situation steckst oder andere Probleme während deines Auslandssemesters, dann schreib mir gerne bei Instagram oder dem Nachrichtenfeld am Ende des Blogs. Ich höre zu und weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist darüber zu sprechen.

Das Gute dazwischen

Es wäre falsch zu sagen, dass mein Auslandssemester nur aus schwierigen Momenten bestand. Ich habe viele offene, herzliche Menschen kennengelernt und Begegnungen erlebt, die ich nicht missen möchte. Alleine die Kultur bleibt mir in Erinnerung. Es ist wirklich so, dass man viele antike Gebäude sieht wenn man in Athen durch die Altstadt schlendert, einfach so. Bei einzelnen Metrostationen sind alte Ausgrabungen offengelegt und ab und zu kann man auch Menschen sehen, die griechische Tänze zeigen. In den Parks habe ich oft von dem Großstadttrubel zur Ruhe gefunden und mir danach einen griechischen Frozen Joghurt für den Rückweg geholt. In meiner absoluten Lieblingsbar habe ich mich super wohlgefühlt und wurde mit mindestens einem Besuch pro Woche auch zur Stammkundin und habe mich mit den Kellnern angefreundet. Nicht nur der Kontakt zur griechischen Kultur hat mich interessiert, sondern auch der Kontakt zu anderen Erasmus-Studenten aus der ganzen Welt. Wie werden Feste überall auf der Welt, unterschiedlich gefeiert und wie sind die Sichtweisen der unterschiedlichen Kulturen? All diese Erfahrungen habe ich fest ins Herz geschlossen und bedaure davon gar nichts.

Früher Zurückgehen heißt nicht Aufgeben

Wir haben sicherlich alle in den Bewerbungen als eine Motivation für das Auslandssemester geschrieben „Persönliches Wachstum“. Das ist mal eben schnell gesagt, aber was heißt das genau?

Persönliches Wachstum hat für mich weniger mit dem Erreichen eines Ziels zu tun als mit dem Mut, unterwegs stehenzubleiben. Es zeigte sich in einer Entscheidung, die keinen Applaus versprach. Sie zu treffen und mit ihr weiterzugehen, ohne sich erklären zu müssen, hat mehr über persönlichen Wachstum ausgesagt, als jedes Durchhalten.

Deshalb möchte ich in diesem Beitrag nicht jeden einzelnen Grund aufzählen, der mich zu der Entscheidung geführt hat, früher zurückzugehen. Manche Entscheidungen lassen sich nicht vollständig erklären, weil sie vor allem aus einem persönlichen Empfinden heraus entstehen. Von außen wirkt Urteilen oft leichter, besonders wenn man selbst nicht in der Situation steckt.

Und manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Kitschig oder? Aber es stimmt. Alleine der Gedanke von „Ich möchte ein Auslandssemester machen“ bis „Ich bin im Auslandssemester“ zu „Ich war im Auslandssemester“ ist eine große Sache, die man selbst schnell übersehen kann und eventuell nicht richtig wahrnimmt.

Was bleibt und warum es trotzdem zählt

Trotz allem bleibt diese Zeit für mich eine wichtige Erfahrung und ich bereue nicht, sie gemacht zu haben. Nicht, weil sie so perfekt war wie bei Instagram, sondern weil sie mich gezwungen hat, ehrlich hinzusehen. Ich habe gelernt, mir selbst zuzuhören, Entscheidungen zu treffen und sie zu tragen. Genau deshalb würde ich ein Auslandssemester trotzdem jedem weiterempfehlen. Nicht als Versprechen um etwas Bestimmtes zu erreichen, sondern als Möglichkeit, sich selbst in einem neuen Kontext zu begegnen und auch, um herauszufinden, was der eigene Weg sein kann.

Damit schließe ich meinen Blog und hoffe, dass du den Mut findest deinen Weg zu finden. Es gibt immer einen Rückweg und nichts ist schlimmer als der Satz „Was wäre wenn?“.

Eine große Umarmung an euch alle und die Erasmus-Community, die einem so viel ermöglichen kann!

Liebe Grüße

Eure Feline 🙂

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