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Mein Unialltag in Brasilien

Mein Unialltag in Brasilien

An einer der besten und größten Universitäten Iberoamerikas zu studieren ist nicht nur eine Ehre, sondern auch eine Umstellung für mich. Auf was ich an der Universidade de São Paulo (USP) – Universität von São Paulo jedoch gestoßen bin, hätte ich nicht erwartet.

Mit dem Bus zur Vorlesung

Der Campus der USP verteilt sich auf den ganzen Bundesstaat São Paulo, wobei ich nur den Teil in der Stadt São Paulo kenne. Es gibt drei Haupteingänge (Portas), die auf das Gelände führen. Dort findest du neben Wasserschweinen und Affen auch Sportplätze mit Schwimmanlagen, sowie etliche Restaurants, die Mensen, Banken von Banco do Brasil bis Santander, eine Polizeiakademie, eine Krankenstation und die einzelnen Fakultäten. Die Vorlesungen werden an derselben Fakultät besucht. Es kann jedoch als Austauschstudent vorkommen, dass du dich für einen anderen Kurs interessierst und somit an eine andere Fakultät musst. Dafür gibt es die Möglichkeit der internen Busse, die für USP-Studenten kostenlos ist.

Um den Weg zur USP bzw. zu Poli zu finden, hat das Gremium ein Video zusammen gestellt.

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Ich habe Hunger

Oft wirst du zu hören bekommen „Vamos pro Bandejão? – Wollen wir zur Mensa?“ oder „Quer bandejar? – Willst du essen?„. Das Wort „Bandejão“ kommt von „Bandeja“ und bedeutet Tablett. Auf denen wird dir nämlich für 2 Reais (ca. 0,50€) dein Essen serviert. Was für meine deutschen Freunde wie Gefängnisessen aussieht, ist bei den brasilianischen Studenten sehr beliebt. Denn es ist nicht nur günstig, sondern auch die Auswahl ist groß und meiner Meinung nach gar nicht so schlecht für 0,50€.

An der USP gibt es vier Mensen und mit einer App kannst du immer schauen, was auf dem Speiseplan steht. In der Regel gibt es Reis und Bohnen, ein Fleisch- und ein vegetarisches Gericht, Salat, Dessert und Saft sowie Wasser und Brot ohne Limit. Abgesehen davon gibt es auf dem Campus auch Restaurants mit Preis pro Kilo oder Speisen nach Karte. Auch Snacks wie Coxinha, Pão de Queijo, Schokoriegel oder Sandwiches findest du in jedem Gebäude der Uni.

Mensaessen
Guten Appetit

In welcher Fakultät bist du?

Was für mich an der Technischen Universität Berlin (TUB) den Namen fünf trug, ist hier die Politécnica (Poli). Dem Gerücht zu urteilen, sollen es die Studenten an der Fakultät Politécnica (Poli) am schwierigsten haben. Deswegen ist es wichtig nicht von der Universität, sondern von der Fakultät zu sprechen. Das Konkurrenzdenken zeigt sich bei Sportveranstaltungen, Partys und im Unialltag. Jede Fakultät und auch jeder Studiengang hat seine eigenen Farben und sein Maskottchen. Somit weißt du bereits aus der Entfernung, an welcher Fakultät jemand studiert. Die Politécnica präsentiert sich in Blau-Gelb mit einer Maus.

So machst du dir Freunde

An der USP gibt es viele Arbeitsgemeinschaften, bei denen du dich selbst als Austauschschüler bewerben kannst. Es gibt sämtliche Sportarten, Chor, Tanzen, Kurse für Rennautos oder Flugzeuge, akademische Zentren, u.s.w.

An meinem ersten Tag an der USP bin ich direkt auf das Akademische Zentrum für Mechanik und Mechatronik (CAM) gestoßen. Die Leute haben mich wie eine Familie aufgenommen und stehen mir in meinem Abenteuer Auslandssemester immer zur Seite. Mittlerweile bin ich auch dem Handballteam beigetreten und lerne somit die athletische Seite der Uni kennen.

Die legendären Unipartys

Trotz Unistress lassen sich die Brasilianer ihr Feiern nicht nehmen. An der USP gibt es über das ganze Jahr verteilt Partys, ob in Clubs oder auf dem Campus selber. Jede Fakultät kann zeigen, welche den besten Abend organisiert. In Brasilien gibt es „Open Bar“ was bedeutet, dass du mit dem Eintritt auch unbeschränkten Getränkekonsum bezahlst. In den Clubs gibt es dementsprechend extra Lager mit Sanitätern für die, die zu tief ins Glas geschaut haben. Jeden Donnerstag gibt es zudem die sogennante „Qib“ was eine Abkürzung für „Quinta-Feira Breja“ ist und somit „Donnerstags-Bier“ bedeutet. „Breja“ ist ein Slangbegriff aus São Paulo für Cerveja – Bier. Mit der Qib wird das Wochenende eröffnet und gibt die Möglichkeit, dass auch Studenten, die am Wochenende ihre Eltern besuchen wollen, in der Uni feiern können.

Im Bixopp Aftermovie tauche ich drei Mal auf. Kannst du mich finden?

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Wenn die Uni zum Leben wird

Reisen ist schön, aber ein Auslandssemster bedeutet auch, Klausuren zu schreiben und Projekte vorzubereiten. Der Arbeitsaufwand an der Poli ist zwar groß, jedoch lohnt er sich. Während des Semesters gibt es in der Regel drei Klausuren. Der Kurs wird bestanden, wenn du im Schnitt mindestens fünf von zehn Punkten hast. Ein Spruch der Poli lautet „5 bola é 10 – 5 Punkte sind 10„. Also mach dir keine Sorgen, wenn du keine zehn schaffst, denn bestanden ist bestanden. Neben den Klausuren gibt es oft Hausarbeiten, Präsentationen und andere Projekte. Da der Weg bis nach Hause oftmals mehr als eine Stunde dauert, schlafen viele Studenten während der Prüfungszeit in der Uni. Auch ich hab dort schon einige Nächte verbracht. Glücklicherweise jedoch immer mit meinen Freunden, viel Guaraná und anderen Süßigkeiten.

Fazit

Mein Leben spielt sich während der Vorlesungszeit größtenteils auf dem Campus ab. Wegen der Größe des Geländes habe ich dort so gut wie alles, was ich brauche. Manchmal erinnert es mich an meine Kindheit, wenn ich einfach raus gegangen bin, um meine Freunde zu treffen. Nach den Vorlesungen gehe ich oft in den Gemeinschaftsraum um noch ein bisschen zu quatschen oder zu lernen. Abends habe ich Training und nachts werde ich oft von meinen Teamkollegen nach Hause gefahren. Somit habe ich zwar nur an meinen freien Tagen etwas von São Paulo, aber letztendlich bin ich kein Tourist mehr, sondern habe mir hier ein Leben aufgebaut.

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