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Mein Jahr als DAAD-Lehrassistent in Brasilien

Es ist so weit: Nach einem Jahr Brasilien – bin ich wieder in Hamburg gelandet, und damit bin ich nun ein DAAD-Lehrassistent außer Dienst. Was mir dieses Jahr persönlich und beruflich gebracht hat und was meine weiteren Pläne sind, erfahrt ihr hier. Eines vorweg: Sie sind anders, als ich es erwartet hätte.

Zunächst einmal eine Beobachtung: Viele scheinen die Rückkehr aus dem Ausland nach Deutschland als etwas Trauriges anzusehen. Als ich meine Story gepostet habe, dass ich gelandet bin, haben meine internationalen Freunde positive Smileys gesendet, während Freunde aus Deutschland neben den Rückkehr-Glückwünschen eher negativ reagiert haben, also sagten: „Wie schade, dass es vorbei ist.“ Dies war aber gar nicht mein eigener Modus. Ohne mich groß selbst für meine philosophischen Ergüsse zu loben, fand ich doch, dass ich einen Satz gut gewählt habe. Einer peruanischen Freundin schrieb ich nach meiner Ankunft: An das, was mir früher normal erschien, muss ich mich wieder gewöhnen. Deutschland ist ganz anders als Brasilien. Ich war froh, meine Freunde und Familie zu sehen, durch mein Dorf zu fahren und durch Hamburgs Straßen zu laufen, die frische norddeutsche Seeluft zu atmen. Doch ich musste mich erst wieder einfinden. Die deutsche Öffentlichkeit kommt mir deutlich weniger als sozialer Raum vor als die brasilianische bzw. lateinamerikanische. Ich kannte die Rückkehrerfahrungen bereits von früher. Ich bin froh, hier zu sein, doch diese Zeit muss ich mir jetzt geben. Mir persönlich hilft dann immer, direkt in den Alltag überzugehen, Freunde zu treffen und ein bisschen durch altbekannte Orte zu gehen. So bekomme ich wieder ein Gefühl für die Heimat und realisiere, dass ich wieder hier bin.

Ein Schritt nach vorn im Beruf

Fachlich bin ich auf einem anderen Level angekommen. Als Arbeiterkind erschien mir dieses akademische Umfeld zunächst sehr neu. Ich war nun in der Rolle des „Dozenten“ an einer Uni, meine Freunde waren Doktoranden, und auf den zahlreichen Workshops konnte ich auf Augenhöhe mit Professoren connecten. Doch ich gewöhnte mich schnell daran. Ich habe so viele Kontakte geknüpft. Was mich besonders beeindruckt, sind die offenen Türen, die sich ergeben haben. Ich habe ein Jahr unterrichtet, sehr viele Erfahrungen gesammelt und eine neue Lernkultur erfahren. Am Ende stand ich vor Entscheidungen: Bleibe ich noch ein Jahr? Das Stipendium war zwar nicht verlängerbar, aber in Brasilien bieten auch andere Wissenschaftsorganisationen Lehrassistenzen an. Oder gehe ich in den Master? Ich möchte beruflich und persönlich weiterkommen und habe mich deswegen für den Master entschieden. Ein großer Aspekt war aber auch das Finanzielle: Ab dem 25. Lebensjahr bekomme ich kein Kindergeld mehr, und nur wenn ich mich in einer Ausbildung befinde, steht mir dieses zu. Um weiterhin Anspruch zu haben, muss ich nun meine akademische Ausbildung fortsetzen. Einige meiner Kollegen haben sich aber für ein weiteres Jahr entschieden.

Leben in Brasilien – zwischen WG und Alltag

Privat habe ich aber auch viel gelernt in diesem Jahr. Ich habe in einer WG gewohnt, da ich ein sehr sozialer Mensch bin. Aber ununterbrochen unter Menschen zu sein, war auch anstrengend – gerade in Zeiten, in denen ich krank war. Krankenzeiten waren wirklich eine Herausforderung für mich. Der brasilianische Sommer hat meiner norddeutschen Frohnatur den Rest gegeben. Das heiße, trockene Wetter hat mich an die Grenzen gebracht, und in meiner WG war alles sehr einfach gehalten – so gab es auch keine Klimaanlage. Ich denke, dass ich bei einem erneuten Aufenthalt mir eine eigene und eine wirklich gute Wohnung suche. Wenn es bezahlbar ist, kann Komfort nicht schaden. Ein klarer Vorteil einer WG ist natürlich der soziale Aspekt: Vor meiner Abreise haben wir eine große Abschlussparty in der WG gemacht – mit sehr vielen Gästen.

Ich habe aber auch gelernt, dass unabhängig davon, wo ich bin, dass Wichtigste klare Tagesstrukturen und ein klarer Fokus sind – auf der Arbeit und auch freizeitlich. Die akademischen Arbeitszeiten fand ich teilweise anstrengend, und es war schwierig, einen klaren Takt beizubehalten, wenn die Kurse um 16 Uhr anfangen und ich dann noch etwas vor hatte. Etwas, das ich an Lateinamerika sehr mag, ist das Soziale und die positive Grundeinstellung der Menschen. Es ist sehr einfach, neue Menschen zu treffen, und theoretisch kann ich mir jeden Abend etwas vornehmen. Superviel entsteht spontan, und es gibt einen sehr aktiven Third Space. Das heißt, neben Arbeit und zu Hause findet viel Leben draußen in der Gesellschaft statt. In Deutschland gehe ich oft zur Arbeit und treffe dann zu Hause noch Freunde. In Latam gehe ich in eine Bar und treffe unterwegs neue Menschen. Gerade als junger Mensch ist mir das so wichtig, dass ich die Zwanziger auch nutzen möchte, in Lateinamerika zu leben und eine andere Lebensperspektive kennenzulernen.

Der Traumjob und die Realität

Die Wahl meiner zukünftigen Tätigkeit hat sich etwas erweitert. Das Motto meines Blogs lautet: Vom Arbeiterkind zum Lektor. Aber werde ich wirklich Lektor für Deutsch als Fremdsprache? Ich weiß es nicht. Eine tolle Perspektive für mich bietet hier das DAAD-Lektorenprogramm, auf das ich mich nach dem Master bewerben kann. Zwei bis fünf Jahre unterrichte ich dann an einer Gastuniversität im Auftrag des DAADs Deutsch als Fremdsprache. Dies ist eine potenzielle Möglichkeit, allerdings muss ich auf freie Lektorate warten und dann den Bewerbungsprozess bestehen. Ein großer Nachteil in der akademischen Welt und vor allem im Bereich DaF sind die kurzfristigen Verträge. Gerade in Sprachschulen bin ich freiberuflich tätig, und an Universitäten sind klassische Verträge teilweise nur zwei Jahre lang. Eine unbefristete Stelle ist rar und umkämpft. Außerdem möchte ich mich innerhalb meines Bereiches, der Linguistik weiter fortbilden. Ich glaube, dass die Zwanziger eine gute Zeit sind, viel zu probieren. Deswegen habe ich mich dazu entschieden, im Master meinen Schwerpunkt auf die Computerlinguistik zu verlegen. Doch auch mit diesem Master kann ich DaF-Lektor werden. Einige DAAD-Lektor*innen sind Theaterpädagogen oder Soziologen. Wichtig ist, dass ich mich stets im Bereich weiterbilde und fachlich auf der Höhe bleibe. Ich denke, ich werde auch in Zukunft auf den DAAD zurückkommen: Entweder als erneuter Stipendiat oder sogar als DAAD-Lektor. Den Wert von Stipendien habe ich jetzt wirklich verstanden: Aktuell bewerbe ich mich auf Stipendium für meinen Master. Das DAAD-Stipendienprogramm ist nun vorbei, doch ich hätte sehr gerne wieder so ein Netzwerk, das mich auf meinem akademischen Weg begleitet.

Gab es eigentlich Sprachschwierigkeiten?

Die Sprache kann im Ausland immer eine Herausforderung sein. Ich hatte damit keine großen Probleme, da ich bereits schon auf Portugiesisch studiert habe. Dennoch musste ich mich erst an die lokale Varietät in São Paulo gewöhnen. Bis zuletzt hatte ich oft Situationen, in denen ich die Sprache nicht verstanden habe. Auch bei fortgeschrittenen Lernenden kann das immer wieder vorkommen. Das Schwierigste für mich sind die kulturellen Aspekte der Sprache: Gerade die deutsche, trockene Ironie wird oft missverstanden und ich habe sie eigentlich fast immer vermieden. Im Brasilianischen ist es üblich, Dinge nicht zu direkt zu formulieren, da eine zu direkte Formulierung als unfreundlich empfunden wird. Das ist für mich das komplizierteste. Da ich Ironie sehr oft als sprachliches Mittel, wähle wurde ich oft missverstanden. Im Ausland ist es wichtig, diese Nuancen der Sprache zu lernen und sich dementsprechend anzupassen. Ich wurde leider nicht für die Sprachkurse zugelassen, da mein Portugiesisch-Level auf dem Papier zu hoch war, aber ich würde es sehr empfehlen. Ich glaube, im Nachhinein wäre es für mich besser gewesen, einen Sprachkurs zu absolvieren. Da ich Portugiesisch und Spanisch regelmäßig gesprochen habe, bin ich viel durcheinander gekommen. Das ist alles, aber nur eine Frage des Lernens.


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