20. Juli 2025
Manche Erfahrungen lassen sich nicht in Fotos festhalten. Sie bestehen aus Begegnungen, Gesprächen und dem, was zwischen den Zeilen passiert. Mein NGO-Praktikum in Malaysia war genau so eine Erfahrung. Statt nur zu beobachten, durfte ich Teil sein.
Hier erzähle ich dir, was ich gelernt habe und warum es mich nachhaltig geprägt hat.
Ein Jahr, viele Realitäten
Fünf Monate lang war ich Teil von Tenaganita, einer NGO in Malaysia, die sich für die Rechte von migrantischen Arbeiter:innen, Geflüchteten und Frauen, die geschlechtsspezifische Gewalt erleben, einsetzt. Es war kein Praktikum, bei dem ich nur am Schreibtisch saß. Es war ein Alltag voller Gespräche, Zuhören, Unterstützung, Recherche und Mitverantwortung – an fünf Tagen die Woche, von morgens bis abends.
NGOs als Praktikumsstelle
Wer sich für ein Praktikum im sozialen Bereich interessiert, sollte nach NGOs suchen, die zu den eigenen Werten passen. In Malaysia bedeutet NGO-Arbeit oft, sich auch in rechtlich und sozial prekären Kontexten zu bewegen – das kann fordern, aber auch prägen. Rechne mit mehr Verantwortung und Eigeninitiative als du es aus Deutschland kennst.
Ich half bei der Fallbearbeitung von Frauen, die von Ausbeutung, Menschenhandel oder sexueller Gewalt betroffen waren, unterstützte das Team bei Workshops, begleitete interne Prozesse oder sammelte Daten für Advocacy-Arbeit. Parallel dazu unterrichtete ich ehrenamtlich in einem Learning Center – mit Kindern, die nicht offiziell zur Schule gehen dürfen
Was NGO-Arbeit bedeutet
Was ich aus meinem Praktikum mitnehme: NGO-Arbeit ist mehr als nur ein Job. Es ist ein Drahtseilakt zwischen Hilfe leisten, Strukturen kritisch hinterfragen und doch innerhalb der Strukturen handeln. Während in Deutschland viele soziale Aufgaben staatlich geregelt sind, übernehmen NGOs in Malaysia oft die einzigen Schutzfunktionen für marginalisierte Gruppen.
Wer in diesem Bereich arbeiten möchte, braucht Geduld, Empathie – aber auch Struktur und Klarheit, wenn es um rechtliche oder psychologische Unterstützung geht. Gleichzeitig war es bereichernd zu sehen, wie Vernetzung zwischen NGOs, internationalen Partnern und lokalen Akteur:innen funktioniert.
Abschied mit Weitblick
Mein Jahr in Malaysia endet nicht mit einem Souvenir, sondern mit Fragen: Was bedeutet es, sich wirklich auf ein anderes System einzulassen? Was kann ich aus dieser Zeit mitnehmen in mein zukünftiges berufliches Leben?
Ich bin mit der Mission gestartet, „Kultur zu erleben und soziale Realitäten zu verstehen.“ Heute kann ich sagen: Ich habe nicht nur beobachtet, ich durfte mitwirken. Ich habe nicht nur Kultur konsumiert, ich habe gelernt, wie sehr gesellschaftliche Realität von struktureller Ungleichheit geprägt ist.
Mein letzter Tipp: Wenn euch ein Land interessiert, geht tiefer als nur an die Oberfläche. Ein Praktikum in einer NGO zeigt nicht nur das, was schön ist, sondern auch das, was unbequem sein kann. Und gerade das bleibt am stärksten im Gedächtnis.