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Okzitanisch – Okziwas?

Okzitanisch – Okziwas?

„Tot aquò s’arrengara sus lou cousin. Cò que se vei, se pòt pas amagar. Los cats fan pas de chins. Vau mai peta en companhiá que creva solet.“ Das waren ein paar Sätze auf Okzitanisch. Okziwas? Ja, das habe ich mich am Anfang auch gefragt, und deswegen mal ein wenig nachgeforscht.

Wer mit der Erwartung nach Frankreich geht, dass hier nur Französisch gesprochen wird, liegt falsch. Französisch ist zwar die Amtssprache, es gibt aber noch etwa weitere 75 Regionalsprachen. Zu den bekanntesten gehören Okzitanisch, Baskisch, Korsisch, Bretonisch oder Elsässisch.  Ja richtig gehört, nicht etwa „nur“ Dialekte wie bei uns etwa bayrisch, sondern wirklich eigene Sprachen, die manchmal sogar nicht im Entferntesten etwas mit Französisch zu tun haben. Beispiele dafür sind das Bretonische, was zu den keltischen Sprachen gehört oder das Baskische, das eine vollständig isolierte Sprache ist und zu gleich die wohl älteste noch lebende Sprache Europas. Sie gleicht keiner anderen europäischen Sprache und ihr Ursprung ist bis heute ein Geheimnis.

Eine meiner Mitbewohnerinnen beherrscht Baskisch und wenn sie es spricht, hört man wirklich nicht die geringste Ähnlichkeit zu Französisch oder Spanisch heraus. Wer sich das Ganze mal anhören will, der sollte sich unbedingt diesen Sprachen-Atlas mal anschauen. Witzig zum Anhören sind auch die Sprachen an der Grenze zu Deutschland.

Sprachen in der Geschichte

Zurzeit erleben mehrere Regionalsprachen wieder einen Aufschwung und kommen etwas mehr in Mode, doch das war nicht immer so. Außerdem sind die meisten, vor allem kleinere Sprachen, vom Aussterben bedroht und die sprechende Bevölkerung wird immer älter.

Im Zuge der französischen Revolution 1789 wurde Französisch zur einzigen Sprache erklärt, die im öffentlichen Leben und in der Schule geduldet wurde. Damit sollte eine unteilbare Nation und die Einheit des französischen Volkes gefördert werden. Erst in den 1950er Jahren wurde das Existenzrecht der Regionalsprachen vom Staat anerkannt und der Unterricht in besonderen Schulen (genannt les calendrettes) auf Regionalsprachen erlaubt. Seitdem setzen sich immer mehr Menschen für den Erhalt ihrer Sprachen ein.

Ein Begriff, mehrere Schreibweisen

Ich habe mich ein wenig mit Okzitanisch beschäftigt, das hauptsächlich in der südlichen Region von Frankreich, genannt Okzitanien, gesprochen wird.

Occitanie

Da der Süden von Frankreich nicht so dicht besiedelt war und Dörfer oft durch Berge getrennt, lässt sich Okzitanisch nochmal in sieben Unterdialekte einteilen, und selbst von Dorf zu Dorf gibt es noch einmal eigene Begriffe, Schreibweisen und Redewendungen.Ein Beispiel ist das Wort „vielleicht“, für das unter anderem diese Schreibweisen gibt: Benlèu, Bensai oder Bélèw

Grob gesagt ist Okzitanisch eine Mischung aus Französisch und Spanisch und eigenen Worten. Hier mal drei Beispiele, die das verdeutlichen (jeweils erst Französisch, dann Spanisch, dann Okzitanisch):

Nacht:    nuit – noche – nuòch

Singen:   chanter – cantar – chantar

Sprache:   langue – lengua – lenga

In Toulouse kommt man an fast jeder Straßenecke mit Okzitanisch in Berührung, Straßenschilder sind nämlich immer auf Französisch und Okzitanisch angegeben.

Auch die Métro-Stationen im Zentrum werden in Okzitanisch und Französisch durchgesagt. Übrigens, eine der bekanntesten Stationen in Toulouse heißt Esquirol. Das bedeutet auf Okzitanisch Eichhörnchen.

Esquirol

So, genug Neues gelernt für heute.

À bientôt, Poutou (Küsschen) et Adishatz (Auf Wiedersehen)!

PS: Vau mai peta en companhía que creva solet vom Anfang heißt übrigens „Lieber in Gesellschaft pupsen als alleine sterben“.

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