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Ein Auslandsaufenthalt kommt selten allein

Ein Auslandsaufenthalt kommt selten allein

Die Planung eines Auslandssemesters erscheint – wie schon das Thema Wohnungssuche  zeigte – manchmal überwältigend. Wie du sie trotzdem erfolgreich meisterst, möchte ich dir in einer Reihe von Blogbeiträgen zeigen. Mit praktischen Tipps und Tricks, von denen ich mir gewünscht hätte, sie selbst im Voraus gehabt zu haben, möchte ich Licht ins Dunkel des Planungsdschungels bringen. Und dich optimal auf dein eigenes Auslandssemester vorbereiten. Oder eben auch auf zwei.

Palacio de Cibeles, Madrid
Mein erstes Erasmus+ Semester habe ich in Madrid verbracht: Hier sieht man den Palacio de Cibeles, das heutige Rathaus und ehemalige Hauptpostgebäude der spanischen Hauptstadt.

Wusstest du eigentlich, dass du zwei Erasmus-Semester in zwei verschiedenen Ländern machen kannst?

Jedes Mal, wenn ich erzähle, dass ich gerade aus meinem Erasmus-Semester in Madrid zurückgekommen bin und nun, direkt im Anschluss, ein weiteres in Wien mache, werde ich mit großen, ungläubigen Augen angeschaut: „Was? Sowas geht?“ Ich sage: „Klar geht das!“
Zumindest an meiner Uni, der HU Berlin. Natürlich kann ich nur für meine Uni und meinen Studiengang Psychologie sprechen. Prinzipiell gilt: Sich rechtzeitig an der eigenen Uni zu informieren ist das A und O.

In meinem Fall ist es jedenfalls so: Ich habe ein Auslandskontingent von je zwölf Monaten im Bachelor und im Master. Das heißt, ich kann jeweils ein oder eben auch zwei Auslandssemester machen. Und die müssen nicht ge­zwun­ge­ner­ma­ßen in derselben Stadt, geschweige denn im selben Land, absolviert werden. Im Gegenteil, ich konnte zwischen all unseren Partnerunis frei wählen. Dabei muss man allerdings zwischen der großen Anzahl an Partnerhochschulen der Universität und dem etwas komprimierterem Angebot an Kooperationspartnern der jeweiligen Institute – in meinem Fall Psychologie – unterscheiden.

Erasmus+: Die Bewerbung

Die Bewerbung läuft dann folgendermaßen ab: Erst mal hast du die Möglichkeit, dich auf die regulären Plätze an den Unis zu bewerben, mit denen dein Institut Kooperationen hat (hier eine beispielhafte Übersicht der Erasmus+ Kooperationspartner des Instituts für Psychologie der HU Berlin).

Möchtest aber du zum Beispiel nach Paris, es besteht aber keine Kooperation zwischen deinem Institut und einer Pariser Uni, dann ist es möglich, sich um Restplätze anderer Institute zu bewerben. Dazu lohnt sich ein Blick auf die Übersicht aller Erasmus+-Kooperationspartner deiner Universität (hier beispielhaft für die HU Berlin). Kontaktiere nun einfach die entsprechenden Erasmus+-Koordinatoren des jeweiligen Fachbereichs und erkundige dich, ob und wie eine Restplatzbewerbung möglich ist.

Wer nicht wagt, der nicht gewinnt

Seit ich nach meinem Abitur bereits ein Jahr in Madrid gelebt hatte, wusste ich: Hier möchte ich später mal ein Auslandssemester machen! Zu meinem Glück hat mein Institut sogar gleich zwei Partnerunis in Madrid und ich musste mich erst gar nicht über die Restplätze bewerben. Meine Überlegung war es anfangs, wieder ein ganzes Jahr in Madrid – meinem zweiten Zuhause – zu verbringen.

Mein Lebensmotto wäre aber schließlich nicht “Quien no arriesga no gana“ (Wer nicht wagt, der nicht gewinnt), wenn ich mich nicht in ein neues Abenteuer stürzen und ein weiteres Auslandssemester in einer neuen Stadt absolvieren würde.

Es stand fest: Ich möchte eine neue Stadt kennenlernen – aber welche?

Also nahm ich mir die Liste unserer Partnerhochschulen vor und fasste zuerst, nein nicht Wien, sondern Lissabon ins Auge. Blöd nur, dass ich kein Portugiesisch spreche, die Kurse an unserer Partneruni in Lissabon,  aber nur auf Portugiesisch angeboten werden. Ich hätte dafür ein Portugiesisch-Zertifikat mit B2-Niveau vorweisen müssen. Prinzipiell machbar, nicht aber in der kurzen Zeit, die mir noch blieb. Also auch hier gilt, rechtzeitig informieren!
Gerade in Sachen Sprachanforderungen kann es nicht schaden, sich frühzeitig – und mit frühzeitig meine ich am besten schon zu Beginn des Studiums – über Partnerunis und deren Unterrichtssprache zu erkundigen, um notfalls die entsprechende Sprache der Wunschuni einfach noch zu lernen. Die meisten deutschen Unis bieten schließlich ein breites Angebot an Sprachkursen an. Und wenn du gleich im ersten Semester mit einem Kurs anfängst, hast du eine realistische Chance, die Sprache bis zu deinem Auslandsaufenthalt ausreichend zu beherrschen. Aber gut, dafür war es für mich leider zu spät. Bei einem zweiten Blick auf die Liste der Partnerunis wurde mir allerdings eines klar:

Wusstest du eigentlich, dass du ein Auslandssemester machen kannst ohne eine Fremdsprache zu beherrschen?

Denn „Ausland“ heißt nicht immer gleich „Sprachbarriere“. Ein Auslandssemester ist genauso gut im deutschsprachigen Teil der Schweiz oder in Österreich möglich. Die Angst, das spanische „r“ nicht rollen oder das englische „th“ nicht richtig aussprechen zu können, sollten dich also nicht davon abhalten, eine spannende Auslandserfahrung zu machen.

Ich war in meinem Leben noch nie in Wien. Meine Entscheidung für die österreichische Hauptstadt fiel deshalb eher spontan aus dem Bauch heraus. Mein Opa kam aus Wien und schließlich wurde die Stadt letztes Jahr sicher nicht ohne Grund zum zehnten Mal in Folge zur lebenswertesten Stadt der Welt  gekürt.

Ob ich das auch so sehe und ob Deutsch wirklich gleich Deutsch ist oder ob ich hier in Wien doch noch das ein oder andere „Fremdwort“ lernen muss, wird sich in den nächsten Wochen und Monaten herausstellen. Und ich kann es kaum erwarten, all diese Erfahrungen mit euch zu teilen.

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