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Risikogebiet Lissabon – Erasmus in Zeiten von Corona

Risikogebiet Lissabon – Erasmus in Zeiten von Corona

Am Mittwochabend, den 23.09.2020 erklärte die Bundesregierung Lissabon zum Risikogebiet. Das Auswärtige Amt sprach eine Reiswarnung aus. Nun warnt auch meine Heimat-Universität und rät, von einem Aufenthalt in einem Risikogebiet abzusehen. Was nun?

Eine Box mit Mund-Nasen-Schutz und Desinfektionsmittel
Das Must-Have Paket für ein Auslandsstudium im Jahr 2020. Als Willkommensgeschenk erhielten alle Studenten der UCP einen Mund-Nasen-Schutz mit dem Unilogo und ein Fläschchen Desinfektionsmittel.

Anfang März bekam ich die Zusage für meinen Studienplatz in Lissabon, wenige Tage später war schon nichts mehr sicher. Ich kenne einige, die ihren Auslandsaufenthalt nicht angetreten oder auf das nächste Jahr verschoben haben. Niemand möchte sein Studium im Ausland mit Social Distancing verbringen. Allein in einem fremden Land, in dem sich alle Menschen hinter Masken verstecken, kann abschreckend sein. Ein anderes Land und eine fremde Kultur zu erleben, in einer Zeit in der Grenzen geschlossen werden ist nicht einfach, aber es ist auch nicht so schwierig, wie manche vielleicht glauben.

Was trotz Corona für einen Auslandsaufenthalt spricht

Der warme Süden erlaubt Outdoor-Aktivitäten auch im Herbst

Auch wenn hier in Lissabon derzeit einiges anders ist als sonst, die Sonne scheint immer noch im Oktober und der Atlantik ist nicht viel kühler als im Sommer. Während zuhause in Deutschland bereits alle dicke Pullis tragen, sitze ich im Kleid draußen im Café und trinke einen frisch gepressten Orangensaft. Zwar herrscht in allen öffentlichen Räumen Maskenpflicht, aber in einem Land im Süden zu leben bringt den Vorteil mit sich, alle Aktivitäten nach draußen verlegen zu können. Am Wochenende genießen die Menschen ihre Zeit am Meer und unter der Woche treffen sich viele in den Parks und Grünanlagen, auf einen Kaffee oder ein Würfelspiel.

Leute kennenlernen trotz Corona

Die Erasmus-Veranstaltungen finden trotz Coronavirus statt. Wie mein erstes Erasmus-Event jedoch ablief, möchte ich im nächsten Beitrag erzählen, da ging nämlich so einiges schief. Bei den Treffen kommen alle international Studierende zusammen und einem Kennenlernen steht trotz Maske eigentlich nichts im Wege.

Auch an der Universität selbst hatte ich keine Schwierigkeiten, Leute kennenzulernen. Ich wurde von einigen internationalen als auch portugiesischen KommilitonInnen angesprochen. An meiner ausländischen Universität nutzen viele ProfessorInnen außerdem Gruppenarbeiten, um den Stoff zu erarbeiten. Nicht nur in akademischer Sicht sind gemeinsame Projekte hilfreich, sondern auch dabei, Freunde kennenzulernen. Neue Leute zu treffen, ist also genau so einfach wie ohne Maske.

Alles nur noch online?

Die Hälfte der Kurse findet am Campus statt. Einer meiner Professoren meinte in einer Stunde mal: „Ich weiß nicht, was ich besser finde. Hier vor Ihnen zu stehen mit Maske, oder zuhause vor dem Bildschirm zu sitzen, aber dafür wenigstens alle Ihre Gesichter zu sehen.“ Ich finde, dass hat er sehr treffend ausgedrückt. Beides ist nur bedingt angenehm, aber ich bin froh über die Mischung. Dadurch trifft man einerseits die Leute an der Uni und an anderen Tagen reicht es, 15 Minuten vor Unterrichtsbeginn aufzustehen. In einer Ausnahmesituation wie jetzt muss man versuchen die Dinge möglichst von ihrer positiven Seite aus zu betrachten.

Auslandsstudium in Zeiten von Corona

Natürlich ist ein Auslandsaufenthalt 2020 ein anderer als er es noch 2019 war. Vor allem für diejenigen, die gerne außerhalb von Europa studieren möchten, ist es schwierig, einen Platz zu bekommen. Innerhalb von Europa zu studieren ist aber durchaus auch in dieser Zeit möglich. Wir jungen Leute sollten die Angebote und die Chancen, die uns Europa bietet, nutzen. Denn auch wenn es nervig ist, mit Maske im Hörsaal zu sitzen, zuhause in Deutschland mit Maske im Hörsaal zu sitzen ist aber genauso nervig und es fehlt die kulturelle Erfahrung.

Da die Bundesregierung Lissabon zum Risikogebiet erklärt hat, können mich meine Freunde nicht wie geplant für ein verlängertes Wochenende besuchen. Auch ich muss einkalkulieren, dass ich, wenn ich nach Hause fliege, eine gewisse Zeit in Quarantäne verbringen muss. Die Einschränkungen, die wir gerade alle erfahren, sind immens, aber ich denke, wir sollten uns nicht aufhalten lassen und uns dafür in Flexibilität und Geduld üben.

Natürlich gilt es, die Maßnahmen einzuhalten, um sich und seine Mitmenschen zu schützen. Hier in Lissabon sind die Regeln ähnlich wie in Deutschland.

Corona-Maßnahmen in Lissabon

  • Versammlungen sind auf maximal zehn Personen beschränkt.
  • Kommerzielle Einrichtungen, wie beispielsweise Museen, dürfen erst ab 10 Uhr morgens öffnen. Ausgenommen davon sind Orte, an denen man Essen kann, wie Cafés oder Bäckereien.
  • An Tankstellen darf kein Alkohol mehr verkauft werden.
  • Ab 20 Uhr gilt in allen Einrichtungen ein Verkaufsverbot von Alkohol. Eine Ausnahme besteht, wenn gleichzeitig Essen verkauft wird, zum Beispiel ein Glas Wein zum Abendessen in einem Restaurant.
  • An öffentlichen Straßen oder Plätzen ist das Trinken von Alkohol generell verboten.
  • Sportveranstaltungen finden ohne Zuschauer statt.
  • Da Lissabon, wie Porto, als ein Ballungsraum gilt, wird hier in sogenannten Spiegel-Teams in Büros und an der Uni gearbeitet. Was ein Spiegel-Team ist, erkläre ich unten.

Corona-Maßnahmen an der Universität

  • Maskenpflicht auf dem gesamten Unigelände, auch draußen auf der Wiese.
  • Nur zum Trinken und Essen darf der Mund-Nasen-Schutz abgenommen werden.
  • Spiegel-Teams: Die Hälfte des Unterrichts findet Online statt. An manchen Universitäten haben die Studierenden eine Woche komplett Online-Unterricht und in der Woche darauf dann komplett Präsenz. An der Universidade Católica haben alle Bachelorstudenten nur dienstags und mittwochs Präsenz-Uni, die Veranstaltungen in der restlichen Woche finden online statt.
  • Zwischen den einzelnen Stunden werden alle Tische und Stühle in den Unterrichtsräumen gereinigt und desinfiziert.
  • An allen Eingängen, sowie an allen größeren Sälen befinden sich Spender mit Desinfektionsmittel.
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