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Anreise nach Rovaniemi: ein Tag voller Leere

Anreise nach Rovaniemi: ein Tag voller Leere

Dienstag, der 4. August 2020. Es ist der Tag, auf den ich seit Monaten gewartet habe. Der seit einer gefühlten Ewigkeit das Ende meines Instagram-Countdowns markiert. Es ist der erste Tag meines finnischen Abenteuers, auf das ich euch von nun an mitnehmen werde. Trotz drei großer Gepäckstücke und insgesamt knapp 70 kg Gepäck, erwartete mich an meinem ersten Tag vor allem eins: Leere.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, von Deutschland aus nach Rovaniemi zu reisen. Der schnellste Weg ist das Fliegen – von Deutschland aus erreicht man die Stadt nach etwa drei Stunden. Es gibt allerdings keine Direktverbindung, man muss immer in Helsinki zwischenlanden. Aktuell ist Finnair die einzige Fluggesellschaft, die die Hauptstadt Lapplands anfliegt. Alternativ kann man von Helsinki mit der Bahn mit dem Bus nach Rovaniemi fahren. Beides ist sicherlich eine sehr abenteuerliche und spannende Art, in den Norden des Landes zu reisen! Aufgrund meines schweren Gepäcks entschied ich mich für meinen Umzug jedoch für das Flugzeug.

Getümmel am Flughafen? Fehlanzeige…

… aber stressig wurde es für mich dennoch.

Aufgrund des coronabedingten niedrigen Flugaufkommens erlebte ich den Flughafen Berlin-Tegel so leer wie noch nie. Seit meiner Kindheit ist der Flughafen im Norden meiner Heimatstadt Start- und Endpunkt vieler Reisen gewesen. Auch heute ist es dieser Flughafen, an dem ich den Berliner Boden das letzte mal als Einwohnerin der Stadt betreten werde. Dabei begegnen mir erstaunlich wenig Menschen am Terminal: vereinzelte Sicherheitskräfte die ihre Runden gehen, hier und da Reisende, die entspannt durch das Gebäude schlendern. Es scheint, als hätte jemand den Schalter auf „Energiesparmodus“ gestellt.

Also begab ich mich, entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten, erst 30 Minuten vor Boarding zum Check-In-Schalter. „Ist ja eh so leer hier“, dachte ich mir. Das stimmte zwar, allerdings rechnete ich nicht damit, 25 Minuten am Check-In festzuhängen. Der Grund: zwei meiner drei Gepäckstücke waren im System als nicht bezahlt eingetragen. Erst nach mehreren Telefonaten mit ihren Vorgesetzten ließ mich die Finnair-Mitarbeiterin mein Gepäck abgeben. Halb verschwitzt aber erleichtert, ging es für mich zehn Minuten später an Bord.

Blaubeersaft und Keksi in der Propellermaschine

Zur Freude meines Süßschnabels wurde auf dem Flug nach Helsinki Blaubeersaft serviert. Zusammen mit dem Keks (auf finnisch: „keksi“) fühlte ich mich in 12.000 Metern Höhe schon fast wie auf finnischem Boden! Und meine Vorfreude wuchs mit jeder Wolke, die ich überflog.

Ein Pappbecher gefüllt mit Blaubeersaft. Daneben liegt der Keks, dessen blaue Verpackung eine traditionell bekleidete Frau mit Getreide in der Hand zeigt.
Blaubeersaft und Keksi – was will man mehr?

In Helsinki angekommen, traf ich meine Kommilitonin und Mitbewohnerin Maite, die mit dem Flug aus Hamburg kam. Wir haben uns nach der Zusage für unseren Studienplatz an der University of Lapland kennengelernt und uns bereits in Deutschland getroffen, in Rovaniemi werden wir uns eine Wohnung im Studentenwohnheim teilen. Gemeinsam ging es nun in eine ungewöhnlich kleine Maschine, in der pro Reihe nur drei Passagiere Platz fanden.

Mein Platz war am Fenster, durch das ich die Propeller der kleinen Maschine sehen konnte. Trotz meiner Skepsis gegenüber kleinen Flugzeugen fühlte ich mich auf dem Flug sehr wohl – vielleicht, weil es wieder Blaubeersaft und Keksi gab!

Warum auf Betten schlafen, wenn es doch Luftmatratzen gibt?

Gegen 18 Uhr landeten wir in Rovaniemi. Bei 16 Grad empfing uns der leere Flughafen mit seinen vielen winterlichen Werbeplakaten: Rentiere und Weihnachtsmänner waren unser Empfangskommittee. Für die offizielle Heimatstadt des Weihnachtsmanns gehört sich das wohl so.

Unser Gepäck im Mietwagen verstaut, fuhren wir zu unserer Wohnung. Sie ist ruhig und nah an der Uni gelegen, hell und in einem guten Zustand. Doch vor allem war sie eins: LEER! Kein Bett, kein Tisch, kein Stuhl. Das erste Abendbrot im neuen Zuhause haben wir also auf dem Boden gegessen und die erste Nacht auf der Luftmatratze verbracht.

Auf Vanessas Schoß liegt ein Teller mit einer Pizza Margherita. Neben ihr sind die Beine ihrer Mitbewohnerin zu sehen, die ebenfalls eine Pizza auf dem Schoß hat.
Wie man Pizza isst, wenn man weder Tisch noch Stuhl hat.

Ein eher rückenunfreundlicher Start in das Leben in Finnland! Ob aus der leeren Wohnung eine gemütliche WG wird und wie lange mein Rücken das Schlafen auf dem Boden noch mitmacht, wird sich zeigen. Auch auf Instagram und Youtube werde ich euch mitnehmen – in die Uni, die Natur und auf alle kleinen wie großen Erlebnisse, die hier auf mich warten.

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