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So religiös ist Russland

So religiös ist Russland

Russland – Orthodoxe Kirche. Orthodoxe Kirche – Russland. Denkt man an das Eine, fällt einem auch gleich das Andere ein. Aber wie bereits festgestellt: Tatarstan ist nicht gleich Russland. Also: Wie schaut es hier eigentlich mit der Religion aus?

ein selbstgebauter Tempel in vielen Farben mit einer Menge Zwiebeltürmen
Der Tempel aller Religionen

Ein Kreuz, ein Halbmond, ein Davidstern,… – ihr fragt euch sicherlich, was es mit diesem etwas seltsam anmutenden Gebäude auf sich hat. Hier die Auflösung: Es handelt  sich um den Tempel aller Religionen. 

Der Tempel aller Religion steht in einem Vorort von Kasan, circa 30 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Das Touristenziel ist geschmückt mit lauter religiösen Symbolen, Kuppeln und Türmen.

Doch der Name trügt: denn nur weil Tempel drauf steht, ist noch lange kein Tempel drin. Das Bauwerk ist kein geweihter Ort in dem Gottesdienste, Predigten oder Gebete stattfinden. Man kann es eher als Bauwerk oder begehbare Skulptur bezeichnen, das die Religionsvielfalt in Tatarstan so ziemlich auf den Punkt bringt.

Die religiöse Geschichte der Tataren beginnt schon im 10. Jahrhundert, als der Islam zur offiziellen Religion auf dem Gebiet der Wolgabulgaren, also im jetzigen Tatarstan erklärt wurde. Über die Hälfte der Bevölkerung ist muslimisch, das fällt auch in der Hauptstadt Kasan auf. Überall im Stadtbild findet man Moscheen, die wohl auffälligste steht im Kreml und ist gleichzeitig auch die größte Moschee Europas.

Die blau-weiße Moschee bei Sonnenuntergang
Die Kul Sharif Moschee

Aber auch die russisch orthodoxe Kirche ist aus Tatarstan nicht wegzudenken. Grob gesagt ist die andere Hälfte der Bevölkerung russisch orthodox. Direkt neben der Moschee steht die Maria-Verkündigungs-Kathedrale. Zusammen mit der Kul-Scharif-Moschee symbolisiert die weiße Kathedrale das friedliche Zusammenleben von Muslimen und Orthodoxen Christen in Tatarstan.

die große weiße Kathedrale mit zwei blauen Zwiebeltürmen
Die Maria-Verkündigungskathedrale

Etwas außerhalb von Kasan liegt das Dorf Bolgar, das als Heimstätte des Islams in Russland gilt und oft auch als „nördliches Mekka“ bezeichnet wird. Hier habe ich letztes Jahr meine Sommerschule verbracht und die Ruinen der alten Hauptstadt der Wolgabulgaren entdeckt. In Bolgar kann man den größten gedruckten Koran der Welt bestaunen, genauso die vor kurzem gebaute Weiße Moschee.

große Weiße Moschee in Bolgar
Die Weiße Moschee

Zusammen mit der Moschee wurde in Bolgar mit Unterstützung der russischen Regierung auch eine Islam Akademie erbaut, um ein wissenschaftliches, theologisches und pädagogisches Zentrum zu gründen.

Ein friedliches Zusammenleben?

Kasan und ganz Tatarstan spiegeln das friedliche Zusammenleben der Religionen wieder. Die Akzeptanz einer anderen Religion ist hier so hoch, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe. Die tatarische Regierung unterstützt die Beziehung zwischen den Religionen und die Gleichheit aller Religionen im öffentlichen und privaten Leben. Aber diese Gleichheit und Verbindung ist nicht nur im öffentlichen Leben zu spüren. Fast jede zweite Ehe in Tatarstan findet interkonfessionell statt.

Schaut euch den Tempel aller Religionen an,
Weil er euch was lehren kann.
Alle Religionen unter einem Dach,

Keineswegs strategisch, wie beim Schach.
Ein Gebäude vereint alle Religionen dieser Welt,
Die Frage: Warum uns Menschen das so schwer fällt. 

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