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Studentenleben während Corona

Studentenleben während Corona

In den letzten Tagen erreichte die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Schottland den bisherigen Höchststand.  Unter diesen Umständen sieht das Studentenleben zurzeit anders aus, als man es sich sonst an einer britischen Universität vorstellt.

Selbst auferlegte Kontaktbeschränkungen

Grundsätzlich müssen sich alle Personen, die nach Schottland einreisen, 14 Tage in Quarantäne begeben. Es gibt jedoch eine Liste mit Ländern, die von dieser Regelung ausgenommen sind. Dazu zählt auch Deutschland. Da ich mich innerhalb der 14 Tage vor meiner Einreise nur in Deutschland aufgehalten habe und einen Direktflug nach Glasgow hatte, hätte ich mich nach meiner Ankunft eigentlich frei bewegen können.

Im Studentenwohnheim angekommen, musste ich jedoch feststellen, dass bei der Verteilung der Studierenden auf die Wohngemeinschaften etwas schiefgelaufen ist. Ursprünglich sollten die Neuankömmlinge mit Quarantänepflicht getrennt von den anderen Anreisenden untergebracht werden. Es wurde aber nicht berücksichtigt, dass die Liste mit den Ländern regelmäßig aktualisiert wird. Aus diesem Grund musste einer meiner Mitbewohner, der aus Griechenland angereist ist, für die nächsten 14 Tage in Quarantäne.

Wenn jemand positiv auf COVID-19 getestet wird, müssen sich alle anderen Personen, die im selben Haushalt leben, ebenfalls in Quarantäne begeben. Das war bei uns nicht der Fall, da es sich um eine vorsorgliche Quarantäne für Personen aus Risikogebieten handelte. Die Möglichkeit, sich bei der Einreise testen zu lassen, gab es erst gar nicht.

Obwohl mein anderer, schottischer Mitbewohner und ich alle Freiheiten hatten, beschlossen wir unsere Kontakte mit Personen außerhalb unserer WG einzuschränken. Schließlich teilen wir uns alle eine Küche und ein Wohnzimmer. Daher verbrachten wir die letzten zwei Wochen zum Großteil in unserer WG. Wir schauten Fußball, kochten gemeinsam Abendessen und tauschten uns über kulturelle Eigenheiten in den verschiedenen Ländern aus.

Studentenwohnheim auf dem Campus der University of Strathclyde.
Zurzeit verbringen die Studierenden auf dem Campus den Großteil ihrer Zeit in den Wohnheimen.

Das Internet verbindet

Am vergangenen Wochenende endete die Quarantäne für viele internationalen Studierenden, die vor zwei Wochen angereist sind. Eine Party oder einen gemeinsamen Besuch in einem Pub gab es aber nicht. Seit letzter Woche Donnerstag gelten neue Beschränkungen, die es unter anderem verbieten, fremde Haushalte zu besuchen. Zudem hat die schottische Regierungschefin, Nicola Sturgeon, vor dem Hintergrund der stark ansteigenden Infektionszahlen alle Studierenden darum geben, sich am Wochenende nicht in Pubs, Bars oder Restaurants zu treffen.

Trotz dieser Umstände hatte ich auch außerhalb der Online-Vorlesungen bereits mit vielen Kommilitonen Kontakt – online versteht sich. Zum einen organisiert die Studentenvereinigung Online-Veranstaltungen, zum anderen gibt es einen Gruppenchat, über den wir uns austauschen und regelmäßig zu abendlichen Videokonferenzen verabreden können.

Die Dinge positiv sehen

Als ich vor mehr als einem Jahr beschlossen habe, ein Masterstudium im Ausland zu machen, habe ich mir das Studentenleben natürlich mit mehr Freiheiten vorgestellt. Die aktuelle Situation hat aus meiner Sicht aber auch positive Seiten. Wer schon ein Erststudium hinter sich hat, weiß, wie schnell die Zeit beim Studieren vergeht. Gleichzeitig ist ein Studium eine der besten Gelegenheiten, um Freundschaften fürs Leben zu schließen. Dadurch, dass ich so viel Zeit mit meinen Mitbewohnern verbringe, bin ich mir sicher, dass aus dieser Zweckgemeinschaft sehr gute Freundschaften entstehen werden.

In den Videokonferenzen mit den anderen Masterstudierenden sitzen sich nicht nur Menschen mit verschiedener Herkunft, sondern auch sehr unterschiedliche Charaktere zufällig gegenüber. Unter normalen Umständen würden sich wahrscheinlich schnell Gruppen bilden, die dann später wenig miteinander zu tun hätten. Im virtuellen Raum passiert das nicht so leicht. Die Menschen sind dort gleicher, das Kamerabild hat immer dieselben Dimensionen und niemand sieht von welcher Marke die Sneakers sind.

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