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Studieren an der University of Jordan

Seit Mitte Juni ist mein Semester vorbei und ich habe das Kapitel University of Jordan (UJ) endlich hinter mich gebracht. In diesem Bericht möchte ich euch einen ehrlichen Eindruck von meinem Semester an der UJ geben. Kleiner Spoiler: Gefallen hat es mir nicht so!

Die UJ wurde im Jahre 1962 gegründet und gilt als die älteste sowie größte Universität von Jordanien. Laut Angaben der Uni studieren 49.000 Studierende vor Ort und ich bin für das Sommersemester 2023 eine von den vielen Studis gewesen. Die Uni befindet sich im Norden von Amman und man kann dort gefühlt alles studieren. Von Medizin, über Pharmazie, Naturwissenschaften, Wirtschaft, zu Sprachen, Kunst, bis hin zu Geisteswissenschaften ist alles dabei. Außerdem ist die UJ eine Campus Uni, das heißt es befindet sich alles an einem Ort und der Campus ist riesig.

Der Campus der University of Jordan von oben
Das ist der Haupteingang der University of Jordan.

Wie und was studiere ich?

An der UJ bin ich für den Masterstudiengang Conflict Resolution eingeschrieben. Die Unterichtssprache ist Englisch. Ich belege zwei Kurse: Foreign Policy und Methods of Third Party Intervention. Insgesamt erhalte ich dafür zehn Leistungspunkte. Anfänglich hatte ich noch einen dritten Kurs in Human Rights in Jordan belegt, den habe ich aber aufgrund des hohen Workloads früh abgewählt. Meine Fakultät ist nach dem jordanischen Kronprinzen benannt: Prince Al Hussein Bin Abdullah School of International Studies.

Ich bin zwar die einzige Exchange Student an meiner Fakultät, trotzdem habe ich Kommiliton*innen aus Armenien, Indonesien oder dem Irak. Manche meiner Kommiliton*innen leben auch gar nicht in Amman, sondern in anderen Orten quer verteilt im Land.

Außerdem finden die Masterkurse immer erst gegen Abend von 17 bis 20 Uhr statt, da die meisten Studierenden neben ihrem Masterstudium Vollzeit arbeiten. So sind Beruf und Studium besser zu vereinbaren. Während Ramadan hatten wir jedoch schon mittags ab 15 Uhr zwei Stunden Seminar und in der Regel dann auch online.

Die meisten Exchange Students an der UJ studieren Arabisch am Language Center. Denn Studierende ohne Arabisch-Kenntnisse, können keine Fachkurse belegen. Im Master gibt es zum Teil auch Angebote in englischer Sprache, weshalb ich politikwissenschaftliche Masterkurse belegen konnte.

Chaotische erste Tage an der UJ

Meine ersten Tage habe ich mir etwas anders vorgestellt. Sie waren chaotisch und ich war sehr auf mich allein gestellt. Eine Einführungswoche gab es für mich nicht, da ich nicht am Language Center studierte. Somit musste ich mich selbst auf dem Campus zurecht finden und erstmal schauen wie ich Leute kennenlerne. Über die WhatsApp-Gruppe, die das International Office für uns gemacht hat, habe ich versucht mit anderen Exchange Students in Kontakt zu treten, das hat aber irgendwie nicht funktioniert.

Nachdem die Uni dann eine Woche später als ich ursprünglich dachte für mich startete, war mein Kursplan auch noch nicht so ganz klar. Die Kurse, die ich eigentlich belegen wollte und auch ausschlaggebend für die Auswahl meines Gastlandes war, konnte ich aus verschiedenen Gründen nicht wählen. Es war auch nicht offensichtlich, welche Kurse in englischer Sprache angeboten wurden und welche nicht. In der ersten Vorlesungswoche entschied ich mich einen Kurs zu wechseln, da mein Dozent meinte, der Großteil des Seminars werde auf arabisch sein. So konnte ich einen Kurs belegen, der von einer amerikanischen Professorin unterrichtet wurde.

Eigentlich wollte ich drei Kurse wählen, da ich mir diese für meine drei offenen Kurse in Deutschland anrechnen lassen wollte. Nachdem ich erfahren habe, was die Dozierenden von mir im Semester erwarteten, war ich ein wenig geschockt. Ehrlicherweise war ich ein wenig überfordert und wusste nicht, wo ich anfangen sollte und wie ich Uni, Arbeiten und Bloggen händeln sollte. So entschied ich mich einen Kurs abzuwählen.

Unisystem: Jordanien vs. Deutschland

Schnell habe ich gemerkt, dass das Uni-System in Jordanien etwas anders läuft. Während ich in Deutschland einen ganz anderen Studienschwerpunkt habe und viel selbstständiger arbeite, ist das Sytsem in Jordanien viel verschulter. Es gibt Anwesenheitspflicht und regelmäßige Studien- sowie Prüfungsleistungen. Was ich so aus Deutschland gar nicht gewohnt bin. Ebenso wie schriftliche Prüfungen. Ich persönlich schreibe sehr ungern Prüfungen und bin eher Team Hausarbeit.

Auch das Verhältnis zu den Dozierenden habe ich anders wahr genommen. In Deutschland habe ich eher das Gefühl, dass zwar das Verhältnis zwischen Studierenden und Dozierenden distanzierter ist, dennoch mehr auf Augenhöhe. In Jordanien hatte ich oft das Gefühl, dass die Dozierenden schon eher über einem stehen. Dennoch war das Verhältnis ein wenig näher, so habe ich mit meinen Dozierenden über WhatsApp kommuniziert anstatt wie in Deutschland per Mail.

Mein Studiausweis
Bis auf meinen Namen, das Jahr und meine Immatrikulationsnummer kann ich meinen Studierendenausweis nicht lesen.

Fehl am Platz

Um ganz ehrlich zu sein, habe ich mich oftmals nicht wohl gefühlt. Dabei ist das ziemlich Paradox, denn schließlich habe ich mich sonst in Jordanien immer sehr wohl und aufgenommen gefühlt, was an der Uni leider ganz anders war. Ich hatte des Öfteren das Gefühl nicht dazu zu gehören. Immer wenn ich den Campus betreten habe, habe ich mich fremd gefühlt und auch ein wenig alleine. Denn die meisten Studis laufen so gut wie immer als Gruppe über den Campus oder sitzen mit ihren Freund*innen zusammen. Ich lief in der Regel immer alleine rum. Zwar musste ich keine Arabisch sprechen, dennoch habe ich mir sehr oft gewünscht die Sprache sprechen zu können. Besonders in meinem Foreign-Policy Kurs. Hier wurde sehr oft auf Arabisch gesprochen, vor allem meine Kommiliton*innen untereinander. Sie redeten miteinander, machten Witze, lachten und so weiter, auch mit unserem Dozenten.

Das Gefühl in einem Raum zu sitzen und alle sprechen eine Sprache, die du selbst nicht mal ansatzweise verstehst, ist ziemlich blöd. Ich habe mich mehr als Fehl am Platz gefühlt und sehr oft auch unwohl. Doch aus dieser Erfahrung kann ich nur Lernen und es in Zukunft vielleicht für Andere gestalten, indem ich sie in die Unterhaltung mit einbinde oder wenigstens das Gespräch für sie übersetze, damit sie nicht dieselbe Erfahrung machen wie ich.

Es kam alles ein wenig Anders, als ich es erwartet habe

Mein Uni-Leben habe ich ganz anders erwartet und somit hatte ich auch ganz andere Vorstellungen an mein Auslandssemester. In meiner Vorstellung hatte ich mir ausgemalt ein aktives Uni-Leben zu haben und meine Freund*innen über die Uni sowie Veranstaltungen für Internationale Studierende kennenzulernen. Leider war das nicht so. Ich hatte tatsächlich so gut wie gar kein Uni-Leben. Was ich im Nachhinein sehr schade finde und mich anfangs auch sehr traurig gemacht hat.

Doch dann bin ich meinen Weg gegangen und habe versucht, dass Beste draus zu machen. Über meine Kurse habe ich zwei Menschen kennengelernt, die mir immer geholfen haben und mich gut aufgenommen haben. Ich schätze diese Freundschaft die sich daraus entwickelt hat sehr.

Wie bereits erwähnt habe ich eigentlich andere Kurse wählen wollen und mir erhofft mehr über das politische System von Jordanien, sowie die arabische Welt in den Internationalen Beziehungen zu lernen. Denn das war auch der Grund warum ich mich am Ende für Jordanien entschieden habe. Im Endeffekt habe ich leider nicht so viel dazu gelernt, entweder war mir der Inhalt des einen Seminars schon bekannt oder zu verschult, dass es nur Reproduktion war.

Königliche Bildergalerie in meiner Fakultät, denn hier hängen alle Könige Jordaniens.
Königliche Bildergalerie in meiner Fakultät, denn hier hängen alle Könige Jordaniens.

Mit diesen vier Tipps macht ihr es besser als ich

#1 Zu aller erst würde ich euch empfehlen, dass ihr euch eher weniger Vorstellungen und Erwartungen macht. Am Ende kommt es anders als ihr es euch vorgestellt habt. Je niedriger eure Erwartungen, umso weniger könnt ihr enttäuscht werden.

#2 Deutsche sind bekannt für ihre Bürokratie. Wir sind Meister*innen in Organisation und sind gewohnt, dass alles organisiert sowie strukturiert ist. Doch andere Länder andere Sitten. In Jordanien lief es meiner Meinung nach etwas chaotischer. Ihr solltet euren Standard an Organisation vielleicht etwas ablegen. So kann es sein, dass ihr erst ein bis zwei Wochen vorher von Prüfungs- oder Abgabeterminen erfahrt. Dafür gehen manche Prozesse aber auch ein wenig schneller, da sie nicht durch den aufwendigen Bürokratieprozess durch müssen. Oder Feiertage wurden vom jordanischen König oft erst ein Tag vorher verkündet.

#3 Ich hatte das Gefühl, dass meine Kommiliton*innen zu Beginn sehr schüchtern waren und mir erst gegen Ende offener wurden. In den letzten Wochen hatte ich das Gefühl, sind die anderen Studis aktiver auf mich zugekommen, leider zu spät. Ich hätte mir im nachhinein gewünscht offener zu sein und aktiver auf meine Kommiliton*innen zuzugehen. Lernt aus meinem Fehler und ergreift die Iniative. Ich weiß es nicht immer einfach und kann sehr kräftezehrend sein, aber es lohnt sich!

#4 Lasst euch nicht einschüchtern und steht für euch selbst ein! Ich weiß auch, dass ist nicht immer so einfach. Ich selbst bin ein Mensch, die ungern unnötig anderen Arbeit verschaffen will. Doch wenn ich jetzt darüber nach denke, hätte ich mehr für mich einstehen sollen und auch mehr Hilfe einfordern sollen. Hilfe von euren Betreuer*innen im International Office steht euch zu. Genauso wie es euch zu steht, wenn die Unterrichtssprache Englisch ist, dass auch Englisch gesprochen wird. Ich habe mich oft geärgert, dass ich nicht was gesagt habe.

Aus Fehlern können wir nur lernen

Egal wie hart es war, kann ich mich wie immer nur wieder holen: Es lohnt sich!
Die Uni hat mir wirklich wenig Spaß gemacht, was sehr schade ist. Und auch wenn ich jetzt inhaltlich nicht viel gelernt habe, habe ich für mich aus der ganzen Erfahrung wieder viel dazu gelernt. Es hat mich wachsen lassen und ich weiß, ich muss daran arbeiten, mehr für mich einzustehen. Außerdem weiß ich wie es sich anfühlt, sich Fehl am Platz und ausgeschlossen zu fühlen. So kann ich es in Zukunft besser machen. In dem ich andere ermutige aus meinen Fehlern zu lernen und Menschen unterschiedlicher Herkunft mehr miteinzubeziehen, indem ich auf sie zugehe.

Wie immer gilt, bei Fragen könnt ihr mir jeder Zeit schreiben.

Teja <3

Kommentare
  1. :)

    6. Januar 2024

    Hi, ich finde deine Meinung zum Auslandsstudium sehr interessant und hilfreich. Ich überlege auch ein Auslandssemester in Jordanien zum machen und weil ich Arabisch spreche wird es mir wahrscheinlich einfacher fallen. Die Frage die ich mir jedoch stellte ist, wo genau du wohntest. Gab es Studentenwohnheime und lebtest du in einem dieser? Und wenn ja, wie war das Wohnheim und gefiel es dir? Hast du dir ein Zimmer mit jemanden geteilt und gab es eine Art Betreuerin?

    Dankeschön schonmal im Voraus 🙂

    1. Teja

      11. Januar 2024

      Hi, sehr gute Wahl! Ich kann es nur empfehlen. Auch wenn die Uni mir nicht Spaß gemacht hat, war es eine sehr tolle Erfahrung. Ich denke sehr gerne an meine Zeit zurück und vermisse es sehr. 🙂
      Studentenwohnheime gibt es nicht wirklich und die Uni stellt einem da auch nichts. Ich habe in Weibdeh gewohnt. Es ist zwar weiter weg von der University of Jordan, aber es ist eine total tolle Wohngegend mit Restaurants und Cafés und sehr belebt. Ich habe in einer WG gewohnt, die ich über Facebook gesucht habe. Ich hab dazu auch einen Beitrag geschrieben: https://www.studieren-weltweit.de/schoener-wohnen-in-amman/, schau doch mal rein.
      Es gab einen Betreuer, ich habe mich aber nicht wirklich betreut gefühlt.
      Solltest du noch weitere Fragen habe, schreib mir gerne auf Instagram.
      Viele Grüße,
      Teja 🙂

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