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Von Europa nach Asien: Auf Motivjagd in Istanbul

Von Europa nach Asien: Auf Motivjagd in Istanbul

Seit mehr als drei Wochen wohne ich mittlerweile in Istanbul. In dieser riesigen Großstadt, die sich über zwei Kontinente erstreckt. Bei jedem Spaziergang entdecke ich neue Motive, die ein Foto wert sind. Welche Orte und Dinge es meiner Kamera und mir besonders angetan haben, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Großstadt ist meiner Empfindung nach für Istanbul nicht der richtige Ausdruck. Es ist vielmehr eine ganz andere Welt, die ich hier schrittweise erforschen darf. Die ersten Tage habe ich auf der europäischen Seite der Stadt verbracht. Ich durfte die Wohnung von Bekannten übernehmen, die seit der Pandemie ihre Zeit lieber in ihrem Ferienhaus am Schwarzen Meer verbringen. Manchen Menschen gefällt die europäische Seite viel besser. Hier sind all die berühmten Sehenswürdigkeiten zu finden, die in keinem Reiseführer fehlen dürfen: Die byzantinische Moschee Hagia Sophia, die Blaue Moschee „Sultan-Ahmet-Camii“, der Topkapı- Palast oder der Galata kulesi (dt. Galataturm), der eine fantastische Aussicht über die Altstadt und den Bosporus bietet. 

Das tat weh: Unfreiwilliger Umzug nach Asien

Der asiatischen Seite Istanbuls wird nachgesagt, dass sie das türkische Leben wahrhaftiger widerspiegele und weniger touristisch sei. Am Anfang war ich ein großer Fan von Istanbuls Europa. Meine Heimatstadt ist Gießen. Wer schon einmal dort war, kann sicher nachvollziehen, dass mein Hunger nach imposanten Gebäuden und Kulturgut sehr groß ist. Ich liebe Sightseeing! Nach zwei Jahren in Wien, zehn Monaten in Mailand und zahlreichen Reisen weiß ich schöne Städte einfach sehr zu schätzen. 

Als ich vor ein paar Tagen erfuhr, dass ich die Wohnung in Etiler kurzfristig räumen muss, weil die Besitzer aus persönlichen Gründen in die Stadt zurückkehren, war ich ehrlich gesagt am Boden zerstört. Ich hatte mich sehr an das Leben in diesem noblen Viertel gewöhnt. Auch wenn es bedeutete, dass ich mindestens eine Stunde Wegzeit zum Unicampus auf der asiatischen Seite einplanen musste, war ich abends froh, in mein „eigenes“ Reich im dritten Stock, mit Blick auf die erleuchtete Bosporus-Brücke, zurückkehren zu können. Hier war nicht ein Hauch von Erasmus-Partys zu spüren, für die ich mich an den meisten Tagen zu alt fühle. Ich hatte das Ritual, auf dem Weg zur Metro am Galata kulesi vorbeizugehen, um Altstadtflair zu tanken. Ich hatte einen Hausmeister, der in einer kleinen Hütte vor dem Mehrfamilienhaus saß und mich stets erfreut grüßte. Ich konnte binnen fünfzehn Minuten zu Fuß in eines der teuersten Viertel – Bebek – spazieren und dort Hafenluft schnuppern. In Etiler war die Welt in Ordnung. Aber unter Umständen wenig authentisch. 

Secondhand Läden, Cafés, Authentizität: Leben in Kadıköy

Mithilfe eines türkischen Freundes habe ich kurzfristig ein Zimmer in einer Zweier-WG in Kadıköy auf der anderen Seite des Bosporus gefunden. Diese „hippe“ Gegend wird gelegentlich mit Berlin Kreuzberg verglichen. Ein „sehr individuell eingerichtetes“ Café reiht sich hier an das nächste. Vielleicht gibt es hier auch Museen, doch die habe ich noch nicht entdecken können. Dafür gibt es nur drei Gehminuten von meiner neuen Wohnung eine Oper und ein Kino! Und Kinotickets sind hier extrem günstig zu haben (umgerechnet, meist unter drei Euro!). Es gibt viele kleine Läden, die Trödel oder Secondhand-Mode verkaufen, zahlreiche Lokale, in denen ich mich für 40 TL (aktuell 3,58 Euro) pappsatt essen kann, Pubs, Lampengeschäfte und zum Glück auch einen Hafen. Das ist, was mich bei meinem Umzug hier her beruhigt hat: Wenn ich Sehnsucht nach Europa verspüre, kann ich rasch zum Hafen gehen und die nächste Fähre nach Karaköy nehmen.

In Karaköy gibt es den besten Balık Dürüm. „Balık“ ist das türkische Wort für Fisch. Und gefischt wird hier sehr ausgiebig. Am frühen Abend ist die Uferpromenade von Fischern dicht besiedelt. In regelmäßigen Abständen wird die Angelrute ausgeworfen oder zurückgezogen. Dazu weht von irgendwoher immer ein frischer Grillgeruch. Wenn ich einmal nichts mit mir anzufangen weiß: Ein Ausflug hierher bringt mit Sicherheit wieder Balance in mein Leben. Mit meiner studentischen IstanbulCard kostet eine Fahrt umgerechnet nicht einmal drei Cents. Ich frage mich immer wie das funktionieren kann? Immerhin müssen doch auch das Benzin, das Bootspersonal und gelegentliche Wartungsarbeiten finanziert werden. 

Das Gute an Kadıköy: die Uferpromenade und die Nähe zum Campus

Die ersten sieben Nächte im Szene-Viertel Kadıköy liegen nun hinter mir. Ich habe es jetzt nicht mehr so weit zu meinem Campus. Mit dem Bus dauert es keine fünfzehn Minuten. An der Marmara Üniversitesi belege ich in diesem Semester gleich zwei Fotografiekurse. Dienstags lautet das Thema „Reportage“, donnerstags geht es um Porträtfotografie. Ich bin also aus zwei Gründen auf Motivjagd in Istanbul – in dieser faszinierenden, pulsierenden und inspirierenden Metropole. Zum einen liebe ich es zu fotografieren und brauche natürlich regelmäßig Material für diesen Blog. Zum anderen verfolgt mein Professor Oktay Çolak aber auch den Anspruch, meine Fertigkeiten auf dem Gebiet der Porträt- und Reportagefotografie zu verbessern. Jetzt heißt es für mich also nicht mehr einfach nur „knipsen“. Vielmehr gehe ich nun verstärkt mit einem konkreten Plan an die Sache ran und versuche noch häufiger, die Perspektive zu wechseln. Die beiden Seminare finden aktuell zwar online statt, doch die praktische Umsetzung von Oktays Tipps erfolgt als wöchentliche Hausaufgabe in Eigenregie. Ich nutze die Gelegenheit auch dazu, die asiatische Seite der Stadt besser kennen und lieben zu lernen. Denn mit der Kamera in meinen Händen achte ich auf die Details und entdecke überall etwas Schönes oder gar Überraschendes. 

Asien oder Europa? Wie gut, dass ich mich gar nicht für immer entscheiden muss!

 

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