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Wie man sich auf drei Monate Curry vorbereitet

Wie man sich auf drei Monate Curry vorbereitet

„Das ist doch voll viel Aufwand, die Daten für die Masterarbeit im Ausland zu erheben.“ Diesen Satz habe ich bei meinen Vorbereitungen für mein Forschungspraktikum in Indien oft gehört. Jetzt kann ich mit Sicherheit sagen, dass das nicht stimmt. Ich zeige euch, an was man alles denken muss, wann man am besten mit der Planung beginnt und mit welchen zusätzlichen Kosten man rechnen muss.

Themensuche

Das Wichtigste ist, dass man Initivative zeigt und sich schon frühzeitig um betreuende Dozenten und ein Thema kümmert. Das habe ich im September gemacht, also ein halbes Jahr vor Praktikumsbeginn. Bei mir war das grobe Thema auch schnell gefunden: Tibetische Schulen in Indien. Auf das Thema bin ich durch einen Auslandsaufenthalt während des Bachelors gekommen. Im Wintersemester 2015/16 habe ich ein Semester an der Delhi University verbracht und auch die Schule, an der ich jetzt forsche besucht. Tibetische Schulen in Indien sind deshalb so besonders, weil sie sich seit 60 Jahren komplett von Spendengeldern finanzieren. Sie sind die einzige Möglichkeit die tibetische Sprache und Kultur nachhaltig zu erhalten. Insgesamt besuchen mittlerweile über 12.000 Schüler und Schülerinnen diese Schulen in Indien.

Anfrage bei der Schule

Erst nachdem ich mit meinen Dozenten gesprochen hatte, habe ich bei der TCV School Upper Dharamsala per Mail angefragt. Das war fünf Monate vor Abreise. Da ich noch nicht wusste was ich erheben will und wie, habe ich das allgemein als „research request“ beschrieben. Vergeblich habe ich auf eine Antwort gewartet – kein Wunder, es waren Winterferien und das heißt an den tibetischen Schulen zwei Monate schulfrei. Meine Verzweiflung war groß, denn ich wollte unbedingt über das tibetische Schulsystem im Exil schreiben. Also habe ich Hilfe bei einem tibetischen Freund gesucht, der früher selbst Schüler an der Schule war. Er ist persönlich zum Bildungsbeauftragten aller tibetischer Schulen im Exil gegangen und siehe da: eine Stunde später hatte ich die Zusage in meinem E-Mail-Postfach samt Handynummer.

So fand ich heraus, dass Telefonnummern hier eine große Rolle spielen. Der Großteil der Kommunikation läuft nicht über Mail, sondern über das Telefon. Falls ihr also einen ähnlichen Auslandsaufenthalt plant: Verzweifelt nicht, weil ihr keine Antwort per Mail bekommt, sondern greift zum Hörer! Auch wenn mir bei der Zusage letztlich meine persönlichen Kontakt geholfen haben, heißt das nicht, dass es schwierig ist, einen Platz für ein Forschungspraktikum zu bekommen. Tibetische Schulen freuen sich immer über Interesse an ihrer Kultur und ihrem Schulsystem. Ihnen ist es sehr wichtig, dass möglichst viele Menschen von der prekären Lage erfahren, in der sich die Tibeter und Tibeterinnen befinden. Das gleiche gilt übrigens für Praktika an indischen Schulen: meiner Erfahrung nach freuen sie sich sehr über einen kulturellen Austausch und Interesse an schulischen Prozessen und Begebenheiten.

Finanzierung

Der grobe Plan steht, dann stellt sich nur noch die Frage: Wie soll ich das bezahlen? Auch hierfür gibt es Möglichkeiten, die den Aufenthalt zumindest teilweise finanzieren. Ich erhalte glücklicherweise das PROMOS-Teilstipendium, das den Großteil meiner zusätzlichen Kosten abdeckt. Zudem habe ich neben dem Studium viel gearbeitet und konnte so etwas Geld zur Seite legen. Außerdem kann man bei Forschungsaufenthalten bei den einzelnen Fakultäten nachfragen. Oftmals gibt es speziell für Forschungsvorhaben eingerichtete Forschungskommissionen. So sollen vorallem Studierende (auch schon während des Bachelors!) ermutigt werden, selbst ins Feld zu gehen.

Impfungen

Bei einem Zielland wie Indien muss man sich natürlich auf ein anderes Klima und andere Gesundheitsbedingungen einstellen. Durch mehrere Auslandsaufenthalte in Asien und Ostafrika hatte ich bereits alle empfohlenen Impfungen. Falls du zum ersten Mal nach Indien reist, schau am besten mal hier nach, welche Impfungen empfehlenswert sind. Dies können je nach Reiseregion auch variieren. Wenn du dich gegen mehrere Krankheiten impfen willst, musst du eine gewisse Vorlaufzeit einplanen. Wenn du dich darum drei Monate vor Abflug kümmerst, bist du auf der sicheren Seite.

Visum

Für das Visum gibt es zwei Möglichkeiten, wenn man hier im Rahmen eines unbezahlten Praktikums ist: das e-Visum oder das Touristenvisum. Das e-Visum wird hier online beantragt, kostet ca. 70 Euro und ist 60 Tage gültig. Das normale Touristenvisum hingegen ist ein Jahr gültig und wird hier beantragt. Man füllt online ein Formular aus und schickt dieses dann ausgedruckt samt Reisepass an das zuständige Konsulat – für NRW ist das Frankfurt. Nach der Bearbeitung (ca. eine Woche) kann man es entweder persönlich abholen oder an sich schicken lassen. Ich habe mich für das normale Touristenvisum entschieden und dieses fünf Wochen vor Abreise beantragt. Das Touristenvisum ist mit 115 Euro zwar deutlich teurer als das e-Visa, dafür hat man einen größeren zeitlichen Spielraum und kann so oft ein- und ausreisen wie man möchte. Bei e-Visa geht das nur zweimal.

Versicherung

Ganz wichtig: eine Auslandskrankenversicherung. Die meisten Versicherungen kann man mittlerweile digital und auch erst kurz vor Reisebeginn abschließen – so wie ich, ich saß beim Abschluss schon am Flughafen! Ich habe mich für diese hier entschieden, weil hier die Konditionen für Studierende sehr gut sind.

Nach all den Vorbereitungen heißt es dann endlich Chalo! Das ist Hindi für Los gehts! Auf in ein Abenteuer voller Butternaan, Curry und Dauergehupe.

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