31. Oktober 2025
Nach einem Monat voller neuer Eindrücke kehrt langsam Routine ein – zumindest fast. Die Uni nimmt Fahrt auf, die ersten Gruppenprojekte starten, und plötzlich fühlt sich mein Leben in Mailand nicht mehr nach Urlaub, sondern nach Alltag an – aber das ist ja nichts Schlechtes 😉
Zwischen Hörsaal und Espresso
Besonders die Gruppenarbeiten bringen hier am Politecnico di Milano ein ganz neues Tempo mit sich. In drei meiner fünf Vorlesungen arbeite ich in Teams – mit Menschen aus allen möglichen Ländern. Das ist spannend, inspirierend, manchmal aber auch anstrengend. Wenn man gemeinsam an Konzepten feilt, während jeder in einer anderen Zeitzone denkt und kommuniziert, lernt man Geduld. Und Organisation. Erst recht, wenn – wie in einem meiner Kurse – plötzlich ein Gruppenmitglied abspringt. Dann wird die Deadline plötzlich ganz real, und man merkt, wie wichtig klare Absprachen und Struktur sind.
Trotzdem liebe ich dieses Miteinander. Zwischen Diskussionen über Nachhaltigkeit, Excel-Tabellen und Brainstormings entstehen echte Freundschaften. Und manchmal tut es gut, einfach alles kurz beiseitezulegen und draußen auf dem Campus Tischtennis oder Basketball zu spielen. Diese kleinen Pausen sind Gold wert – sie helfen, den Kopf frei zu bekommen, bevor man wieder in den Hörsaal oder die Bibliothek zurückkehrt.

Der Campus selbst ist beeindruckend: moderne Lernräume, offene Plätze, kleine Ecken, in denen man sich auch mal zurückziehen kann. Und dann ist da natürlich die Mensa – gutes Essen für wenig Geld, Pasta, Salate, Espresso, alles frisch und schnell. Ich habe selten eine Kantine erlebt, in der Lernen, Essen und Atmosphäre so gut zusammenpassen.
Damit ich bei allem den Überblick behalte, plane ich meinen Alltag inzwischen fast minutiös. Google Calendar ist mein bester Freund geworden, aber auch Tools wie Teams oder Notion helfen, Deadlines, Meetings und private Termine zu koordinieren. Das Online-Angebot der Uni macht vieles einfacher: Alle Kurse, Aufgaben und Prüfungen sind dort übersichtlich eingetragen – man weiß immer, wann was ansteht und wo man sein muss.
Nach und nach habe ich das Gefühl, einen Rhythmus gefunden zu haben. Einen Rhythmus zwischen Lernen, Leben und den kleinen Momenten dazwischen – etwa einem schnellen Espresso auf dem Weg zur Vorlesung oder einer Runde Pingpong in der Sonne.

Lernen auf Italienisch, Englisch oder etwas dazwischen?
Auch wenn meine Kurse auf Englisch stattfinden, merkt man schnell: Kommunikation ist hier eine eigene Wissenschaft. In Mailand trifft man auf Professorinnen und Professoren aus der ganzen Welt, und ebenso vielfältig klingt ihr Englisch. Mal italienisch gefärbt, mal französisch, mal mit einem Tonfall, der einen Satz völlig anders klingen lässt, als er gemeint war.
In den Gruppenarbeiten ist das nicht anders. Alle sprechen Englisch – irgendwie. Doch nicht jeder versteht es gleich gut, und manche Begriffe werden von Kultur zu Kultur verschieden gedeutet. Da hilft vor allem Geduld und Humor. Wenn jemand „see you soon“ sagt, kann das hier nämlich auch heißen: „in zwei Wochen, wenn ich wieder Zeit habe“.
Wirklich herausfordernd wird es, sobald E-Mails oder Online-Kommunikation ins Spiel kommen. Viele nutzen Übersetzungsprogramme, und manchmal klingt das Ergebnis eher nach Rätsel als nach Nachricht. Auch ich greife regelmäßig auf Übersetzer zurück, wenn etwas auf Italienisch verschickt wird. Besonders hilfreich finde ich dabei KI-basierte Tools, die nicht nur Wort für Wort übertragen, sondern den Sinn des Satzes erfassen. Sie machen das Schreiben und Verstehen um einiges entspannter – vor allem, wenn die Professorin eine spontane Aufgabenänderung in drei Sprachen ankündigt.
Trotz dieser kleinen Stolpersteine spürt man, dass alle bemüht sind, sich gegenseitig zu verstehen. Und vielleicht ist genau das einer der schönsten Aspekte an einem internationalen Studium: dass Kommunikation nicht immer perfekt sein muss, um zu funktionieren. Oft reicht ein gemeinsames Lächeln, ein improvisiertes „yes, yes, I got it“ – und schon läuft’s weiter.
Wenn der Kopf voll ist
So intensiv die Uni gerade ist, so wichtig sind auch die Pausen dazwischen. Nach langen Tagen voller Gruppenarbeiten und Vorlesungen brauche ich manchmal einfach Abstand – raus aus dem Denken, rein ins Erleben. Zum Glück bietet Mailand und seine Umgebung dafür mehr als genug Möglichkeiten.

An Wochenenden zieht es mich oft raus aus der Stadt. Besonders mag ich Bellagio und Como – Orte, die man in weniger als zwei Stunden erreicht und die wirken, als wären sie aus einem anderen Leben. Am Ufer zu sitzen, den Booten zuzusehen und für einen Moment alles Uni-Gedanken verschwinden zu lassen, ist unbezahlbar. Neulich war ich auch in Turin, ein Tagestrip, der sich absolut gelohnt hat: weniger hektisch als Mailand, voller Geschichte und gutem Essen.
Aber auch hier in der Stadt gibt es kleine Fluchten. Ich gehe regelmäßig auf die Secondhand-Märkte, die jedes Wochenende in verschiedenen Vierteln stattfinden. Zwischen alten Jeans, Lederjacken und kuriosen Accessoires zu stöbern, ist fast meditativ. Und manchmal findet man sogar echte Schätze.
Sport ist für mich ebenfalls ein wichtiger Ausgleich – auch wenn ich wegen meines Knies nach wie vor auf Reha-Niveau unterwegs bin. Yoga hilft, und mein Mitbewohner, der Yogalehrer, erinnert mich immer wieder daran, langsam zu machen. Bewegung ist für mich nicht nur körperlich, sondern auch mental wichtig: Ein Spaziergang durch die Stadt, ein kurzer Basketball-Match auf dem Campus oder einfach ein Kaffee mit Freunden können Wunder wirken.
Abends steht dann oft etwas Soziales an – Aperitivo mit Kommilitonen, ein Konzert oder eine spontane Hausparty. Und jetzt, im Oktober, war natürlich auch Halloween ein Highlight: eine bunte Mischung aus Kostümen, Musik und Menschen aus aller Welt.
Diese kleinen Erlebnisse balancieren den Studienalltag perfekt aus. Zwischen Lernen, Reisen und Feiern entsteht ein Rhythmus, der anstrengend ist – aber auf die beste Art.

Ein Blick nach vorn
Der Oktober hat sich schneller gedreht, als ich erwartet hatte. Kaum angekommen, stehe ich schon mitten im Uni-Alltag – mit Abgaben, Präsentationen und Terminen, die sich dicht an dicht reihen. Trotzdem fühlt sich das Leben hier erstaunlich leicht an. Vielleicht liegt es am Wetter: Die Sonne scheint fast jeden Tag, und selbst jetzt im November wird es selten kälter als zehn Grad. Für jemanden, der aus Aachen kommt, ist das purer Luxus.
Mailand zeigt sich gerade von seiner besten Seite. Die Cafés sind voll, die Straßen lebendig, und überall spürt man diese besondere Energie zwischen Stadt und Studierenden. Ich habe das Gefühl, angekommen zu sein – nicht nur geographisch, sondern auch innerlich. Ich kenne meine Wege, meine Lernorte, meine Leute. Zwischen Gruppenprojekten, Spaziergängen durch die Stadt und Kaffee am Nachmittag hat sich ein Alltag eingespielt, der sich richtig anfühlt.
Ich bin glücklich hier. Vielleicht, weil jeder Tag ein bisschen unvorhersehbar bleibt. Vielleicht, weil selbst Routine in Mailand irgendwie besonders ist. Oder einfach, weil das Leben zwischen Politecnico, Pasta und Piazza gerade genau das ist, was ich gebraucht habe.