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WG oder Studentenwohnheim?

WG oder Studentenwohnheim?

Zum selben Zeitpunkt, in dem man eine Zusage für ein Auslandssemester bekommt, stellt man sich die Frage, wie man dort leben wird. Unabhängig davon, ob man in der Heimat noch zuhause wohnt, in einer Wohngemeinschaft seine Routine gefunden hat oder in einem Studentenwohnheim lebt, steht man plötzlich vor einem großen Fragezeichen. Nun bringen wir ein wenig Klarheit in das Ganze.

Tobias, der seit Januar 2020 an der Université Grenoble Alpes in Grenoble Humanmedizin studiert und ich haben beide unterschiedliche Erfahrungen in Sachen Wohnen gesammelt. Aus diesem Grund haben wir zusammengearbeitet und uns für euch mit dem Thema „WG oder Studentenwohnheim“ befasst. Während ich über meine Erlebnisse in einer WG berichte, wird Tobi euch die gleichen Fragen mithilfe seiner Erfahrungen in seinem Studentenwohnheim beantworten.

1. Suchen und Finden

Eine WG finden, nimmt definitiv etwas Zeit in Anspruch und ist wahrscheinlich deutlich mehr Aufwand als die Wohnheimsbewerbung. Zur Wohnungssuche und hilfreichen Internetseiten habe ich ganz am Anfang schon mal etwas geschrieben. Ich habe damals täglich neue Angebote gecheckt, WGs angeschrieben und erst Bewerbungsgespräche über Skype gehabt, als ich vor Ort war dann auch persönlich. Ein netter Nebeneffekt: Man lernt viele neue Leute kennen, mit manchen davon bin ich sogar jetzt noch in Kontakt. Und wenn man dann mal was gefunden hat, ist die Freude riesengroß!

2. Preis

Die Mieten in Toulouse variieren stark je nach Wohnlage und Zustand der Wohnung. Wenn man ein bisschen außerhalb sucht (was in Toulouse meistens trotzdem noch bedeutet, dass man mit dem Fahrrad in die Uni fahren kann), kann man ab 300 € etwas finden. Wer in der Altstadt wohnen will, zu Fuß zur Uni laufen möchte und gerne ein möbliertes Zimmer hätte, sollte dann doch eher mit 400 – 550 € rechnen. Ich laufe fünf Minuten zur Uni, habe ein großes möbliertes Zimmer in einer vierer WG, bin im Zentrum und zahle 500 €.

Zimmer
Der Blick in mein Zimmer vom Bett aus. Sobald ich wieder in Toulouse bin, mache ich noch mal mehr Fotos.

Was es in Frankreich aber zum Glück noch gibt, ist die CAF, Wohngeld vom Staat, das man nicht zurückzahlen muss und deshalb unbedingt beantragen sollte! Bei mir beläuft es sich auf 130€ monatlich, das heißt ich zahle im Endeffekt nur noch 370 € Miete.

3. Campusnähe

Die Sciences Po in Toulouse befindet sich glücklicherweise direkt in der Altstadt. Deshalb kann man sich ganz bequem eine Wohnung im Zentrum oder in Zentrumsnähe suchen und hat so zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Man wohnt nah an der Uni und gleichzeitig ist man mitten im Geschehen. Allgemein ist man bei einer Wohnungssuche natürlich etwas flexibler als bei einem Studentenwohnheim.

4. Organisation

Bei der Organisation gilt es ein paar kleine Hürden zu bewältigen, bevor man dann endlich in seine französische Traumwohnung einziehen kann. Ich hatte Glück, da ich bei meiner Wohnung weder eine Frais d’agence zu zahlen noch einen Garant gebraucht hatte.

Garant

Viele Vermieter fordern einen sogenannten Garant, das ist jemand, der für einen bürgt, falls man nicht mehr selber zahlen kann. In manchen Fällen kann man dafür die Eltern angeben, in anderen Fällen muss dieser Garant in Frankreich wohnen und ein bestimmtes Mindesteinkommen haben, und dann wird das Ganze schon ein wenig schwieriger. Oft kann man dann aber ein sogenanntes Visa Visale beantragen und dieses verwenden.

Frais d’agence

Bei manchen Wohnungen, die über Agenturen laufen, muss man eine Vermittlungsgebühr zahlen. Dafür übernehmen die Agenturen dann aber manchmal auch so eine Art Hausmeisterrolle und kümmern sich darum, wenn etwas in der Wohnung kaputt geht.

CAF

Keine Sorge, der Antrag für die CAf ist nicht so aufwendig wie z. B. der fürs Bafög. Normalerweise gibt es auch in jeder Stadt ein CAF-Büro. Die Leute dort waren supernett, haben mir bei meinem Antrag geholfen und schon einen Monat später hatte ich meine erste CAF-Rate auf dem Konto.

Sonstige Dokumente

Außerdem vonnöten waren (alles in ausgedruckter Form) ein Einkommensbescheid meiner Eltern, eine Ausweiskopie, ein Passfoto und meine Immatrikulationsbescheinigung.

Agence

Wohnungen, die über sogenannte Agences (Agenturen) laufen, kann ich sehr empfehlen, da so die Wohnungen schon komplett ausgestattet sind. Bei mir war bereits alles vorhanden, von Waschmaschine über Bettdecke bis hin zur Kuchenform. Die Mieten sind dafür etwas höher, dafür spart man sich aber sehr viel Geld und Zeit, da man sich nicht noch erst eigene Möbel oder Küchenutensilien beschaffen muss. Einmal war unsere Waschmaschine kaputt, und schon drei Tage später war eine Neue eingebaut. So was ist unglaublich praktisch, da man sich nicht finanziell an größeren Anschaffungen beteiligen muss für eine Wohnung, in der man nur ein oder zwei Semester bleibt.

Natürlich gibt es auch ganz normale WGs, die möbliert sind und bei denen man die Möbel von den Vormietern abkaufen kann, nur sind diese leider doch etwas rar.

5. (Studenten-)leben

Jetzt kommt er, der ganz große Vorteil von WGs – das französische Studentenleben! Wer Franzosen kennenlernen und sein französisch verbessern will, dem kann ich WGs nur wärmstens empfehlen. Mit meinen drei französischen Mitbewohnern spreche ich ausschließlich französisch und natürlich lernt man auch deren Freunde kennen. Da ich auch in Passau in einer 5er WG wohne und es liebe, wollte ich dieses WG-Leben definitiv auch in Frankreich haben. Zusammen kochen (natürlich ganz französisch mit viel Quiche, Crêpes und Fondant au chocolat), die Wohnung dekorieren, einkaufen, Filmabende machen oder einfach nur über den Tag quatschen, während man zusammen die Wäsche aufhängt.

In unserem Haus sind noch drei andere WGs. Oft trinken wir abends ein Glas Wein zusammen, regen uns gemeinsam über die Lautstärke der Bar in unserer Straße auf oder leihen uns gegenseitig Sachen aus. Für Mai haben wir eine große Party in allen vier WGs gleichzeitig geplant. Wie viel gefeiert wird, hängt natürlich von jeder WG ab. Wir sind eher die Spieleabende-WG als die große Party-WG, was für mich aber vollkommen passt, da man zur nächsten Bar sowieso nur  drei Minuten läuft und so nicht so viel aufräumen muss.

Fazit:

Ich bin sehr froh mit meiner Entscheidung, den Aufwand auf mich genommen zu haben, um eine WG zu finden. Natürlich muss das jeder für sich selber abwägen. Man sollte es auch davon abhängig machen, wie lange man im Ausland sein wird, was man bereit ist, zu zahlen und ob man eher der gesellige Typ ist, der gerne alles teilt oder nicht. Man schaut mit einer WG aber definitiv über den Rand seiner Erasmus-Bubble hinaus, lernt Franzosen und ihre Lebensweise kennen, verbessert die Sprache und hat gleich von Anfang an nicht nur Freunde, sonder auch eine kleine Familie.

Hier findet ihr Tobis Artikel zu Thema „Studentenwohnheim oder WG“. So könnt ihr einen Eindruck bekommen, was es heißt, in Frankreich in einem Studentenwohnheim zu leben. Bei weiteren Fragen könnt ihr gerne unter diesem Beitrag kommentieren oder mir auf Instagram schreiben.

Viel Glück bei der Suche und egal wie ihr euch entscheidet: Habt eine schöne Zeit!

 

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