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Wie teuer ist eigentlich Kathmandu?

Wie teuer ist eigentlich Kathmandu?

Asiatische Länder werden zum Reisen immer beliebter, auch weil sie im Vergleich zu Zielen in Europa oder den Vereinigten Staaten oft relativ günstig sind. Aber trifft das auch auf die Hauptstadt Nepals zu? Heute erzähle ich davon, was mich das Leben in Kathmandu kostet.

“Wie teuer sind die Äpfel?“, frage ich die Verkäuferin auf dem Straßenmarkt. Sie dreht sich zu ihrer Kollegin um und die beiden tauschen sich schnell in Nepali aus. Die kalkulierenden Blicke verraten mir, dass sie versuchen, mich übers Ohr zu hauen. Wahrscheinlich überlegen sie gerade, mit wie viel Preiserhöhung sie davon kommen, ohne dass ich es bemerke. Ich kann mir ein Lächeln nicht verkneifen: Nicht mit mir!

Markt, Äpfel
Auf dem Straßenmarkt ist Handeln angesagt!

Situationen wie diese ereignen sich hier häufig, und zwar nicht nur beim Obst- oder Gemüsekauf. Egal was oder wo ich kaufe – die meisten Händler verlangen von mir mehr Geld als von meinen Nepali Freunden, da sie mich unschwer als Ausländerin erkennen. Hier mal ein paar Beispiele: Ein Kilo Äpfel kostet normalerweise zwischen 200 und 300 nepalesische Rupien (NPR) und eine Taxifahrt von Kathmandu nach Bhaktapur um die 800 NPR. Ich habe allerdings in meinen ersten Tagen deutlich mehr gezahlt: Meine ersten Äpfel kosteten mich einen Kilopreis von 400 NPR und meine erste nächtliche Taxifahrt ganze 1.500 NPR.

Zunächst ist mir das gar nicht aufgefallen. Das liegt daran, dass der Euro in Nepal sehr viel wert ist (1 Euro entspricht circa 126 NPR) und mir selbst die erhöhten Preise anfangs extrem günstig vorkamen. Glücklicherweise hat sich das geändert. Inzwischen merke ich, wenn jemand zu viel verlangt, und traue mich sogar, um einen fairen Preis zu handeln. Für Taxifahrten nutze ich auf Empfehlung einer Freundin die App „Pathao“. Ähnlich wie mit „Uber“ kann man sich mit Pathao mit dem Taxi oder dem Motorrad von seinem Standort abholen und an einen festgelegten Zielort bringen lassen. Besonders wenn man keine Lust auf lange Preisverhandlungen hat, ist die App klasse, da sie direkt einen fairen Festpreis festlegt, an den sich der Fahrer halten muss.

Aber wie hoch sind nun die Lebenshaltungskosten in Kathmandu? Das kommt – wie überall – darauf an, was für eine Art Leben man führt. Wer jeden Abend eine Bar in Thamel, dem Touristen- und Party-Viertel der Stadt, besucht und danach mit dem Taxi nach Hause fährt, kann auch hier ordentlich Geld ausgeben. Im Vergleich zu deutschen Städten lässt es sich in Kathmandu jedoch mit wenig Geld gut leben. Hier meine alltäglichen Ausgaben im Überblick:

Lebensmittel und Getränke

  • Mein Frühstück mache ich mir selbst, unter anderem um dem Nepali-Reisfrühstück zu entkommen. Meistens gibt es Toast und Müsli mit Nüssen oder eine Schüssel Haferflocken. Für eine Packung Toastbrot zahle ich im Supermarkt nicht mehr als 80 NPR (~ 65 Cent) und Obst gibt es für wenige Euro auf dem Straßenmarkt. Etwas teurer sind meine 500g Packung Müsli für circa 3,50 Euro und der Liter Soyamilch für knappe 1,50 Euro. Trotzdem kostet ein gutes Frühstück weniger als einen Euro.
  • Mittags esse ich in einem Restaurant oder in der College-Kantine. Typisch nepalesische Gerichte wie gebratener Reis, Momos, oder Chow Mein bekommt man für unter 2 Euro pro Person. Gemüse- oder Nudelgerichte kosten etwas mehr. Im Schnitt bezahle ich für ein sättigendes und gesundes Mittagessen knapp 3 Euro.
  • Am Abend koche ich zusammen mit meinem Mitbewohner. Je nachdem für was wir uns entscheiden variiert der Preis; allerdings kommen wir selten über 1,50 Euro pro Person. Wenn ich stattdessen in einer Bar oder einem Restaurant essen gehe, wird das Ganze natürlich teurer: Ein Abendessen plus Feierabendbier kostet um die 10 Euro.
  • Tagsüber trinke ich eigentlich nur Kaffee und Wasser. 1,5 Liter Wasser kosten circa 35 NPR (~30 Cent) und 500g Kaffeepulver etwa 400 NPR (~3,20 Euro).
Bier, Bar, Club


Ein Abend in Thamel kann schon mal teuer werden…

Transport

Zur Arbeit fahre ich mit dem Bus. Für eine Strecke bezahle ich 25 NPR (= 20 Cent); pro Tag sind das also 40 Cent. Wenn ich abends eine Bar oder einen Club besuche, kostet mich die Taxifahrt zurück nach Hause höchstens 7 Euro. Von solchen Preisen für den öffentlichen Nahverkehr kann man in Deutschland nur träumen…

Miete, Internet & Co

Für Miete, Strom oder Internet muss ich nichts bezahlen, da ich bei meinem IAESTE-Mentor wohne. Das war in meinem Praktikumsangebot so angekündigt. Die monatliche Miete für eine Einzimmerwohnung in Kathmandu liegt meiner Recherche nach zwischen 110 und 180 Euro. Nicht zu vergessen: Das Datenvolumen auf dem Handy. Für 1 GB zahle ich knappe 114 NPR, also nicht einmal einen Euro.

Freizeit

Vor allem die Besichtigung der vielen Sehenswürdigkeiten und Tempel in Kathmandu kann kostspielig werden. Um die drei Königsplätze in Kathmandu, Bhaktapur und Patan zu besuchen, zahlt man als Tourist um die 10 Euro. Das Geld wird unter anderem dafür verwendet, die durch das letzte Erdbeben beschädigte Gebäude wieder aufzubauen und dient so zumindest einem guten Zweck. Einen beliebten Touristenfehler solltet ihr aber vermeiden: Anstatt bei jedem Besuch der königlichen Plätze wieder Eintritt zu bezahlen, könnt ihr euch von den zuständigen Beamten einen für mehrere Tage gültigen Pass ausstellen lassen. Den Pass sprecht ihr am besten selbst an, da die wenigsten Beamten euch darauf hinweisen werden.

Patan Durbar Square bei Nacht
Für einen Besuch der Königsplätze muss man als Tourist Eintritt zahlen.

Pro Monat (mit einem Abend pro Woche in Thamel, 20 Euro für Freizeitaktivitäten oder Shopping und 18 Euro für meine Auslandskrankenversicherung) liegen meine Ausgaben grob geschätzt bei 250 Euro. Nicht schlecht, oder? Um das besser einordnen zu können, habe ich mal die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten eines Studierenden in Münster recherchiert: Die liegen laut ZEIT ONLINE auch ohne Miete bei 470 Euro!