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Meine erste Yoga Stunde in Kathmandu

Meine erste Yoga Stunde in Kathmandu

Schon in Deutschland habe eine Zeit lang regelmäßig zu Hause Yoga gemacht. Letzte Woche war ich zum ersten Mal in einem Studio in Kathmandu und habe mich anschließend mit meinem Lehrer über seine Yogapraxis unterhalten.

Das Yogastudio in Thamel, dass ich mir für meine erste Stunde ausgesucht hatte, liegt etwa 40 Minuten Fußweg entfernt von meinem Arbeitsplatz. Ich habe mich mit der Entscheidung für ein Studio zunächst schwer getan, da es in Kathmandu wirklich eine große Auswahl gibt. Bei einer Wanderung am letzten Samstag habe ich dann einen Yogalehrer kennengelernt, der mich zu einer Probesession eingeladen hat: Ein Angebot, das ich dankend angenommen habe.

Seit dem Wochenende fieberte ich dem Yogatraining entgegen, vor allem weil meine morgendlichen Yogaübungen in den letzten Wochen häufig ausgefallen sind und ich mich generell gestresst fühlte. So kam ich voller Vorfreude und Neugier am Yogastudio an. Hier traf ich auf meinen Lehrer, der in seinem komplett weißen Gewand ganz anders aussah, als noch am Wochenende in den Bergen. Zunächst hat mich das eingeschüchtert, aber das legte sich nach seiner freundlichen Begrüßung zum Glück sehr schnell. Außer mir war nur ein weiterer Teilnehmer da: Ebenfalls ein Expat, der für eine Weile in Kathmandu lebt.

Hier habe ich meine Yoga Stunde absolviert.
Hier habe ich meine Yogastunde absolviert.

Körper und Geist aufwärmen

Wir bekamen beide eine Yogamatte und verteilten uns in dem großen Raum. Dann ging es los, zunächst mit einigen tiefen Atemzügen im Schneidersitz. Wenig später gingen wir zum Singen von Mantras über: Eine Übung, von der ich wohl schon gehört, die ich aber noch nie ausprobiert, hatte. Anfangs kam ich mir bei dem Versuch, die verschiedenen Silben und Klänge nachzusprechen, ziemlich lächerlich vor. Sobald ich jedoch einen Rhythmus gefunden hatte und das „Vibrieren“, von dem mein Lehrer die ganze Zeit sprach, selbst gefühlt habe, machte das ganze mehr Sinn. Das Wort „Mantra“ kommt von den Sanskritworten „manas“ (= Geist) und „tram“ (= Schutz), und bedeutet so viel wie „Schutz des Geistes“. Nach der Stunde erklärte mein Lehrer, dass das Rezitieren der Silben den aufgewühlten Geist von allen negativen Vorstellungen befreie, damit er voller positiver Energie und Fokus mit dem Yoga beginnen könne.

Bevor wir in komplexere Bewegungsabläufe und Dehnungen einstiegen, bereiteten wir auch den Körper auf das bevorstehende Training vor. Zum Körper zählen in diesem Fall nicht nur Beine, Oberkörper und Arme, sondern sogar die Gesichts- und Zungenmuskeln. Um diese zu aktivieren, sollten wir beim Ausatmen die Zunge heraus strecken und die Augen aufreißen und beim Einatmen Mund und Augen wieder schließen. Mit dieser Übung muss ich mich noch anfreunden: Das Gesicht, ohne besonderen Grund so zu verziehen, fühlt sich echt merkwürdig an!

Jede Übung bewusst spüren

Nach dem Aufwärmen zeigte mein Lehrer uns einige Yogapositionen und
-routinen, die mehrere Teile des Körpers aktivieren. Eine Regel galt für alle Übungen gleichermaßen: Auch der Geist muss mitarbeiten, einerseits durch bewusstes Ein- und Ausatmen und anderseits durch das aufmerksame Spüren des eigenen Körpers. Die Positionen an sich waren nicht allzu kompliziert – wahrscheinlich wollte mein Lehrer mich nicht schon in meiner ersten Stunde mit schmerzhaften Verbiegungen abschrecken. Schwierigkeiten hatte ich allerdings damit, dem gleichmäßigen Atemrhythmus meines Lehrers zu folgen. Wann immer ich die Position wechselte, brauchte ich einige Minuten, um wieder richtig zu atmen, während mein Lehrer alle Übungen in einem einzigen, ununterbrochenen Bewegungsfluss aneinanderreihte.

Auch das längere Halten der Positionen war eine Herausforderung. Oft fühlten sich Stellungen – wie zum Beispiel der herabschauende Hund, die Kobra oder die Brücke – nach kurzer Zeit unbequem an. Gerade da gilt es, den Schmerz auszuhalten und in der Haltung zu verweilen. Meistens gehen die Beschwerden wieder vorbei und man kommt in der Position an. Und selbst wenn das nicht passiert und man sich bis zum Ende unwohl fühlt, sorgt das Aushalten der Stellung zumindest dafür, dass man beim nächsten Training einfacher in die Position hinein findet. Mein Lehrer veranschaulichte mir die Wichtigkeit des Verweilens anhand eines Beispiels: „Wenn du nach Nepal kommst und vom Flughafen direkt wieder zurück nach Hause fliegst, wirst du nichts entdecken. Nur wenn du etwas länger bleibst, kannst du wirklich etwas lernen und etwas fühlen.“

Yoga Studio
So sieht das Studio von Innen aus!

Das finale Ziel: die Meditation

Unsere Yogastunde endete mit verschiedenen Atemübungen, wie zum Beispiel dem aktiven Ausatmen und dem Atmen durch einzelne Nasenlöcher. Das Atemtraining soll Körper und Geist für das finale Ziel des Yogas bereit machen: die Meditation. Laut meines Lehrers bringen die Dehnübungen und Yogaroutinen den Körper zur Ruhe und das anschließende Atemtraining den Geist. Erst wenn Körper und Geist komplett ruhig sind, kann die Meditation gelingen. Dieser Zusammenhang überraschte mich, da ich Yoga und Meditation bisher als zwei verwandte, aber getrennte Praktiken betrachtet habe.

Nach meiner Yogastunde war ich so entspannt und ausgeglichen wie lange nicht mehr und habe mir fest vorgenommen, weitere Stunden zu besuchen. Außerdem möchte ich das Training wieder in meine morgendliche Routine einbauen. Natürlich habe ich nicht jeden Morgen eine ganze Stunde Zeit, aber auch eine kurze Session wird mir sicher sehr gut tun. Mein Yoga Lehrer scheint das ähnlich zu sehen: Zum Ende der Stunde zeigte er uns den Sonnengruß oder „Surya Namaskar“. Der Sonnengruß beschreibt eine Abfolge aus 12 Übungen, die mehrmals wiederholt werden und den ganzen Körper aktivieren. Er ist die ideale Vorbereitung für weitere Positionen, eignet sich aber für Anfänger auch als Einstiegsroutine, die nach und nach ausgebaut werden kann.

Diese Position nennt man "Vrksasana" oder "Baum"

Diese Position nennt man „Vrksasana“ oder „der Baum“.

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