1. Oktober 2025
Von Gruppenarbeiten über weniger Vorlesungen bis hin zu kleineren Kursen – hier bekommt ihr einen Einblick in den schwedischen Unialltag
Es ist nicht unüblich, dass die Kurse von zwei Professoren geführt werden. Das Wintersemester in Schweden geht von September bis Mitte Januar. Der größte Unterschied beginnt damit, dass das Semester in zwei Perioden aufgeteilt ist. Eine Periode ist genau die Hälfte des Semesters. Erasmus-Studenten müssen pro Periode zwei Kurse belegen, also insgesamt vier. Nach jeder Periode wird eine Prüfung abgelegt. Ich finde es gut, dass man sich nur auf zwei Kurse gleichzeitig konzentrieren muss.
In Deutschland muss man mit mindestens sechs verschiedenen Kursen rechnen. Bei der Kursauswahl waren diese für Bachelor-Studenten leider auf sechs Kurse beschränkt, die ich auswählen konnte. Davon waren vier Marketingkurse und nur ein Finance-Kurs – was mit meinem Studienschwerpunkt Finanzen & Controlling natürlich schade ist.
Für diese Kurse habe ich mich entschieden:
Project Management, Financial Management, Brand Management, Service Marketing
Da ich mich noch in der ersten Periode des Semesters befinde, besuche ich derzeit die Kurse „Project Management“ und „Financial Management“. Beide Kurse werden auf Englisch gehalten. Die Kurse bestehen zu 70 % aus internationalen Studenten und zu 30 % aus schwedischen Studenten. Die Kurse sind unterschiedlich, aber auch ähnlich. Es wird viel Eigenarbeit und Gruppenarbeit geleistet.
Der Kurs „Project Management“ ist anders aufgebaut als in Deutschland. Die klassische Vorlesung, bei der die Professoren ihren Input geben, steht uns online zur Verfügung (als Aufzeichnung). Nebenbei gibt es jede Woche ein Treffen in Präsenz, welche „Discussion Meetings“ genannt werden. Hier besprechen wir ausschließlich fünf Fragen, welche am Ende der online-Aufzeichnung gestellt werden. Diese werden in Gruppen bearbeitet und vorgetragen. Neben dieser Art von Vorlesung gibt es auch Seminare und Workshops, zum Beispiel zu wissenschaftlichem Arbeiten. Die Prüfung besteht nicht aus einer klassischen Klausur, sondern aus verschiedenen Prüfungen. Darunter ein Interview mit einem Projektmanager, eine Gruppenarbeit, bei der wir die Projektmanager sind, Präsentationen und Hausarbeiten.

Der Kurs „Financial Management“ ähnelt einer klassischen Vorlesung. Tatsächlich sind wir hier nur neun Studenten. Im laufe der Zeit müssen wir in diesem Kurs zwei „Assignments“ abgeben. Die Aufgaben enthalten Fragen zu den bisherigen Inhalten. Diese werden nicht benotet, müssen aber abgegeben werden. Es wurde uns von dem Dozenten geraten, diese Aufgaben in Gruppen zu lösen, um den Lerneffekt zu erhöhen. Das ist eine gute Lernvorbereitung, weil ich mich so mit dem Stoff auseinandersetzen muss, bevor die Klausur ansteht. In diesem Kurs wird am Ende der Periode eine klassische Klausur geschrieben.

So viel zu meinen bisherigen Kursen. In der zweiten Periode belege ich nur Marketingkurse. Ich habe von vergangenen Studenten bereits erfahren, dass diese viel Eigenarbeit fordern. Ich bin gespannt!
Ein Einblick in meinen Unialltag
Da ich pro Periode nur zwei Kurse belege, halten sich die wöchentlichen Vorlesungszeiten in Grenzen. In den ersten vier Wochen hatte ich pro Woche zwei bis drei Tage Uni. Sie finden nicht wie in Deutschland an den gleichen Tagen zur selben Zeit statt, sondern jede Woche zu anderen Zeiten. Dies hat Vor- und Nachteile, je nach persönlicher Präferenz. Mittlerweile habe ich nur an zwei Tagen in der Woche Uni. Dabei dauern die Vorlesungen nicht länger als drei Stunden. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass nach 45 Minuten eine Pause von 15 Minuten eingelegt wird. Erasmus-Studenten haben also viel Freizeit. Da nun die Zeit der Prüfungen, Präsentationen etc. ansteht, wird sich das schnell ändern.
Deutschland vs. Schweden
Die Lernkultur in Schweden ist sehr frei, aber auch verantwortungsvoll. Wir organisieren uns selbst, setzen Prioritäten und arbeiten viel eigenständig oder in Gruppen. Vorlesungen gibt es zwar, aber im Mittelpunkt stehen Seminare, Diskussionen und Projektarbeiten. Hierbei sollen wir aktiv mitreden und hinterfragen. Auch die Hierarchien sind flacher. Dozenten spricht man meist beim Vornamen an und der Austausch wirkt sehr locker. Typisch schwedisch ist außerdem die Gruppenarbeit. Fast jeder Kurs beinhaltet Projekte im Team. Mein Fazit: In Schweden wird man als Student sehr ernst genommen und hat viel Freizeit, muss aber lernen und damit eigenverantwortlich umgehen.
Ich finde denStudienaufbau in Schweden sehr gut. Ich mag es, eigenverantwortlich zu Arbeiten und mir meine Zeit aufzuteilen. Ich habe schon schlechte Erfahrungen mit Gruppenarbeiten gemacht. Trotzdem sehe ich sie als super Chance, meine Fähigkeiten zu verbessern.
Wie bereits in meinem ersten Blogbeitrag erwähnt, arbeite ich neben meinem Studium in einem Unternehmen. Deshalb kommen mir die eigenverantwortliche Arbeitsweise sowie Gruppenarbeiten auch hier zugute.
Ausblick
Im nächsten Beitrag nehme ich euch mit in meine ersten Tage hier in Schweden und erzähle, wie ich überhaupt angekommen bin.



