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5 Erasmus Mundus Mythen, die nicht stimmen!

5 Erasmus Mundus Mythen, die nicht stimmen!

Ciao in die Runde. Für diejenigen von euch, die neu hier sind, heute geht es ein weiteres Mal um Erasmus Mundus Master Programme. Erasmus Auslandssemester sind ja bekannt, aber die Option, seinen Master an mehreren europäischen Universitäten zu absolvieren, ist noch nicht allzu etabliert. Deswegen möchte ich euch heute einige Mythen dazu entkräften!

Trient
Trento, der zweite Abschnitt meines Erasmus Mundus Masters

Kurz zu mir: Ich studiere den International Master in Security, Intelligence & Strategic Studies (IMSISS), welcher von der Universität Glasgow, Universität Trient und der Karlsuniversität Prag gemeinsam ausgerichtet wird. Über mein Semester in Italien und meine Kurswahl in Schottland und Italien habe ich bereits in vorherigen Artikeln berichtet.

1. Ein Erasmus Mundus Master ist zu teuer!

Ein Auslandsstudium kann teuer sein, aber teilen wir das doch einmal auf in Studiengebühren und Lebenshaltungskosten. Für meinen Master gibt es Studiengebühren, die sind etwa so hoch wie für ein normales Studium in Großbritannien und ich hatte Glück, dass ich mein Studium vor Brexit angetreten bin, da ich deswegen weiterhin nur die „europäischen Fees“ zahlen muss (7.330 Pfund pro Jahr). Im Gegensatz dazu gibt es nämlich auch noch die „nicht-EU Gebühren“, und die belaufen sich rund auf das Doppelte. Studiengebühren gibt es in den meisten Erasmus Mundus Programmen, aber die sind unterschiedlich hoch, je nachdem welches Land die Heimatuniversität darstellt (da wo man sein erstes Semester verbringt und die normalerweise mit der Organisation beauftragt ist). Aber: Für jeden Erasmus Mundus Master gibt es auch Stipendien, bei denen die Studiengebühren komplett übernommen werden und man Lebenshaltungskosten erhält sowie Geld zum Umziehen. Rechtzeitig bewerben lohnt sich! Auch Studienkredite werden angeboten.

Die Lebenshaltungskosten sind auch sehr abhängig vom jeweiligen Land. So war mein Semester in Italien deutlich günstiger als in Schottland, aber für das zweite und dritte Semester beziehe ich über meinen Studiengang noch eine Erasmus+ Förderung, die allen in meinem Studiengang zusteht, die nicht das Stipendium erhalten haben. Ansonsten gibt es auch noch Fördermöglichkeiten vom DAAD oder man kann einen Studienkredit der KfW aufnehmen. Leider sind Stipendienmöglichkeiten für Deutsche, die einen Master komplett im Ausland studieren begrenzt, da die ideellen Förderungen wegfallen und viele Stipendien direkt über deutsche Unis vergeben werden. Daher lohnt sich eine frühzeitige Recherche.

2. Ein Erasmus Mundus Master ist zu stressig!

Anfangs klingt ein Erasmus Mundus Master ganz schön stressig, besonders mit den bürokratischen Anforderungen, alle drei bis sechs Monate umziehen zu müssen. Aber: Als EU-Bürger profitiert man vom Schengener Abkommen und spart sich so schon einmal den ganzen Visumsstress (leider ist das für meine nicht-EU Kommilitonen etwas schwieriger, und neuerdings auch für die Briten, ein Hoch daher auf den deutschen Pass …). Außerdem gibt es an jedem Studienort Koordinatoren, die im Visumsprozess helfen und man hat einen Platz im Wohnheim sicher. Das heißt, man kann sich theoretisch den Wohnungsstress sparen. Es lohnt sich auch, sich mit seinen Kommilitonen auszutauschen! Viel zu spät habe ich erfahren, dass ich Kommilitonen habe, die ganz bei mir in der Nähe in Deutschland wohnen und so könnte man sich für gemeinsame An- und Abreisen zusammenschließen. Die Kombination meiner Studienorte ist auch für mich sehr praktisch gelegen und so bin ich nach Trient mit dem Zug gezogen und nach Prag werde ich das Auto nehmen.

3. Es gibt für mein Studienfach keinen Erasmus Mundus Master.

Tatsächlich gibt es über 140 verschiedene Programme, die in ganz Europa stattfinden. Ich persönlich bin ja immer noch traurig, dass ich mich nicht für WINTOUR entschieden habe – ein Master, bei dem man europäischen Weintourismus studiert! Es gibt wirklich sehr viele verschiedene und „Niche“ Masterprogramme, es gibt eine Vielzahl an LLMs, aber auch im Tanzen, Chemischer Innovation, Food Identity, Nanomedizin, Neurowissenschaften, Atomphysik, Public Health, Mechatronik, Journalismus, Puppenkünstler, Animation, erneuerbare Energien in der Meeresumwelt und und und … Da muss man sich einfach mal durchklicken.

4. Ein Erasmus Mundus Master ist zu kompetitiv!

Das ist etwas schwieriger zu verallgemeinern, und natürlich sehr abhängig von dem Studiengang, da manche eine echt sehr kleine Kohorte haben mit circa 15 Studierenden pro Jahrgang. Ich kann hier nur von meinen Erfahrungen berichten, denn in meinem Studiengang sind wir circa 90 in meinem Jahrgang.  Klar gibt es ein paar Überflieger, aber mein Jahrgang ist wirklich sehr gemischt, auch mit einigen, die seit ein paar Jahren schon arbeiten. Gleichzeitig werden die Erasmus Mundus Programme immer mehr ausgebaut. Im Jahrgang vor mir in meinem Studiengang waren nur knapp 50 Studierende, aber in meinem nachfolgenden Jahrgang werden schon über 100 zugelassen.

Ich denke, da Erasmus Mundus Programme noch relativ neu und unbekannt sind (meinen Master gibt es z.B. erst seit 2017), gibt es nicht abnormal viele Bewerbungen und sie sind auch eher im nicht-europäischen Ausland beliebt.

5. Ein Erasmus Mundus Master ist zu anspruchsvoll!

Wenn ein Erasmus Mundus Master nicht anspruchsvoll wäre, dann würde man ja auch nichts lernen, würde ich mal so salopp dahin schreiben. „Von nix kommt nix“ – der Lieblingsspruch meiner Mutter. Inhaltlich finde ich meinen Studiengang auf jeden Fall anspruchsvoll. Da es aber viel spezialisierter als im Bachelor ist, macht mir das Lernen richtig viel Spaß. Was eher anspruchsvoll ist: sich an die unterschiedlichen Notensysteme und Anforderungen der Dozenten zu gewöhnen. Aber hier habe ich eine recht positive Erfahrung gemacht und bin auf meistens viel Geduld gestoßen. Meine beiden Semester bisher empfand ich bisher als machbar. Lediglich die Prüfungsphasen habe ich bisher noch nie so erlebt, da besonders in Italien diese wirklich sehr anspruchsvoll war und ich in knapp einem Monat den Umfang einer Masterarbeit produzieren und verteidigen musste. Da ich aber auch gleichzeitig zu dem ersten Jahrgang gehöre, der das zweite Semester in Trient absolviert, waren die meisten Dozenten recht flexibel mit Verlängerungen und es besteht die Möglichkeit, die Prüfungen im September abzulegen statt im Mai. Die aktuelle Prüfungsphase in Italien hat mich doch sehr geschlaucht, das will ich nicht lässig abtun und ein falsches Bild vermitteln, aber theoretisch hätte man die Prüfung erneut im September antreten können. Aber ich habe mich dagegen entschieden, da ich im bereits andere Pläne für den Sommer habe.

Kommentare
  1. Vincent

    2. Juli 2021

    Wie hoch sind die Lebenshaltungskosten in Trento/Italien?
    Und ist es auch möglich ein Praktikum in der Nähe zu absolvieren?

    1. Stella

      5. Juli 2021

      Hallo Vincent, danke für deine Frage. Schau gerne mal bei Sarah (https://www.studieren-weltweit.de/welt-erleben/sarah-italien/) vorbei, die hat ein Praktikum in Bozen absolviert und auch über Lebenshaltungskosten geschrieben. Für ein Praktikum kommt es drauf an, in welchem Bereich du gerne eins absolvieren möchtest, für mich Bereich Politik gab es hier wenig Möglichkeiten.

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