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„Erst Mietvertrag unterschreiben, dann Geld zahlen“

„Erst Mietvertrag unterschreiben, dann Geld zahlen“

Für den gelungenen Start ins Auslandsstudium oder -praktikum braucht es auch eine gute Bleibe. Aber was solltest du beim Thema Wohnen im Ausland beachten? Die Leiterin des EU-Büros des Internationalen Mieterbundes, Barbara Steenbergen, gibt Tipps und Hinweise, die Stress mit Wohnung und Vermieter vermeiden können.

Barbara Steenbergen vor einer EU-Flagge
Barbara Steenbergen, Leiterin des EU-Büros des Internationalen Mieterbundes

Wie schütze ich mich bei der Wohnungssuche speziell im Ausland vor Betrug und wie erkenne ich ihn?

Barbara Steenbergen: Man sollte sich durch Risiken nicht beirren lassen und auf jeden Fall im Ausland studieren, aber die Wohnungssuche darf nicht zu leichtfüßig geschehen. Tatsächlich würde ich mich sicherheitshalber davon überzeugen, dass die Wohnung reell existiert. Am besten durch eine Besichtigung. Wenn man selbst nicht vor Ort sein kann, dann vielleicht eine vertraute Person, zu der man dort Kontakt hat. Das wäre ideal. Aus der Ferne wäre auch eine Besichtigung per Videostream denkbar. Ich rate dazu, sehr günstige Mietangebote zu hinterfragen genauso wie Angebote, bei denen man im Vorfeld unzählige Dokumente und Angaben abschicken muss. Wenn das passiert, würde ich den Spieß umdrehen und nach dem Mietvertrag fragen und nach Bildern des Zimmers. Ich würde mir vorher auch den Kontakt zu einer Person geben lassen, die das Zimmer vor mir bewohnt hat.

Welche Tipps können Sie geben, um unseriösen Vermietern aus dem Weg zu gehen?

Steenbergen: Wichtig ist, möglichst erst die Wohnung ansehen, dann den Mietvertrag unterschreiben, dann das Geld bezahlen. Miet- oder Kautionszahlungen sollten nicht im Voraus überwiesen werden. Auch Vorab-Vermittlungsgebühren bei der Wohnungssuche sind unseriös. Da heißt es aufpassen. Auf dem Mietmarkt bewegen sich nicht nur die Guten. Orientierung bieten Listen mit vertrauenswürdigen Vermietern oder schwarze Listen, die die Universitäten vor Ort und die örtlichen Mietervereine meist herausgeben können. Ich empfehle, mindestens so vorsichtig vorzugehen, wie man das bei der Wohnungssuche in Deutschland tun würde.

Welche Rechte habe ich, wenn ich im Ausland eine Wohnung oder ein Zimmer miete?

Steenbergen: Länderübergreifend gilt: Wer einen gültigen Vertrag unterschreibt, dem muss vom Vermieter eine Wohnung zu den vereinbarten Konditionen bereitgestellt werden. Das Mietrecht ist im Ausland aber allgemein vermieterfreundlicher als das in Deutschland, der Mieterschutz oft geringer. Studierende sollten also nicht einfach die Miete senken, weil zum Beispiel die Heizung oder das Internet nicht funktionieren Davon rate ich eindringlich ab, sonst droht schlimmstenfalls die Kündigung. Hinzu kommt, dass für studentisches Wohnen oder Wohnen auf Zeit oft noch einmal weniger Regeln gelten, weil diese Formen vom generellen Mietrecht noch mal ausgenommen sind.

Wie und wo finde ich bei einem Streit wegen der Wohnung im Ausland Hilfe?

Steenbergen: Wer Probleme hat oder sich rückversichern möchte, kann sich an den örtlichen Mieterverein wenden, den gibt es auch international in fast jeder größeren Stadt. Häufig hilft auch die studentische Beratung der Gastuniversität. Das ist besser, als im Internet zu googeln, denn da tauchen auch viele falsche Informationen auf.

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