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Kann ich mir Saudi-Arabien überhaupt leisten?

Kann ich mir Saudi-Arabien überhaupt leisten?

Muss man reich sein, um in Saudi-Arabien zu studieren? Nein! Wie viel Geld ich für mein Auslandssemester ausgeben musste und wieviel ich für’s Studieren bezahlt werde, erfahrt ihr hier.

Beim Schlagwort ‚Saudi-Arabien‘ denken die meisten an Ölbrunnenbesitzer, die im Geld baden, teure Autos fahren und eine ganze flotte Privatjets haben. Ich als Studentin dagegen habe bis jetzt Reichtum als ‚Sich-am-Monatsende-immer-noch-das-gute-Pesto-für-meine-Spagehtti-leisten-können‘ definiert. Eine nicht unbedeutende Diskrepanz also. Deswegen habe ich mir auch eine ganze Weile lang Sorgen über die Finanzierung gemacht. Vor allem weil es bei meinem Studiengang (Master in Meeresbiologie) Pflicht ist, ins Ausland zu gehen.

Glücklicherweise fließt ein Saudi-Arabien eine ganze Menge Geld in die Bildung. Und mit einer ganzen Menge meine ich horrende Summen (ca. 20 Milliarden finanzielle An´fangsaustattung). Was das für mich als Studentin bedeutet? Eine gigantische Uni inklusive top moderner Labore, gratis auf dem Campus wohnen, kostenlose Bus-Taxis, die ich nur per App rufen muss, wenn mir der Sinn danach steht und, haltet euch fest, ein monatliches Gehalt von 1.000 US-Dollar. Ich konnte es selbst eine Weile gar nicht glauben.

Eine junge Frau hält einen 50 Riyal Gelschein hoch un dlächelt. im hingtegrund ist eine Moschee und Pflanzen zu sehen
Was kostet der Spaß? Gar nicht mal so viel! Hier halte ich 50 SAR in der Hand, das sind ungefähr 11 Euro.

Für ein paar Dinge muss ich natürlich trotzdem bezahlen. Lebensmittel zum Beispiel, und die sind hier auch relativ teuer, je nachdem ob es importiert werden muss oder nicht. Da kann ein Wocheneinkauf schon mal gut hundert Euro oder mehr kosten. Was aber meine Ausgaben insgesamt waren und womit ihr rechnen müsst, wenn ihr ein Auslandssemester an der King-Abdullah Universität machen wollt, das werde ich euch jetzt im Einzelnen hier verraten (natürlich ohne Gewähr):

Visum: Das Visum für sechs Monate kostet ca. 100 Euro. Allerdings muss man persönlich nach Berlin (oder Frankfurt) fahren, um es sich ausstellen zu lassen. Ich musste von Bremen anreisen und habe mein Ticket für die Hinfahrt günstig im Voraus gebucht. Da ich nicht wusste, wie lange der Termin dauert, habe ich kein Ticket für die Rückfahrt gebucht, deswegen wurde es dann auch teuer. Insgesamt habe ich also 100 (Visum) + 120 (Bahntickets) = 220 Euro hierfür ausgegeben. Das Visum wird allerdings erstattet, sobald man in Saudi-Arabien ist, das heißt unterm Strich habe ich 120 Euro ausgegeben.

PCR Test: Um nach Saudi-Arabien einreisen zu dürfen, braucht man einen PCR Test, nicht älter als 72 h (Stand November 2021), auf dem auch die Nummer des Reisepasses vermerkt ist. Das hat mich 85 Euro gekostet, die ich aber auch von der Uni in Saudi-Arabien wieder erstattet bekommen habe!

Reisekrankenversicherung: Vor Ort bin ich über die hiesige Uni versichert, der Versicherungsschutz deckt allerdings nicht eine Erkrankung an COVID-19 ab, daher brauchte ich eine Langzeit Auslandskrankenversicherung, die mich 250 Euro gekostet hat und die nicht erstattet wird.

Kleidung: Außerhalb des Campus gilt, dass Arme, Beine und Dekolleté komplett bedeckt sein müssen. Auf dem Campus ist es etwas lockerer, aber Hotpants und Crop-Tops sollte man vermeiden. Seit 2018 ist es nicht mehr Pflicht, eine Abaya (ein langes, meist schwarzes Gewand) zu tragen. Trotzdem musste ich meine Garderobe ein bisschen aufstocken, da meine Sommersachen nicht angemessen waren. Mein Tipp: Nur nicht in Panik verfallen. Mal eine Shorts auf dem Campus zu tragen, geht in Ordnung. Für den Weg vom Flughafen zur Uni reichen eine normale Hose und ein langärmeliges Shirt bzw. eine Bluse, es ist überall kühl dank Klimaanlage. Vor Ort dann eine Abaya kaufen und was Luftiges drunter ziehen.

Flüge: Wurden von der King-Abdullah Uni gebucht und gleich bezahlt! Ich habe nur die Reisedaten bekommen, musste sie bestätigen und das war’s.

Kochtöpfe & Co: Ich habe einen Teller, ein Besteckset, ein Glas und eine Tasse zur Verfügung gestellt bekommen. Außerdem gab es einen etwas ramponierten Topf. Ich wohne mit drei anderen Studentinnen zusammen, also haben wir gemeinsam Pfannen, Töpfe, Küchentücher, Besen, Putzmittel etc. gekauft. Dafür sollte man auf jeden Fall etwas Geld einplanen, etwas mehr als man auch in Deutschland dafür bezahlen würde. Ich habe etwa 80 Euro ausgegeben.

Essen: Wahrscheinlich werde ich hierfür das meiste ausgeben. Lokales ist günstiger, aber im Durchschnitt immer noch etwas teurer. In der Mensa kostet das günstigste Menü (Salat, Hauptspeise, Nachtisch, Getränk) vier Euro, und es ist so viel, dass man am besten eine Brotbox für Reste mitnehmen sollte :). Wenn man an der Essensausgabe um etwas mehr bittet, bekommt man das auch ohne Probleme.

Eine Ladenauslage mit getrockneten Datteln aller Art
Lokales ist günstiger, und es gibt eine Menge zu entdecken!

Transport: Auf dem Campus ist der Transport kostenlos. Es gibt Linienbusse und so genannte „Rekabs“, die man per App ruft, wenn die Linienbusse nicht fahren. Zudem gibt es kostenlose Busse die 1-2-mal pro Woche nach Thuwal, Dschidda und, ja, zu Ikea fahren :). Seit 2018 dürfen Frauen auch Auto fahren (ja, das habt ihr richtig gelesen…), auf dem Campus gibt es einen Autoverleih, der kostet natürlich etwas. Ein Auto zu mieten, bietet sich vor allem für Ausflüge außerhalb des Campus an. Und man sollte in seiner Heimatstadt einen internationalen Führerschein beantragen (geht schnell und kostet nur ca. 16 Euro).

Freizeit: Es gibt einen Strand, ein Fitnessstudio und Pools, die man kostenlos nutzen kann! Ansonsten gibt es auf dem Campus ein Kino, Bootstouren, Tauchkurse und vieles mehr, die Preise sind nicht supergünstig, aber doch bezahlbar. Ich habe 500 SAR (ca. 115 Euro) für einen Arabischkurs ausgegeben, das sind ca. 10 Euro pro 90 Minuten Unterricht.

Sonstiges: Hier gibt es eine Menge Katzen, und früher oder später freundest du dich mit einer an. Oder sie rennt einfach in deine Wohnung und muss mit Leckerlis wieder rausgelockt werden. Unsere WG hat ein paar Katzensnacks für unseren Stammkater Raúl besorgt, die er mehrmals am Tag einfordert. Und noch etwas Wichtiges – für alle menstruierenden Menschen: BRINGT EUCHT TAMPONS MIT! Oder auch Menstruationstassen. Binden gibt es, aber Tampons habe ich umsonst gesucht, was umso nerviger ist, da ich für meine Forschung tauchen muss. Auf Amazon oder Noon (ein lokaler Onlinehändler) kostet ein 20-Stück Packung dann gerne mal 20-40 Euro. Das ist eine Ausgabe, die ihr euch leicht sparen könnt.

Eine Katze auf ihrem Rücken liegend und den Mund aufgerissen
HUNGEER! Wenn man seine Mitbewohner durchfüttern muss, wird es ein bisschen teurer.

Im Großen und Ganzen habe ich also keine finanziellen Sprünge begehen müssen, um mein Auslandssemester zu finanzieren, eher im Gegenteil. Ich wusste vorher nicht, dass es so sein würde und hätte mir gewünscht, dass mir jemand erzählt hätte, dass es so etwas überhaupt gibt! Daher an alle, die denken ein Auslandsemester kostet Unmengen: Es geht auch anders!

Ich hoffe ich konnte euch damit helfen, falls ihr noch Fragen habt, stellt sie mir gerne!

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