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5 Stunden Zeit? So war meine erste Klausurenphase in Lund

5 Stunden Zeit? So war meine erste Klausurenphase in Lund

Die Hälfte meines Auslandssemesters ist schon  vorbei und das bedeutet in Schweden: Klausurenphase! Denn die gibt es hier nicht nur am Ende, sondern auch in der Mitte des Semesters.

Grundsätzlich ist jedes Semester an schwedischen Universitäten in zwei „Study-Periods“ aufgeteilt, in denen man jeweils zwei Module vom Umfang belegt. Es gibt auch größere Module, die manchmal ein gesamtes Semester dauern (allerdings nicht in meinem Studiengang).

Kein Zeitdruck in Klausuren?

In diesem ersten Halbsemester belegte ich die Module „Electric and Electric Hybrid Vehicles“ und „Introduction to Wireless Systems.“ Beide werden durch eine normale Klausur am Ende des Kurses abgeschlossen. Diese Abschlussklausuren heißen hier „Tentamen“ und man hat ganze fünf Stunden Zeit zur Bearbeitung. Da die Zeit so lang ist, nehmen sich einige Studierende große Portionen zu Essen mit in die Klausur und es ist sogar erlaubt, bis zu eine Stunde später zu erscheinen.

Ich persönlich fand den fehlenden Zeitdruck sehr angenehm. Meine erste Klausur war nicht umfangreicher als eine anderthalbstündige Klausur in Deutschland. Deshalb gaben die meisten schon weit vor Ablauf der Zeit ab. In dem anderen Modul sah das jedoch ganz anders aus. Die Klausur war sehr umfangreich und ich habe die zur Verfügung stehende Zeit voll gebraucht. Durch den fehlenden Druck neige ich dazu, entspannter zu arbeiten. Andererseits war ich am Ende sehr kaputt und damit ließ auch meine Konzentration nach. Die längere Dauer hat also nicht nur Vorteile.

Lernraum auf einem Campus, viele Leute sitzen an Tischen und lernen
Im Studiecentrum der technischen Fakultät findet man viele Gruppen- und Einzelarbeitsplätze.

Eine offene Uni trotz Corona-Pandemie

Zu meinem Glück haben die Bibliotheken und Lernräume in der Universität trotz COVID-19 geöffnet. Ich persönlich kann mich dort meist besser konzentrieren als zu Hause. Außerdem wollte ich nicht den ganzen Tag allein in meinem Wohnheimzimmer sitzen. Deshalb habe ich oft im Studiecentrum gelernt, einem Haus auf dem Campus mit vielen Einzel-, Gruppen- und Stillarbeitsplätzen. Aber auch in den verschiedenen Gebäuden der technischen Fakultät findet man ruhige Räume, in denen man sich austauschen kann.

Außerdem macht es die Klausurenphase, vor allem im Auslandssemester, viel entspannter, wenn man mit den anderen Austauschstudierenden lernt und zusammen Pausen einlegen kann. Wir gingen jeden Tag in eine der Nations (das sind studentische Organisationen, die zum Beispiel Mensen betrieben) Mittagessen, legten am Nachmittag eine gemeinsame Fika mit schwedischem Gebäck und Kaffee ein und kochten am Abend zusammen.

Eine Klausur kommt selten allein…

…sondern mit Laboren und Assignments. Denn schon vor den Klausuren musste ich einige Leistungen erbringen. Im „Wireless Systems“-Kurs bedeutete das das Vorbereiten und Besuchen von drei Laboren im Semester. Nur so wurde ich zur Klausur zugelassen.

Noch umfangreicher sah die Zusatzleistung in meinem anderen Kurs zur E-Mobilität aus. Hier mussten alle Studierenden entweder allein oder zu zweit ein sogenanntes Home-Assignment anfertigen, eine mehrere Seiten lange Ausarbeitung zu einem bestimmten Thema. In diesem Jahr lautete dieses „Electric Roads vs. Hydrogen“. Mit Hilfe von MatLab, einer Software für mathematische Berechnungen, simulierten wir jeweils batterieelektrische, Fuel-Cell elektrische (also mit Wasserstoff-Brennstoffzelle betriebene) und auf elektrischen Straßen geladene Autos und Trucks und verglichen beispielsweise Energieverbrauch und Kosten.

Messinstrument aus der Drahtloskommunikationstechnik mit einem Display, vielen Tasten und angeschlossenen Kabeln.
In meinem Kurs zum Thema Drahtloskommunikation führten wir verschiedene Experimente und Messungen durch. Mal mit modernen und mal mit älteren Instrumenten.

Zur Bearbeitung der Ausarbeitungen gab es Übungen in der Universität. Das war extrem hilfreich, da wir hier nicht nur Fragen stellen, sondern auch Kontakt zu anderen Studierenden in diesem Kurs aufnehmen konnten. Es wäre sonst äußerst schwierig gewesen, einen Gruppenpartner zu finden. Zum Glück lernte ich dort einen schwedischen Master-Studenten kennen, der Lust hatte, die Arbeit gemeinsam zu schreiben. Wir arbeiteten daran zwei Wochen lang täglich. Ich kann auf jeden Fall empfehlen, sich einen Partner zu suchen. Dadurch kann man sich die Arbeit teilen, sich beim Programmieren und Schreiben helfen und die Ergebnisse besser austauschen und einordnen. Da ich an der TU Berlin noch nie eine Arbeit dieser Art abgeben musste, hat mir die Zusammenarbeit extrem geholfen. Mit dem erfolgreichen Bestehen des Assignments war auch das Modul bestanden. Die Klausur bestimmt in dem Fall nur noch die Note.

Andere Prüfungsformen

Alle meine Klausuren fanden übrigens vor Ort statt. Einige der anderen Austauschstudenten hatten aber auch Onlineklausuren oder sogar mehrtägige Klausuren. Dabei haben sie die Aufgabenstellung bekommen und dann 48 Stunden Zeit, diese in Form eines Essays zu bearbeiten und hochzuladen.

Nach der Klausurenphase beginnen dann die neuen Kurse. Darin wird es einerseits um künstliche Neuronale Netze und andererseits um Projektmanagement gehen. Wenn ihr mich auch in der zweiten Study-Period weiterhin verfolgen wollt, schaut hier auf dem Blog oder auf meinem Instagram-Kanal vorbei! Falls ihr euch fragt, wie das mit Corona und einem Auslandssemester eigentlich funktioniert und auf was man bei der Planung achten sollte, empfehle ich euch diesen Artikel von Mareike.

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