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Plastikbesteck statt goldener Löffel: Mit Kind ins Auslandssemester

Plastikbesteck statt goldener Löffel: Mit Kind ins Auslandssemester

Anfang August in meinem Berliner Zimmer: Zettelkram und Kinderchaos soweit das Auge reicht. Gerade habe ich den letzten Brief zur Post gebracht. Damit ist das Thema Orga abgehakt und wir müssen eigentlich nur noch losfahren. Moment, wirklich? Kaum zu glauben. Denn wenn ich mich richtig erinnere, beschäftigen wir uns mit der Planung des Auslandssemesters seit Dezember. Denn so romantisch das klingt, Erasmus ist lange nicht so familienfreundlich wie es sich gibt. Und wer mal richtig Lust auf Bürokratie hat, der plane ein Auslandssemester mit Kind!

Spielzeug und Zettel auf einem Boden
Kinderzeug und Zettelkram

Die Entscheidung – Fernweh ruft!

Da sitzen wir – das heißt Basti, mein Freund, unsere Tochter Robin und ich – also eines verregneten Winters in Berlin und die Idee kommt auf: Lass uns doch solange Robin noch klein ist, mal eine Zeit ins Ausland gehen. Also schauen wir auf die Homepages unserer Unis. Es zeigt sich: Beide Hochschulen haben gemeinsame Partnerunis in Lissabon und Istanbul. Und da die Türkei im Moment – gelinde gesagt #freedeniz – politisch etwas schwierig ist und ich schon portugiesisch spreche, ist für uns klar: Lissabon soll es werden.

Mit diesem Vorhaben, haben wir uns dann also ins Erasmus-Bewerbungsprozedere gestürzt. Und es hat geklappt. Wir können schon mal sagen: Die Chancen als Familie Erasmusplätze zu bekommen sind gut. Auf Diversity geschulte Sachbearbeiter_innen im Amt für internationale Angelegenheiten der Unis bzw. im International Office sind eine nette Unterstützung, aber im Erasmuskosmos das Rad neu erfinden können sie auch nicht. Denn die erste Frage war natürlich:

It´s all about money: Wie finanzieren wir das?

Hätte ich nicht schon Erfahrung mit den Tücken eines Auslandsaufenthaltes hinter mir gehabt – wir hätten mehr als einmal das Handtuch geworfen.

Unsere Situation ist folgende: Ich beziehe regulär Bafög, habe damit auch Anspruch auf Auslands-BAföG mit Kinderzuschlag und bekomme für vier Monate den Erasmus+ Zuschuss.

Basti bekommt Erasmus+. Er studiert allerdings auf dem zweiten Bildungsweg. Weil dies nach der Erzieherausbildung und integrierten Kinderpflegeausbildung als dritte Ausbildung gewertet wird, hat er weder Anspruch auf Inlands- noch auf Auslands-BAföG. Stipendien? Leider Fehlanzeige. Einschließlich Kindergeld haben wir damit ca. 1600 Euro pro Monat für drei Personen. Das ist nicht viel. Nach kurzer Krise sagen wir aber: Wir machen das trotzdem. Auch wenn wir sparsam leben müssen.

Mit Kind ins Ausland – muss das denn sein? Ja, es muss!

Die finanziellen Schwierigkeiten haben uns ein Grundsatzproblem vor Augen geführt: Wer nicht mit einem goldenen Löffel auf die Welt gekommen ist oder einen perfekten linearen Lebenslauf vorweisen kann, wird kaum eine Chance haben, einen Auslandsaufenthalt mit Kind zu finanzieren.

Einige Zeit im Ausland verbringen zu können, bedeutet mehr als nur in der Sonne liegen, feiern und neue Freunde finden. Es ist vor allem ein Bildungsprivileg. Da sagen dann der Eine oder die Andere nicht ganz unberechtigt: Was wollt ihr denn auch mit Kind im Ausland? Studiert halt zu Ende und geht arbeiten! Klar, kann man so sehen. Aber dann bleiben Auslandsaufenthalte jenen vorbehalten, die es sich ohnehin schon leisten können. #Bildungsschere #AufstieginDeutschland

Für Familien, die mit Erasmus ins Ausland gehen wollen, heißt das: Solange nicht beide eine Finanzierung sicher haben, die nicht von ortsgebundener Lohnarbeit abhängig ist, müssen sie sich sehr genau überlegen, wie sie das Geld aufbringen. Einen institutionellen vorgesehenen Weg gibt es dafür nicht. #Familienfreundlichkeit

Soviel erst mal zum Thema Geld. Wie es mit der Planung weiter geht und wie wir uns schlussendlich ab Mitte August mit einem Camper Jahrgang ´91 auf dem Weg nach Portugal befinden, erfahrt ihr in den nächsten Wochen hier.

Kommentare
  1. MKH

    6. September 2017

    Liebe Louisa,

    viel Erfolg für euer Vorhaben! Ich habe selbst zwei Mal mit Kindern im Ausland studiert, zunächst im BA mit 1 Kind in London, im MA dann mit 2 Kindern in Edinburgh. Beides teure Städte, beides Mal selbstfinanziert. Ich kann sagen, es hat sich gelohnt – für mein Studium, meine Berufsaussichten und für die Kinder.
    Ich stimme dir zu, die Finanzierung muss besser werden – WIEDER. Denn die Auslandsfördering i.R. von Erasmus war bis 2012 deutlich besser. Die Begabtenförderung hat hier mehr zu bieten, wahrscheinlich ist das leider schon zu spät für dich.

    Euch auf jeden Fall eine tolle Zeit!

  2. anni

    17. August 2017

    Hallo!
    Ich finde Euer Vorhaben super und bewundere Euren Mut! Toll!
    Viel Glück und Erfolg Euch beim Auslandsstudium mit Kind 🙂

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