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Die Sache mit dem Geld: mein Praktikum in Helsinki

Die Sache mit dem Geld: mein Praktikum in Helsinki

In Finnland ist fast alles teurer als in Deutschland. Vor allem auch Wohnen. Mit welchen Mietpreisen man so rechnen muss, habe ich euch schon in meinem Beitrag zur Wohnungssuche erzählt. Zum Alltag gehören ja aber jede Menge weitere Ausgaben dazu – die Wohnung ist da erst die halbe Miete (sorry, der musste sein). Ein Kostencheck.

Ausgaben

Für mein Zimmer in wunderschöner, sehr zentraler Lage, zahle ich für die Stadt sehr angemessene 520 € warm im Monat. Bei der Wohnungssuche sollte man meiner Meinung nach immer den Arbeitsweg beachten. Würde ich in einem äußeren Bezirk wohnen, würde ich vielleicht 100 oder 150 Euro weniger Miete zahlen, müsste aber jeden Tag mit der Bahn oder dem Bus in die Stadt zur Arbeit fahren. Als Nicht-Studentin würde ich für eine Monatskarte in Helsinki 130 € zahlen. Jetzt kann ich zu Fuß gehen, was bekanntermaßen umsonst ist und noch dazu viel gesünder. Damit komme ich am Ende eventuell günstiger, aber zumindest nicht wesentlich teurer weg.

Kostenpunkt Nummer zwei: Essen. Lebensmittel sind in Finnland etwas teurer als bei uns. Wenn man sich aber nicht gerade mit den Gourmetartikeln eindeckt, kann man dennoch günstig einkaufen. Nudeln, Brot, passierte Tomaten, andere Konserven bekommt man zu ähnlichen Preisen wie bei uns. Was für mich eigentlich gar nicht geht, ist in der Mittagspause essen gehen. Jeden Tag 10-15 € oder mehr? Keine Chance. Deshalb Essen vorkochen oder immer öfter mal zum Klassiker „Nudeln mit Pesto“ greifen. Auch (exotisches) Obst ist teurer. An sich sind die Preise aber gar nicht soooo schlimm, wie man gerne tut. Es sind eher vereinzelte Dinge, die unerwartet teuer sind. Am meisten leide ich zum Beispiel unter den Preisen für Cashewkerne und geriebenen Käse. Erstere habe ich mir deshalb von meinem Besuch einfliegen lassen.

Grundsätzlich macht natürlich (wie überall) die Wahl des Supermarktes etwas aus. K-Market ist etwas teurer, hat aber in vielen Dingen eine bessere Auswahl. Alepa und S-Market gehören zur gleichen Kette und sind ähnlich günstig. Seit Lidl die finnische Halbinsel erobert hat, sollte aber eigentlich kein Deutscher mehr Probleme mit dem Lebensmitteleinkauf haben. Hier gibt es nicht nur schwäbische Maultaschen, sondern eben auch günstigere Preise. Im Monat komme ich auf etwa 200 € für Lebensmittel.

Freizeitspaß?

Damit wären eigentlich die größten Fixkosten schon gedeckt. Was macht der Mensch denn sonst noch eigentlich? Ach ja! Leben. Essen gehen kann man sich ab und zu mal leisten, wenn man weiß wo es günstig ist. Überraschenderweise ist Sushi zum Beispiel hier sehr günstig. Vermutlich, weil auch der Fisch sehr günstig ist. Finnischen Lachs bekommt man für ca. 16 €/kg (das Rezept für eine herrliche Lachssuppe hab ich hier aufgeschrieben). Ich arbeite schon an einem Guide mit meinen Lieblingsorten. Da sind dann auch ein paar Restauranttipps dabei. Ansonsten habe ich den Vorteil, dass ich mir nichts aus Alkohol mache und deshalb auch Besuche in Bars oder Pubs für mich günstig ausgehen, da ich kein Bier für 8 € oder mehr erwerben muss. Mein wunder Punkt sind jedoch Second-Hand-Geschäfte, die ich leider sehr gerne aufsuche und dort mein Geld lasse. Irgendeinen Ausgleich zum Alltag braucht halt jeder.

Einnahmen

Was ein Glück, dass ich auch etwas Geld bekomme. Zum einen bekomme ich monatlich 300 € Praktikumsvergütung, davon alleine lebt es sich aber etwas trocken. Deshalb bekomme ich noch 300 € vom DAAD. Auf das DAAD Kurzstipendium können sich alle Leute bewerben, die ein Praktikum bei einem Goethe-Institut, einer Auslandsvertretung und verschiedenen anderen staatlichen Einrichtungen machen. Dazu kommt noch ein Fahrtkostenzuschuss, der individuell berechnet wird. Dann bekomme ich weiterhin dasselbe Taschengeld von meinen Eltern, wie zuhause auch.

Damit komme ich ganz gut zurecht. Gerade in den ersten zwei Wochen musste ich allerdings auf meine Ersparnisse zurückgreifen, weil man auch beim Einzug in ein möbliertes Zimmer irgendwie allerhand Sachen anschaffen muss. Außerdem bin ich (Dorfkartoffel, die in einer Kleinstadt studiert) noch immer überreizt von der Menge an Angeboten und Dingen, die man gerne kaufen möchte. Und oft halt auch kauft.

Die Abrechnung

Alles in allem finde ich das Leben in Helsinki nicht so übertrieben teurer, als in anderen (auch deutschen) Großstädten. Meiner Erfahrung nach gibt es immer eine günstigere Alternative. Aber ganz klar: Alleine mit dem Geld von Praktikum und Stipendium könnte ich hier nicht leben! Ohne Erspartes und die Hilfe meiner Eltern würde ich am Existenzminimum kratzen – und zwar von unten. Es empfiehlt sich also ein gut vergütetes Praktikum zu suchen und zu Hause bereits einiges auf die Seite zu legen und sich lieber dort ein paar Monate zu beschränken, um dann alle schönen Facetten des Auslandssemesters genießen zu können.

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