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Vom nach Hause kommen und der Angst, was zu verpassen

Vom nach Hause kommen und der Angst, was zu verpassen

Vor etwa zehn Monaten saß ich an einem Flughafen auf dem Weg in mein Auslandsjahr und schrieb einen Artikel mit dem Titel „Vom Heimweh und der Angst was zu verpassen“. Jetzt sitze ich, genauso, wieder am Flughafen, auf dem Weg nach Hause, und schreibe die Fortsetzung. Vom nach Hause kommen und der Angst, was zu verpassen. Klingt widersprüchlich? Passt aber sehr gut zusammen.

Die Zeit im Ausland besteht nicht nur aus Studieren oder Arbeiten. Viel mehr aus unzähligen Reisen, Abenteuern und Menschen, die einem ans Herz gewachsen sind. Wenn man sich verabschiedet, verabschiedet man sich nicht nur von neu gewonnenen Freunden, sondern auch von einer Lebensweise, die man über Monate aufrecht erhalten hat. Ich habe mich daran gewöhnt, wie schwer es ist, ein Taxi oder eine Pizza zu bestellen auf einer Sprache, die man nicht perfekt beherrscht oder wie ich in einen Alltag passe, in dem mir vieles komplett fremd ist.

Zurück nach Hause zu kommen bedeutet, auf der einen Seite, eine gewisse Sicherheit: man ist umgeben von einer vertrauten Sprache, von vertrauten Straßen, von vertrauten Menschen. Aber es ist auch begleitet von viel Unsicherheit; so weiß ich beispielsweise noch nicht, wo ich meinen Master machen werde. Das ist sehr viel einfacher zu ignorieren, wenn man weiß, dass an jeder Ecke ein Abenteuer wartet und nicht der Alltag.

Natürlich bedeutet der Alltag zurück in Deutschland nicht, dass jedes Abenteuer plötzlich vorbei ist. Wer einmal im Ausland gewohnt hat, wird mir vermutlich zustimmen, dass es ist wie mit den Tattoos – wenn man einmal angefangen hat, kann man nur schwer wieder aufhören. Die Reiselust ist geweckt. Aber Reisen ist anders, als im Ausland zu leben und damit muss man sich erst einmal wieder anfreunden. Und – ohne Frage – es gibt viele großartige Aspekte daran. Wer vermisst kein deutsches Brot oder gut ausgestattete Drogerien? Ich weiß genau, dass ich mich nach einer ausgiebigen Shoppingtour und der Erkundung der Schrankhälfte, die es nicht mit ins Ausland geschafft hat, mit meiner Familie zusammen setzen werde und sie erst einmal nicht mehr gehen lasse.

Also vielleicht ist die Moral von der Geschicht‘, dass es immer Potential gibt, etwas zu verpassen. Ob nun im Ausland oder Zuhause. Und ich schreibe diesen Blogeintrag vor allem deshalb, weil ich weiß, wie viele nach dem Auslandssemester oder Praktikum wieder nach Hause kommen und ein Stück Sehnsucht mit sich tragen. In meinem Fall ein Stück Sehnsucht in Ararat-Form. Aber viel besser, als Angst zu haben und sich hierhin oder dorthin zu sehnen ist, auch im Alltag ein Abenteuer zu suchen. Vielleicht versteckt sich doch hinter jeder Ecke eines. Und vielleicht passen Heimweh und Fernweh doch besser zusammen als wir denken. Vielleicht kann das eine ohne das andere gar nicht existieren.

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