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Wie man sich in Schottland so richtig blamieren kann!

Wie man sich in Schottland so richtig blamieren kann!

Knapp 2 Monate lang lebe ich jetzt schon im Land von Pubs & Kilts und trotzdem lerne ich immer wieder etwas Neues über die Kultur und die Menschen. Glasgow wurde nicht umsonst als eine der freundlichsten Städte der Welt ausgezeichnet – die Menschen sind warmherzig und hilfsbereit, das bin ich aus Berlin gar nicht gewohnt. Es gibt aber auch einige Dinge, bei denen die meisten Schotten sehr empfindlich sind. Ein paar Beispiele liste ich hier mal für euch auf:

1. See statt Loch sagen

In Schottland gibt es Lochs, keine Seen. Wer Lake Ness oder Lake Lomond sagt, wird definitiv korrigiert. Lochs sind stehende Gewässer (also was wir als Seen bezeichnen), aber auch schmale Meeresbuchten. Meine schottischen Freunde sind immer wieder begeistert, wie gut ich ‚Loch‘ aussprechen kann, denn das kehlige ‚ch‘, das in der deutschen Sprache ganz natürlich ist, fällt vielen englischsprachigen Menschen schwer. So kann man auch ganz gut zwischen Schotten und Engländern unterscheiden: Viele Engländer sprechen das schottisch-gälische Wort nämlich wie ‚Lock‘ aus.

Loch Lomond - das größte Loch Schottlands

Loch Lomond – das größte Loch Schottlands.

Ausblick auf Loch Lomond
Ausblick auf Loch Lomond.

2. Haggis für ein Tier halten

Gestern war ich zum ersten mal Haggis essen – die wohl bekannteste schottische Spezialität. Wisst ihr, was Haggis ist? Angeblich denken wohl einige Touristen, dass es sich bei Haggis um ein Tier handelt. Dieses Gerücht hat seinen Ursprung in der schottischen Folklore und wurde erfunden, um sich über die Engländer lustig zu machen. Wer sich für diese Geschichte interessiert, kann das hier nachlesen. Aber nein: Haggis ist ein Gericht aus Schafsmagen, -herz, -leber, -lunge und -nieren sowie Zwiebeln und Hafermehl. Klingt vielleicht nicht so lecker, verwertet aber wenigstens das ganze Tier. Ich esse kein Fleisch, für mich ist das also nichts. Aber Haggis gibt es auch in vielen Pubs und Restaurants in der vegetarischen Version – und es schmeckt richtig lecker! Also traut euch und gebt Haggis bei einem Schottlandbesuch eine Chance.

Haggis mit Neeps (Rübenpüree), Tatties (Kartoffelbrei) und Whiskysauce
Haggis mit Neeps (Rübenpüree), Tatties (Kartoffelbrei) und Whiskysauce.

3. Kilts belächeln

Wer sich über Kilts amüsiert, macht sich hier schnell unbeliebt, denn der Schottenrock hat eine lange Tradition. In den schottischen Clans werden Kilts in der Familie weitervererbt. Dabei hat jeder Clan ein anderes Karomuster, das Tartan genannt wird. In meinem Mountaineeringclub gibt es sogar Clubmitglieder, die im Kilt wandern gehen – kein Scherz! Das ist also kein vergänglicher Trend oder nur der älteren Generation vorbehalten. Viele meiner Freunde finden Kilts richtig cool! Auch wenn man keine schottischen Vorfahren hat, kann man Kilts für Feierlichkeiten ausleihen. Besonders gut macht sich das beim Ceilidh. Wer nicht weiß, was das ist, kann es in diesem Blogbeitrag nachlesen.

Kilts werden zu besonderen Anlässen oder als Touristenattraktion getragen.
Kilts werden zu besonderen Anlässen oder als Touristenattraktion getragen.

4. Die Todsünde: Schotten als Engländer bezeichnen

Während dir alles andere vielleicht noch verziehen wird, machst du dir hiermit auf keinen Fall Freunde: Die meisten Schotten hassen es, wenn man sie fragt, ob Schottland ein Teil von England ist oder noch schlimmer: sie als Engländer bezeichnet. Das ist schon eine besondere Art der Hassliebe: Bei Fußball- oder Rugbyspielen wird jede Mannschaft unterstützt, die gegen England spielt, die Studienkosten sind an meiner Uni für Engländer fast zehnmal so hoch und selbst wildfremde Menschen haben mir schon nachts auf dem Nachhauseweg in der Bahn erzählt, dass sich Engländer wohl vieeel zu wichtig nehmen. Für’s Wandern scheint England aber doch gut genug zu sein, deshalb geht es nächstes Wochenende für mich mit dem Mountaineeringclub in den Lake District.

Wie ihr also merkt, sind die Menschen hier sehr stolz auf ihr Land und ihre Kultur. Ich finde, dass man die Bräuche und Traditionen am besten kennenlernt, wenn man mit Schotten zusammen ein Pint im Pub trinkt und sich Geschichten erzählen lässt. Cheers!

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