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Studium abbrechen?

Studium abbrechen?

Als ich diesen Artikel beginnen wollte, hatte ich eine Liste an Beschwerden im Kopf. Diese haben mir das Leben in den letzten Wochen neben Abgabeterminen und Unistress nicht unbedingt einfacher gemacht. Zwischendurch hatte ich sogar die Überlegung angestellt, meinen Doppelmaster wieder abzubrechen und zurück nach Deutschland zu gehen, wo ich im nächsten Semester nur noch die Masterarbeit schreiben müsste und ansonsten noch die letzten Monate des Studierenden-Daseins genießen könnte. Ein paar Sinnkrisen später bin ich immer noch hier. Was hält mich?

Beginnen wir mit den schlechten Dingen. Die Organisation hat im Vergleich zum Anfang sehr nachgelassen: die Anrechnung der Kurse war bis zuletzt unklar, es steht immer noch aus, ob wir nächstes Semester neben der Masterarbeit plötzlich noch weitere Kurse belegen oder sogar ein Praktikum im Umfang von zwei bis drei Monaten machen müssen und auch die Erasmus-Förderung kam aufgrund des unklaren Learning Agreements erst Monate nach meiner Ankunft an. Mit drei Seminar-Arbeiten in den Semesterferien (wir sprechen von einem Zeitraum von sieben Wochen, Weihnachten einmal abgezogen) wird kaum Freizeit übrig bleiben, bis das Studium wieder beginnt.

Das klingt alles erst einmal nicht nach Sonnenschein, hat aber doch ein paar positive Seiten.

1. Der Zusammenhalt unter den Studierenden ist enorm gestiegen

Mit den steigenden Abgaben (Essays, Referate, Forschungsprojekte) zum Semesterende bin ich natürlich nicht allein. Auch meine Kommiliton*innen hängen da mit drin. Meistens haben wir alle Kurse gemeinsam, was bedeutet, dass wir oft den ganzen Tag zusammen in der Bibliothek an denselben Abgaben schreiben oder in den Seminaren sitzen. Oft ergibt sich daraus ein Feierabend-Bier, eine gemeinsame Kochrunde oder eine Kaffeepause zwischendurch. Während ich anfangs noch das Gefühl hatte, dass hier schon alle eine eingeschworene Gruppe sind, weil sie zusammen bereits das erste Semester durchgestanden haben, fühle ich mich mittlerweile sehr gut in die Gruppe inkludiert. Geteiltes Leid ist eben halbes Leid.

Melanzane alla Parmigiana Essen
Geteiltes Leid ist halbes Leid: zusammen mit den Mitstudierenden kochen (bzw. bekocht werden).

2. Lerneffekt

Natürlich lernt man bei der ganzen Sache auch sehr viel: Selten musste ich so viele Texte innerhalb einer Woche nicht nur lesen, sondern auch wöchentliche Essays darüber schreiben. Sich aktiv mit Texten auseinander zu setzen, bringt für das Verständnis doch mehr als sie nur zu überfliegen. Ständig mit italienischen Studierenden abzuhängen bedeutet (trotz sehr guter Englischkenntnisse meiner Kommiliton*innen) auch, sehr oft mit der Sprache und den Bräuchen konfrontiert zu sein. So lerne ich gerade mehr und mehr Italienisch, ohne einen Sprachkurs zu besuchen.

3. Deadlines

Normalerweise habe ich selten Probleme mit Deadlines. Mit zwei bis drei verschiedenen Abgaben pro Woche bleibt einem aber nichts anderes übrig, als grundsätzlich immer zu spät mit allem dran zu sein. Als Perfektionistin, was Texte betrifft, ist das erst einmal eine Herausforderung für mich. Mittlerweile habe ich aber akzeptiert, dass ich einfach das abgebe, was in dem angeforderten Zeitraum möglich ist.

4. Einfach mal abschalten

Zu Beginn habe ich mir vorgenommen, so viel aus der näheren Umgebung zu sehen, wie es geht. Leider war das nicht immer möglich. Trotzdem versuche ich, während der Woche so viel vorzuarbeiten, dass ich zumindest einen Tag in der Woche frei habe und Wandern oder Snowboarden gehen kann (und euch dann wochenlang mit Bildern von diesem Tag auf Instagram zuspammen kann). Auch das war ein wichtiger Lernprozess: ab und zu muss man seine Akkus wieder aufladen, damit man wieder produktiv sein kann.

Was lernen wir daraus? Sich zu beschweren hilft nur bedingt. Zwar muss man manchmal Frust abbauen (danke an alle Mitbewohner*innen und Kommiliton*innen da draußen, die das aushalten müssen) aber häufig hilft es, sich die positiven Seiten vor Augen zu halten. Wie seht ihr das? Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht?

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