studieren weltweit - ERLEBE ES!

studieren weltweit

Viele Abschiede und ein Neuanfang

Während ich diese Zeilen schreibe, bin ich tatsächlich schon seit einem Monat hier in Berkeley. Ein Monat mit unglaublichen Startschwierigkeiten, Tränen, Heimweh, Überforderung aber auch vieler neuer Freundschaften und gemeisterten Herausforderungen. Es ist an der Zeit auf diesen ersten Monat zurückzublicken.

Aber zuerst möchte ich dir noch einen kleinen Hintergrund geben, was ich hier eigentlich mache, wie es dazu gekommen ist und warum ich schon einmal Correspondent für die Kampagne „studieren weltweit – ERLEBE ES!“ war. Ich fange mal chronologisch an – 2021 bin ich für meinen Master in Linguistics nach Köln gezogen und mir war eigentlich von Anfang an klar, dass ich auch hier nochmal die Chance nutzen möchte und ein Semester im Ausland verbringen mag. Mich hat auch relativ schnell eine Professorin auf die bestehende Partnerschaft zwischen der Universität zu Köln und Berkeley hingewiesen. Die University of California, Berkeley gehört zu den angesehensten Universitäten der Welt und hat vor allem für meinen Studienbereich einen sehr guten Ruf. Und so begann er: der Traum von Berkeley. Die Partnerschaft der Unis gilt allerdings nur für das Verfassen einer Abschlussarbeit. Das heißt also in meinem Fall die Masterarbeit. Für die Bewerbung musste ich unter anderem ein Research Proposal für meine Masterarbeit schreiben, das heißt ganz genau mein Thema erklären, welche Literatur ich dafür brauche und warum ich das ausgerechnet in Berkeley machen möchte. Die Bewerbung ging dann vor die Auswahlkommission der Uni Köln, die mir dann ein paar Wochen später eine Zusage schickte. So weit so gut. Jetzt ging das Drama aber eigentlich los: Die Zusage von Köln besagt nur, dass ich, wenn ich von Berkeley angenommen werde, keine general fees (Studiengebühren) aufgrund der Partnerschaft der Unis zahlen muss. Ich muss mich aber selbst um einen Supervisor (Betreuer), der bereit ist, meine Masterarbeit zu betreuen, kümmern. Also habe ich 50 (keine Übertreibung) Mails geschrieben an jede(n) DozentIn, der/die irgendwie mit dem Bereich Linguistik verbunden ist. Viel Recherche, wenig Schlaf, keine Antworten und wenn, dann nur Absagen. Und irgendwann war ich an dem Punkt, Berkeley abzuschreiben. Also habe ich mich nach Alternativen umgeschaut, und mich für ein Auslandssemester auf La Réunion beworben. Dies lief über Erasmus, war, was die Organisation und Vorbereitung anging, viel entspannter und ich hatte so die Chance auch meine Französischkenntnisse im Ausland noch weiter zu vertiefen.
Als ich die Zusage von La Réunion bekam, habe ich mich zwar total gefreut, war aber trotzdem ein bisschen enttäuscht, da Berkeley alleine mit Blick auf meine akademische Zukunft ein ganz anderer Schritt gewesen wäre.

Ich bin so dankbar für die Zeit auf La Réunion!

Berkeley Versuch 2.0

…. Und dann bekam ich tatsächlich eine Mail zurück aus Berkeley. Professor Keith Johnson wäre bereit meine Masterarbeit zu betreuen. Und wenn du dich in Linguistik ein bisschen auskennst, dann weißt du, dass Keith Johnson ein bisschen wie Isaac Newton für Physik ist. In meinem Bachelor haben wir viele Studien und Bücher von ihm gelesen, weshalb ich es gar nicht glauben konnte, dass er mich wirklich betreuen würde. Allerdings hatte ich dem Erasmusaufenthalt für La Réunion schon zugesagt, meine Flüge gebucht und die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren. Wieso also nicht einfach beides machen? Von August bis Ende Dezember 2022 war ich also auf La Réunion (falls es dich interessiert, was ich da so erlebt habe und wie mein Studienalltag da aussah, dann schau doch mal auf meinem alten Blog vorbei), musste mein Visum für die USA von der amerikanischen Botschaft auf Mauritius abholen und ab Mitte Januar hieß es dann endlich: BERKELEY.

schönes, altes Haus
Eines der verschiedenen Campusgebäude der UC Berkeley

Grade zurück und schon wieder weg

Über mein Corona an Weihnachten und 8 Tage Isolation und den Stress noch alle Freunde zu sehen, berichte ich vielleicht ein anderes Mal. Ich kann nur sagen, es war schön in zwei Wochen so viele liebe Leute endlich nochmal wiederzusehen (wenn auch jeweils nur kurz), und ich freue mich schon sehr auf euch alle im Sommer <3!
Und nach so vielen Abschieden, kurzen Wiedersehen nach einem halben Jahr und dann direkt wieder Verabschiedungen für mindestens ein halbes Jahr, war ich sehr froh, dass meine Mama dann doch spontan noch mit zum Flughafen gekommen ist.
Ich bin von Frankfurt aus geflogen und wir haben die Nacht vorher in einem Hotel dort geschlafen. Viel konnten wir leider nicht wirklich machen, weil ich über Zoom schon ein Online Informationsseminar für meine ersten Wochen in Berkeley hatte. Und ich bin so froh, dass ich das wahrgenommen habe, da dort auch ungefähr 100 andere internationale Visiting Scholars waren. Und bei der Teilnehmerliste sprang mir ein Name, der sich ziemlich deutsch anhörte, direkt ins Auge und ich dachte ich schreib den einfach im Chat mal an. Und jetzt einen Monat später kann ich dir nur sagen, dass Flo mittlerweile mein bester Kumpel hier ist. Deshalb: Nimm alle Gelegenheiten und Informationsveranstaltungen mit! Und wie du an mir sehen kannst: selbst über Zoom vom Flughafen-Hotel aus, kannst du schon ein paar Kontakte sammeln, noch bevor du in deinem eigentlichen Gastland bist.

Eine abenteuerliche Reise

Ich bin wirklich absolut nicht abergläubisch, aber im Sturm und Regen an einem Freitag, den 13. zu fliegen, war wild. Ich kann es nicht anders sagen. Mein Flieger hatte in Frankfurt schon drei Stunden Verspätung, ich hatte eigentlich nur drei Stunden Zeit in New York umzusteigen (und wenn man in den USA umsteigen muss, muss man immer seinen Koffer neu einchecken) und ich hatte mich mental schon drauf eingestellt, noch einen Tag in New York zu bleiben. Aber zum Glück (aber eigentlich auch schade) hatte der andere Flieger aufgrund des Wetters 6 Stunden Verspätung, sodass ich ihn wider Erwarten ganz entspannt bekommen habe. Allerdings musste ich dann feststellen, dass wohl oft bei nationalen Flügen in der USA (auch wenn es wie hier 8 Stunden waren), keine Unterhaltung an Bord und es auch nur einen kleinen Snack gibt. Da das Kind sich hinter mir in der Reihe übergeben hatte, der Flieger aber komplett voll war und man sich nicht umsetzen konnte, hatte ich aber eh nicht mehr wirklich Hunger. Schlafen konnte ich leider auch nicht wirklich und so kam ich dann nach mehr als 35 Stunden Reise super fertig in San Francisco abends an.

Surprise, surprise…

Mich hat zum Glück die Schwester von meiner Mitbewohnerin mit dem Auto vom Flughafen abgeholt und in die Wohnung in Berkeley gebracht. Und da wartete die nächste Überraschung: ich wollte eigentlich nur noch ins Bett und schlafen aber: ich hatte weder ein richtiges Bett (außer du zählst eine Matratze auf dem Boden dazu) noch ein eigenes Zimmer. Das war leider komplett anders online beschrieben. An dem Abend war mir aber alles nur noch egal und ich wollte endlich irgendwo schlafen. Um 3 Uhr morgens bin ich allerdings schon wieder aufgewacht (weiß nicht, ob es am Jetlag oder am Fenster lag, das man nicht schließen kann und das direkt neben meinem „Bett“ war).

Die nächste Überraschung war dann, dass ich mir das Zimmer nicht nur mit einer anderen Studentin teilte, sondern auch, dass diese noch eine Katze hatte. Da ich aber eine Katzenallergie habe, war eigentlich von vorneherein dann schnell klar, dass ich da nicht bleiben konnte und auch nicht wollte. Drei Tage Dauerregen, keine Leute, die man kennt und dann noch eine Wohnung, in der man sich nicht wohl fühlt, haben nicht grade dazu beigetragen, den Wunsch direkt in den nächsten Flieger nach Hause zu steigen, zu unterdrücken. Aber aufgeben, nachdem ich so sehr für diesen Auslandsaufenthalt gekämpft habe? Nach den ganzen Visa-Problemen, den schlaflosen Nächten, nachdem ich jede(n) ProfessorIn in Berkeley mit Mails bombardiert hatte?

Stadt im Regen
Das Wetter hat sich jedenfalls meiner Stimmung angepasst – oder meine Stimmung dem Wetter?

Aber: alles wird gut (oder zumindest besser)

Eine erste, schnelle Lösung: BumbleFriends. Eine App, die man sowohl als Dating-App kennt oder eben in meinem Fall um Freunde/Leute kennenzulernen, benutzen kann. Und so habe ich Johanna kennengelernt, auch eine Deutsche. Wir haben uns direkt in einem Café getroffen und es war einfach mein erster richtig schöner Nachmittag nach drei Tagen Stress und schlimmen Überraschungen

glücklich lächelnde Frau
…und irgendwann wird alles gut!

Am Dienstag hatte ich dann das erste Treffen mit meinem Professor und das lief auch super gut! Ich war schon sehr aufgeregt, kam mit einer fertigen Powerpoint-Präsentation über mein Research proposal und kann dir sagen: Bluse und Stiefeletten waren absolut overdressed, die meisten (auch manche Professoren) laufen hier am College eigentlich immer in Sportsachen oder Uni-Merchandise rum. Aber wir waren ganz entspannt zusammen in einem Café frühstücken und haben uns viel eher über Deutschland, Fußball, seine Katze und meine Wohnungssituation unterhalten. Fachliche Themen haben wir erst bei späteren Treffen besprochen :D. Generell scheinen hier alle sehr entspannt und das Unisystem läuft ganz anders als bei uns. Dazu erzähl ich aber nochmal ausführlicher in einem anderen Blogpost 😊.

Mittlerweile wohne ich in einer anderen Wohnung, die Sonne scheint tatsächlich endlich und ich bin endlich richtig angekommen und fühle mich zuhause. Folge mir gern auch auf Instagram (sina_voss) um meinen Alltag hier mitzuverfolgen.
Liebe Grüße aus dem (gerade) sonnigen Berkeley,
Sina

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