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Warum Lehramtsstudierende ins Ausland gehen sollten

Warum Lehramtsstudierende ins Ausland gehen sollten

Während des Lehramtsstudiums mal ins Ausland gehen? Viele Lehramtsstudierende überlegen sich, ob sich der ganze Aufwand überhaupt lohnt. Ich bin in den Endzügen meines Studiums und habe in den letzten Semestern viel Zeit im Ausland verbracht – und bereue keinen meiner Aufenthalte.

Last day in Joburg. Johannesburg, du pulsierende Metropole, wirst mir sehr?
Den Sprung wagen.

Was kommt auf dich zu?

Klar, es kostet ganz schön Überwindung, seinen Alltag, den Freund, Freunde und die gewohnte Umgebung wegen ein neues Abenteuers für mehrere Monate zurückzulassen. Dieses Mal, vor meinem Praktikum in Johannesburg, hatte ich sogar ein richtig mulmiges Gefühl. Ich hatte wenig Gutes über meine zukünftige Wahlstadt Johannesburg von Freunden und in den Medien gehört. Zudem lief in Bamberg alles so gut, dass ich eigentlich gar nicht weg wollte. Ich weiß noch genau, als ich am Flughafen mit meinem Freund stand und weinte (was bei mir wirklich selten vorkommt) und mir noch überlegte, ob ich das wirklich machen will. Das war also meine Ausgangssituation. Das erzähle ich so offen, weil ich verdeutlichen will, dass vielen Menschen der Sprung ins „Neuland“ schwer fällt.

Lange Straße
Wo führt der Weg hin? Finde es raus!

Nimm deinen Mut zusammen

Es lohnt sich! Trotz der Ängste und Bedenken vor der Abreise würde ich immer wieder ins Ausland gehen und kann einen Aufenthalt fernab Deutschlands nur wärmstens empfehlen. Was hast du denn zu verlieren? Und es gibt viele Gründe, die klar dafür sprechen.

Mehr als nur Unterrichtserfahrung sammeln

Powerpoint-Präsentation
Warum nicht schon während des Studiums an hochklassigen Fortbildungen teilnehmen?

Ich hatte viel theoretischen Input während meines Studiums. Ich habe unter schiedliche Unterrichtsmethoden kennen gelernt und erfahren, was es theoretisch bedeutet, wenn der Unterricht handlungs- und kompetenzorientiert ausgerichtet ist. So weit, so gut. Um aber zu wissen, welche Theorien tatsächlich in der Praxis greifen und wie man welche Kompetenzen fördert, ist es hilfreich, die Theorie praktisch umzusetzen. Ich hatte an den Auslandsschulen jederzeit die Möglichkeit, Stunden zu unterrichten, AGs zu leiten, an Fortbildungen teilzunehmen und an diversen schulischen Veranstaltungen mitzuwirken. Man taucht sehr in das Schulleben ein und bekommt ein vielfältiges Bild davon, was es wirklich bedeutet, Lehrerin zu sein.

Von erstklassigen Lehrkräften lernen

Mein Eindruck ist, dass die Kollegen im Ausland sehr motiviert sind und meistens einen hohen Anspruch an ihren Unterricht haben. Warum also nicht von den Besten lernen? Ich hatte meistens eine Eins-zu Eins-Betreuung, was in Deutschland während des Praktikums nicht immer unbedingt der Fall ist.

Persönliche Weiterbildung

In Johannesburg hatte ich die Möglichkeit, viele interessante Persönlichkeiten kennenzulernen. Ich habe das ARD-Studio besucht, nette Gespräche mit dem Leiter der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) geführt und war zu Gast im DAAD-Informationszentrum. Diese Erfahrungen und Gespräche haben mich sehr geprägt. Ich hatte sogar manchmal Tage, an denen ich Mühe hatte, den neuen Input zu verarbeiten, weil es einfach so viel war. Falls ihr ein Auslandspraktikum an einer Schule plant, empfehle ich euch, euch mit den unterschiedlichsten Leuten auszutauschen.

Motivationsspritze

Das Lehramtsstudium bietet leider wenige Praktika und kaum die Chance, wirklich Unterrichtserfahrung zu sammeln. Je länger man studiert, umso mehr bräuchte man eine Motivationspritze, die einem wieder verdeutlicht, warum man das Ganze überhaupt macht. Voilá, da kommt ein Auslandspraktikum genau richtig, um einem wieder vor Augen zu führen, wie cool Unterrichten sein.

Super finanzielle Förderung

Ich hatte für euch schon einmal einen Beitrag zur Finanzierung geschrieben. Es gibt seit letztem Jahr ein DAAD-Stipendium speziell für Lehramtsstudierende.

Wachse über dich hinaus

In Südafrika habe ich gemerkt, dass ich ein ziemlicher Stadtmensch bin. Am Anfang war ich total überfordert, als mir irgendwelche Eidechsen bei Wanderungen über den Weg gelaufen sind und sich die ein oder andere in meiner Unterkunft niedergelassen hat. Einmal habe ich sogar eine riesige Spinne direkt über meinem Bett entdeckt –  ich  war total überfordert. Oder als ich den Autounfall hatte, wusste ich überhaupt nicht, wie ich reagieren soll. Hinterher kann ich darüber lachen und merke, wie ich im Laufe meines Aufenthalts immer gelassener wurde.

Zudem habe ich die Gewissheit, dass ich schwierige Herausforderungen in Deutschland meistern werde, da ich das im Ausland trotz Sprachbarierren und einer anderen Kultur auch immer wieder schaffe.

Teil 2: Das hatte uns gerade noch gefehlt - die Nerven lagen ohnehin schon?
Auf dem Weg nach Johannesburg wurden wir angefahren.

Das Gefühl, fremd zu sein

Als angehende Lehrkraft wird man später auch Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund oder Menschen, die erst vor Kurzem nach Deutschland gezogen sind, unterrichten. Um auch diese Kinder und Jugendlichen und deren Bedürfnisse wahrnehmen und verstehen zu können, ist es wichtig, als Lehrer sensibilisiert zu sein: Was bedeutet es, sich in einem anderen Land fremd zu fühlen?

Ein anderes Land kennenlernen

Ist das nicht cool, wenn man neben dem Praktikum noch ein anderes Land kennenlernt und neue Abenteuer erlebt? Ich bin nicht nur in den Schulalltag eingetaucht, sondern hatte auch jede Menge Abwechslung nach Schulende. Klar, die Pflicht ruft auch im Ausland – aber bei gutem Wetter und direkt am Pool lassen sich die Unterrichtsstunden natürlich leichter vorbereiten.

Neue Freunde

Wenn ich im Ausland bin, vermisse ich meine Freunde in Deutschland. Aber dank moderner Technik ist es nicht schwer, den Kontakt zu halten. Zudem musst du sehen, dass du viele neue Leute im Ausland kennenlernst. Man erlebt zusammen intensive Monate, kann die neuen Eindrücke gemeinsam verarbeiten und lernt sich innerhalb kürzester Zeit gut kennen. In Südafrika habe ich ein Paar besonders ins Herz geschlossen. Sie haben mich sogar auf ihre Hochzeit im nächsten Jahr eingeladen. Ist das nicht schön, wenn Freundschaften auch nach einem Auslandsaufenthalt bestehen bleiben?

Interkulturalität hautnah erleben

Jeder hat das Wort sicher schon einmal gehört. Doch was bedeutet es überhaupt? Deutschland ist mannigfaltig – und so auch seine Klassenzimmer. Mehrsprachigkeit der Schüler und Schülerinnen ist eher Regelfall als Ausnahme.  Um sich mit den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen als angehende Lehrkraft auseinanderzusetzen, bräuchte man ein gewisses Know How beim Thema Diversität.

In den Klassenzimmern der Deutschen Schule Johannesburg sah ich, wie Kinder mit den unterschiedlichsten ethnischen Hintergründen und diverser sozialer Herkunft miteinander lernen. Dieses praktische Wissen nehme ich mit nach Deutschland.

Meer und Strand
Wer Spuren im Sand hinterlassen will, muss aufstehen und gehen.

Fazit

Es kostet Überwindung, sich einem einem Auslandsabenteuer zu stellen, aber es lohnt sich! Beispielsweise denke ich sogar drei Jahre nach meiner Zeit in Nicaragua immer noch total gerne daran zurück und zehre von meinen Erfahrungen, die ich dort gesammelt habe. Ich würde immer würde ins Ausland gehen, denn der Schritt ins Unbekannte hat mich in vielerlei Hinsicht sehr positiv geprägt!

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