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Auf nach Rio – und die Kinder?

Auf nach Rio – und die Kinder?

Nein Mama, ich bin nicht schwanger und nein, ich habe hier auch noch kein Kind adoptiert. Rio de Janeiro ist bei den Brasilianern nicht nur für seine Traumstände, sondern auch für die hohe Kriminalität bekannt. Schon vor Abreise wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass die Obdachlosen von Rio gerne auf Tuchfühlung gehen und kaum war ich angekommen, hatte ich ein Baby auf dem Arm.

Mutterglück auf dem Weg nach Rio

Dir ist das sicherlich auch schon passiert. Du steigst in den Bus, machst es dir gemütlich und kurz bevor du den Punkt der Tiefenentspannung erreichst, geht es los. Kindergeschrei. Wie das so üblich ist, können diese Babys schreien als gäbe es kein Morgen. Genauso darfst du dir meine achtstündige Busfahrt nach Rio de Janeiro vorstellen. Auf dem Weg zur Toilette traf ich dann auf den Ausgangspunkt des Lärms. Drei Kinder, die tobend im Berg aus Kekskrümeln nach der Aufmerksamkeit ihrer Mutter bettelten. Abgesehen von den tiefen Augenringen der Frau, hatte sie einige Kratzspuren im Gesicht, sowie Löcher in der Kleidung. Schon bei der ersten Begegnung sprach sie mich an, ob ich ihren Kindern bei der nächsten Pause etwas zu Essen kaufen könnte. Natürlich willigte ich ein, wobei sie es später wieder revidierte. Mit zwei Stunden Verspätung, unterlegt vom ungeduldigen Jammern der Kinder, kamen wir endlich an.

Sowas kann schnell schief gehen

Da meinen Kumpel und mich nichts eilte, begaben wir uns erst nach dem Ansturm auf die Koffer aus dem Bus. Das sollten wir später bereuen. Während wir mit unseren Handys eine Verbindung zum Hostel suchten, sprach uns die Mutter erneut an. Dieses Mal bat sie uns darum, ein Uber zu bestellen. Als wir hochschauten stand sie dort, ein Baby auf dem Arm, ein Kleinkind im Kinderwagen und das andere auf einem kleinen Fahrrad, umgeben von Koffern und Taschen. Sie erzählte uns, dass sie von São Paulo zurück nach Rio zu ihrer Mutter zog, was den Berg an Gepäck erklärte und nannte zudem das Viertel in dem sie vorher wohnte. Da ich mich mittlerweile schon in der Stadt auskannte, wusste ich, dass die von ihr genannte Gegend sowohl tagsüber, als auch nachts zu meiden ist. Nach einigen Minuten vergeblicher Recherche, nahm die Frau meinem Kumpel das Handy aus der Hand, um die Suche selbst zu übernehmen. Der Versuch das Handy zurück zu gewinnen, scheiterte jedoch. Kurz darauf gab sie mir ihr Baby, welches wie ich dann bemerkte, glühend heiß war.

Wenn das Bauchgefühl Alarm schlägt

Für die vorbeigehenden Leute muss es sicher komisch ausgesehen haben. Die ärmlich wirkende Frau mit einem teuren Smartphone in der Hand und mein Kumpel, der ihr unruhig über die Schulter schaute, wie sie konzentriert Adressen eingab. Daneben ich, mit dem fiebrigen Kind auf dem Arm und dem anderen, welches mich von der Seite fragte, ob ich sein Fahrrad reparieren könnte. Nach einigen Minuten fing die Mutter an uns überzeugen zu wollen mit ihr ein Uber zu teilen. Anscheinend wären 30 Reais (ca. 7,50 €) zu viel, denn ihre Mutter hätte nur 20 Reais (ca. 5 €). Obwohl mein Freund und ich den Abend noch nichts geplant hatten, passte uns dieser Umweg von 40 min in eine unbekannte Nachbarschaft von Rio jedoch trotzdem nicht. Meine Alarmglocken schlugen mittlerweile aufs Äußerste. Einerseits wegen des ominösen Auftretens der Familie und deren Geschichte, andererseits wegen der warnenden Blicke der Menschen vom Bahnhof. Also sagte ich letztendlich, dass wir noch die Rückfahrt kaufen müssten und sie nicht begleiten könnten. Nach einer längeren Diskussion gab sie meinem Freund schließlich sein Handy zurück, nahm mir ihr Baby aus der Hand und verschwand, ohne ein Wort zu sagen. Meine Kleidung war vom Schweiß des Kindes klitschnass, aber ich war erleichtert, dass das Thema somit beendet war.

Bis auf mein Bauchgefühl gab es keinen triftigen Grund, die Frau nicht zu begleiten. Jedoch halte ich die Entscheidung nicht mitgegangen zu sein bis heute für richtig. Gerade, wenn man neu in einem Land ist, muss man einige Dinge beachten, wie ich in diesem Beitrag bereits beschrieben habe. Trotzdem hoffe ich, dass die Frau auch ohne unsere Hilfe noch sicher zu ihrer Mutter kam.

Das Wochenende in Bildern

Genauso wie die Sehenswürdigkeiten, die wir in den vier Tagen besichtigten, ist unser Erlebnis der Anreise ein Teil von Rio. Noch einige Male trafen wir auf Obdachlose, die von den Leuten, trotz Diskussion nicht abließen. Abgesehen davon kann ich die Stadt jedoch nur empfehlen. Die Zeit habe ich genossen, um einige Tage abzuschalten und auf die Kultur Brasiliens zu treffen. Dafür ist Rio de Janeiro nämlich genau der richtige Ort. Was wir ansonsten noch erlebt haben, kannst du dir unten im Video anschauen.

Weitere Erfahrungen zu Rio de Janeiro haben meine Correspondent-Kollegen Janette und Jonathan festgehalten.

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