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Auslandssemester in Chile – meine Bilanz

Auslandssemester in Chile – meine Bilanz

Mein Auslandssemester in Chile ist vorbei und gefühlstechnisch war von „Wie soll ich das jemals schaffen?“ und „Ich will nie wieder woanders hin!“ alles dabei. Zeit für eine abschließende Bilanz meiner aufregenden Zeit in Valparaíso.

Goodbye Chile. I will always remember this time and keep all these special?
Abschied von Valparaíso

Land und Leute – eher europäisch

Chile ist im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern eher europäisch geprägt. Man könnte es als das „Deutschland Südamerikas“ bezeichnen. Vieles ist organisierter als in anderen südamerikanischen Ländern. Die Menschen sind ein wenig zurückhaltender, nicht so temperamentvoll. Das Klima ist ähnlich wie in Deutschland. Man fühlt sich schnell zuhause. Für mich war es ein gutes Land und eine gute Kultur, um Südamerika kennen zu lernen. Da Chile über 4.000 km lang ist, hat man auch unglaublich viele Möglichkeiten zum Reisen innerhalb des Landes (Hochgebirge, Strände, Wüsten, etc.). Wirklich empfehlenswert!

Schlange am Einwohnermeldeamt in Valparaiso.
Deutschland, bist du es? Die Schlange am Einwohnermeldeamt.

Die Stadt – ein buntes Chaos

Valparaíso ist eine der berühmtesten Städte in ganz Chile. Sie ist bunt. Sie ist chaotisch. Sie ist anders. Aber genau das macht diese Stadt so besonders. Ich kenne keinen Austauschstudenten, der von dem alternativen Flair Valparaísos nicht fasziniert ist. Wegen des chaotischen Straßennetzes brauchte ich einige Tage bis ich mich auskannte, aber sogar das anfängliche Verlaufen hatte etwas Positives. Ich entdeckte jedes Mal neue besondere Orte, wunderschöne Cafés, kleine Gassen und beeindruckende Ausblicke auf die Stadt und das Meer. Ich hätte mir für mein Auslandssemester keinen schöneren Ort vorstellen können.

Die Uni – ein Schloss am Meer

Meine Universität, die Universidad Técnica Federico Santa Maria (USM), sieht aus wie ein altes englisches Schloss am Meer – einfach beeindruckend. Mit meinem Studiengang „International Relations & Management“ konnte ich Fächer aus den Studiengängen „Ingeniería Comercial“ (vgl. BWL) und „Estudios Humanisticos“ (vgl. Politik und Wirtschaft) belegen. Die Professoren waren äußerst zuvorkommend und hilfsbereit. Mir war es wichtig, dass die Organisation der Universität gut funktioniert. Leider ist das in südamerikanischen Ländern nicht selbstverständlich. Da es an der USM ein gut organisiertes Auslandsbüro sowie einen vertrauenswürdigen Koordinator für Auslandsstudenten gibt, musste ich mir dahingehend keine Gedanken machen. Obwohl die Studenten während meines Semesters über zwei Monate streikten, wurden die Vorlesungen für Austauschstudenten regulär weitergeführt. Man fühlte sich sehr gut betreut.

Die Sprache

Mein Auslandssemester in Chile hat mir sehr geholfen, die spanische Sprache zu lernen. Auch wenn der Anfang sehr schwer war, kann ich mittlerweile gut Gespräche führen. Meinen Beitrag zu diesem Thema findet ihr hier.

Die Kosten

Die Preise in Chile sind vergleichbar mit unseren Preisen in Deutschland. Der Lebensstandard ist ebenso ähnlich hoch wie der deutsche. Wenn man sparen möchte, dann sollte man nach Peru oder Bolivien gehen. Dort sind die Lebenshaltungskosten wesentlich geringer.

Die Risiken – ist Chile gefährlich?

1. Erdbeben und Tsunamis

Da sich Chile an der Plattengrenze zwischen der Südamerikanischen und der Nazca-Platte befindet und damit den „Pazifischen-Feuerring“ im Osten abschließt, gibt es hier tägliche Erdbeben und eine immer existente Tsunami-Gefahr.

Während meines Semester habe ich ein stärkeres Erdbeben mit einer Stärke von 6,2 auf der Richter-Skala erlebt. Es war mitten in der Nacht und das ganze Haus wackelte. Man muss wissen und sich immer wieder daran erinnern, dass die Häuser dort so gebaut sind, dass sie den meisten Erdbeben standhalten (auch wenn sie nicht so aussehen). Falls es einen Tsunami geben sollte, befinden sich in der ganzen Stadt Sicherheitszonen, so genannte „Safe Areas“, in die man sich begeben kann. Die Chilenen sind unglaublich gelassen gegenüber Erdbeben und Tsunamis. Oft denkt man gar nicht daran, dass etwas passieren könnte, weil keiner darüber spricht.

2. Kriminalität

Während meines Auslandssemesters ist mir nie etwas passiert. Mir wurde nichts gestohlen. Ich wurde nicht ausgeraubt, wurde nicht bedroht. Chile ist im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern relativ ungefährlich, wenn man folgende Grundregeln beachtet:

Einige meiner Freunde wurden bestohlen, manche sogar ausgeraubt. So etwas kann passieren. Wenn man jedoch auf sich aufpasst und keine Risiken eingeht, muss man keine Angst haben.

Meine Bilanz – eine neue Heimat

Chile ist genau das Richtige, wenn man Südamerika kennen lernen möchte, aber trotzdem nicht auf den hohen europäischen Lebensstandard verzichten will.

Mein Auslandssemester in Chile hat mir gezeigt, dass ich mich auch am anderen Ende der Welt mit fast 13.000 km Distanz und sechs Stunden Zeitverschiebung zuhause fühlen kann. Auch wenn ich am Anfang nicht wusste, wie ich das Studium schaffen soll, ohne die Sprache zu können, war diese Zeit jede Herausforderung wert.

Für mich ist Chile kein Aufenthaltsort, kein Urlaubsort. Für mich ist Chile eine Heimat geworden. Und genau dieses Heimatgefühl am anderen Ende der Welt zeigt mir, dass es die beste Entscheidung war, die ich hätte treffen können.

Falls ihr noch Fragen haben solltet, schreibt mir gern!

Ich sitze auf gepackten Koffern und Abschied fällt mir viel schwerer als?
Danke Chile! Es war unglaublich!
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