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Eine ganz besondere Begegnung

Eine ganz besondere Begegnung

Während der Wochenenden im Studium ist es üblich, die freien Tage für einen Stadttrip auszunutzen, wo man immer wieder mit den Locals (Einheimischen) in Kontakt kommt. Die Folgende Story hat sich während eines Stadttrips in San Diego ereignet. Lasst mich euch jemanden vorstellen, den ich per Zufall begegnet bin und mich inspiriert hat. Lasst mich euch von Coach Paul erzählen.

Der Herr neben mir ist Paul Milton a.k.a. Coach Paul aus San Diego. Er ist 78 Jahre alt und trägt seit acht Jahren jeden Tag ein Netz voller Footbälle mit sich, fährt zum Strand und verleiht diese kostenlos an die Strandbesucher, trainiert und spielt mit ihnen.

Im Gespräch mit Coach Paul

Hintergrund

Auf dem ersten Blick dachte ich, dass er die Leute für den Verleih der Bälle und die kleinen Trainingssessions nach ein paar Dollar oder zumindest eine kleine Spende fragen würde. Aber sowohl das eine als auch das andere ist nicht eingetreten.

Auch uns fragte er, ob wir einen Football von ihm ausleihen möchten. Ich sagte ja und fragte,  was er dafür haben wolle. Er warf mir den Football zu und sagte er wolle nichts dafür. Nachdem er unsere verbesserungswürdigen Wurfskills beobachtet hatte, zeigte er uns, welche Wurftechnik zu einem perfekten Wurf des Footballs führt. Ganz vorbildlich machte er immer alles mit vollem Körpereinsatz vor und wir machten es nach.

Neugierig fragte ich ihn, warum er das alles überhaupt macht. Warum er den ganzen Strand entlang läuft und Bälle an die Leute verteilt und das jeden Tag und ohne jegliche Bezahlung. Er schmunzelte zuerst und antwortete dann: „I don’t need to take money, I get much more from the people.“ Ich verstand nicht direkt was er meinte und hakte vorsichtig nach.

Die Vergangenheit

Er war jahrelang in der High School und auf dem College im Footballteam, er war talentiert und auf dem besten Weg in die Profiliga, bis ihn eine Verletzung an der Wirbelsäule für mehrere Saisons außer Gefecht setzte. Er arbeitete dann als Footballcoach an seiner ehemaligen High School. Er fuhr fort und sagte, dass dann eines Tages ein Arztbesuch sein Leben veränderte.

Der Arzt entdeckte einen Krebstumor. Die Diagnose traf ihn und seine Familie hart und von da an kämpfte er mit mehreren Chemotherapien und weiteren Behandlungen gegen den Krebs an. Trotz einer hohen körperlichen Erschöpfung, zeigten die Behandlungen eine positive Wirkung und einige Jahre später war er so geheilt, dass er in sein altes Leben zurücktreten konnte.

Aber der Kampf war leider nicht endgültig vorbei. Nach 16 Jahren wurde erneut Krebs diagnostiziert. Dieses Mal traf ihn die Diagnose nicht nur physisch, sondern auch psychisch. Er fiel in eine Depression und hinterfragte sein Leben, seine Existenz und sich selbst. Angeschlagen wie er war, entschied er sich dennoch noch einmal mit voller Kraft gegen den Krebs anzukämpfen und versprach sich dabei vor allem eines: Wenn er den Kampf gewinnen würde und wieder zur alter Gesundheit findet, würde er jeden einzelnen Tag auf dieser Welt mit all den kleinen Dingen zu schätzen wissen und seine Freude vor allem mit anderen teilen.

Die Freude teilen

Auch wenn die erneuten Behandlungen nicht leicht waren und lange andauerten, sah es wieder so aus, als würde Paul auch dieses Mal den Krebs besiegen. Und so kam es auch, und schon bald hatte er auch die Rehabilitationsphase hinter sich. Er trat wieder in sein Leben mit dem Unterschied, das Versprechen einlösen zu wollen, dass er sich selbst vor der Behandlung gegeben hatte.

Er engagierte sich in mehreren gemeinnützigen Vereinen ehrenamtlich, reiste viel rum und sprach vor anderen Krebserkrankten, die sich vor und in der Behandlung befanden, um ihnen Mut zu machen stark zu bleiben und nicht aufzugeben.

Später dann, mit 70, entschied er sich vor allem seine Leidenschaft für Football noch stärker mit anderen teilen zu wollen und fing an, jeden Tag zum Strand zu laufen, Footbälle an die Leute zu verteilen und Trainingssession anzubieten. Er wurde bei den Leuten bekannt und kam so zu seinen Namen Coach Paul. Bis jetzt hat er über 1000 Strandbesucher trainieren und für Football begeistern können.

78 Jahre alt und immer noch fit und atheltisch wie eh und je

Ein bisschen mehr wie Coach Paul

Die Freude und Leidenschaft, die andere Menschen durch das Spielen mit dem Football empfinden, erfüllen den Coach mit unvergleichbarer Freude. Und plötzlich verstand ich, dass diese geteilte Freude gemeint war, als er sagte, dass er von den Leuten weitaus mehr als Geld bekommt.

Durch diese Geschichte wird mir bewusst, aus wie vielen verschiedenen Perspektiven das Leben gelebt werden kann. Die kleinen und eher „langweiligen“ Dinge im Leben erscheinen aus einer anderen Sicht plötzlich viel größer und bedeutungsvoller. Vielleicht sollten wir alle mal kurz die Perspektive wechseln.
Vielleicht sollten wir alle mal etwas mehr wie Coach Paul sein.

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