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Fünf Tipps für deine mentale Gesundheit im Auslandsstudium

Träumst du von deinem Auslandsstudium – oder einem Auslandssemester? Dann denkst du bestimmt an die Länder, die du sehen und erleben willst. Natürlich soll ein Auslandserlebnis auch vollgepackt sein mit aufregenden Dingen, aber so ein Aufenthalt verlangt dir auch einiges ab. Daran will keiner denken. Also lass uns darüber reden.

Auslandsstudierende und ehemals Auslandsstudierende romantisieren gerne die Erfahrungen und zeigen stolz die Dinge, die wir entdeckt haben und genießen. Es ist vielleicht auch der Grund, wieso die meisten wieder ein Auslandssemester machen würden. All die Anstrengung, die Organisation und eben auch die phasenweise mentale Belastung sind es dann doch wert auf sich zu nehmen. Aber was meine ich damit überhaupt? Was für eine mentale Belastung soll so ein Auslandserlebnis schon mitbringen?

Die anstrengenden Seiten

Mit ein paar Beispielen basierend auf meinen Erfahrungen und Gesprächen, möchte ich dich für die anstrengenden Seiten eines Auslandsaufenthaltes sensibilisieren. Nicht um dich einzuschüchtern, aber um dir die Möglichkeit zu geben diese Dinge für dich zu reflektieren. In der Hoffnung, dass du die ein oder andere kluge Entscheidung für dich treffen kannst. Du findest in meinem Text auch einige Verlinkungen zu den Erfahrungen von anderen Correspondents. Falls du dir aber denkst, dass du genau weißt was für Herausforderungen ich meine, dann kannst du meine Auflistung einfach überfliegen. Am Ende gebe ich dir fünf Ratschläge mit.

#1 Die Vorbereitungszeit

Was viele vergessen ist, dass je nach Umständen, in der Vorbereitungszeit ein ganzer Rattenschwanz an To-Do’s auf einen warten. Das braucht vor allem Zeit, Geduld und Durchhaltevermögen. Manchmal braucht es auch einfach Geld, so wie bei mir. Ich hatte so manche Kosten nicht kommen sehen wie zum Beispiel, dass mein Wohnheim die gesamte Summe an Mietkosten auf einmal gezahlt haben wollte (das waren fast 3000 Euro für fünf Monate). Gerade in der Vorbereitungszeit musst du Entscheidungen treffen, bei denen Unsicherheit mitschwingt. Wie regele ich das mit meinem Wohnsitz in Deutschland? Kommt mein Auslandsbafög rechtzeitig? Finde ich eine Wohnung/ein Zimmer im Ausland? Habe ich alles für das Visum? Wie reise ich an? Wer kann mir bei Frage 1001 weiterhelfen? Das kann schon eine erste Belastungsprobe sein.

#2 Die Ankommensphase

Für manche ist es die erste große Reise, der erste Flug alleine oder der erste Langzeitaufenthalt in der Fremde. Egal wie, die Ankommensphase kann zwischen Neugier und Abenteuerlust hin zu Einsamkeit und Überforderung pendeln. Ob du einen Kulturschock erleben wirst, kannst du im Voraus nicht wissen. Der neue Wohnort, ein fremdes Unisystem und ein fehlendes soziales Netzwerk, das alles kann einen erstmal erschlagen. In meiner Anfangszeit musste ich grundsätzlich viel proaktiv auf Menschen zugehen. Das war für mich anstrengend, da mich am Anfang gefühlt alles mehr Energie gekostet hat, als sonst. Die Erwartungshaltung, dass alles von Anfang an toll sein muss, hat das für mich anfangs nicht einfacher gemacht. Mila erzählt in einem Beitrag wie es ihr in den ersten Tagen in Chile ging.

#3 Prüfungszeiten

Prüfungsstress und Leistungsdruck kennt jede:r, behaupte ich mal. Das wird im Ausland nicht anders sein. Dazu kommt noch, dass die Infrastruktur und Organisation anders, ungewohnt oder in deinen Augen auch unnötig sein kann. Vielleicht ist der Prüfungsrhytmus über das Semester verteilt und nicht erst am Ende des Semesters? Vielleicht sind die Anforderungen schwieriger als du es gewohnt bist? Du wirst neben dem Studium vor allem lernen müssen, dich neu zu organisieren, je nach dem, was für Ansprüche die Universität mit sich bringt. Je nach Sprachkenntnissen wird das auch mehr Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen in deinem Studium. Außerdem kann es sein, dass sich Heimat- und Auslandssemester überschneiden. Viele machen die Erfahrung, dass sie noch Prüfungen in Deutschland aus dem Ausland absolvieren müssen, während sie in ein neues Semester mit neuen Lebensumständen starten. So ging es mir am Anfang meines Semesters.

#4 Heimweh oder kein Heimweh

Manche haben es mehr, andere weniger: Heimweh. Das Vertraute wird einem immer wieder in den ein oder anderen Momenten bitter fehlen. Sei es die Lerngruppe zum büffeln, das Bett, dein bester Freund, die Familie, die Snacks, die Nähe zu deinem Lieblingsort, die Partnerin, die Mobilität oder was auch immer. Die, die weniger Heimweh verspüren, haben vielleicht gegen Ende der Zeit im Ausland mehr mir dem Abschied und einem Kulturschock in der Heimat zu kämpfen. Anastasia, die in Chile war, hat dafür ein paar gute Tipps parat. In beiden Fällen, kann es einen in seinem Wohlbefinden einschränken. Jonas berichtet, dass er in den ersten Tagen sehr viel Heimweh hatte und sich einsam gefühlt hat.

#5 Unvorhergesehenes

Dann gibt es da noch diese Dinge, die wirklich keiner kommen sehen kann. Das kann ein Schicksalsschlag sein, eine besondere politische Situation, Krankheit oder eine Pandemie! Es kann alles passieren und nichts kann einen darauf wirklich vorbereiten. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass meine Oma plötzlich stirbt oder dass die Universität regelmäßig streikt (ja, das passiert jährlich in Grossbritannien und Nordirland) oder dass ich anscheinend sehr starke PMS-Sypmtome haben kann. Im Ausland zu sein, kann grundsätzlich die Belastungstoleranz runterdrücken. Eben weil du unter ganz neuen Umständen mit Sprachbarriere, neuem Wohnort, neue Uni, andere Menschen dein Leben lebst und vielleicht nicht dasselbe Rückgrat findest wie zuhause.

Die Liste könnte ich noch ewig weiterführen. Das war mal eine Auswahl an Dingen, von denen ich behaupte, dass sie deine mentale Gesundheit herausfordern. Ich glaube jede:r kann diese Mühen durchmachen ohne dass es einem mental gleich schlecht geht. Aber ich will darauf hinweisen, dass die Situation im Ausland zu sein, fern von zuhause in Kombination mit gewissen Gegebenheiten eine mentale Grenzerfahrung sein kann. Daran kannst du wachsen, du kannst daran aber auch stark zweifeln. Schließlich kann es auch so belasten, dass ein Auslandsaufenthalt keinen Sinn mehr ergibt. Für Jumana gab es zum Beispiel Gründe aus ihrem Auslandssemester früher abzureisen und das Auslandssemeser abzubrechen.

Was du tun kannst

So weit muss es aber nicht kommen. Ein paar intuitive Ratschläge möchte ich dir mitgeben und teilen was mir geholfen hat.

#1 Du bist nicht allein

Erstmal ganz wichtig: Vieles was du erlebst, kennen sicherlich auch andere international Studierende. Du brauchst da nicht alleine durch zu gehen. Dein:e Freund:innen und Familie zuhause sind auch nicht aus der Welt und denken an dich. Es wird sicherlich Menschen auch vor Ort geben, die dich verstehen können (trotz Sprachbarriere). Ich glaube, im Ausland zu leben zwingt einen auch einzugestehen, dass du alleine nicht unbedingt weit kommen kannst. Du wirst für die ein oder andere Erfahrung immer andere Menschen brauchen. Und deswegen…

#2 Finde Menschen, denen du vor Ort vertrauen kannst

Ich glaube nichts ist wichtiger als Personen bei denen du weißt, dass du sie vor Ort um Hilfe fragen kannst. Das müssen auch nicht unbedingt gleich neue Freund:innen sein (wobei damit auch schon viel gewonnen sein kann). Das kann auch eine Vertrauensperson aus dem Uniteam sein, die sich um die International Studierenden kümmern. Manchmal gibt es auch WhatsApp-Gruppen über die du dich gut vernetzen kannst. Meine Gastuniversität hat sogar ein „Wellbeing-Team“ bei denen ich eine Sitzung haben könnte, falls ich für irgendetwas Beratung brauche oder einfach mich aussprechen will. Vielleicht gibt es an deiner Gastuniversität ein vergleichbares Angebot? Oder deine Heimatuni in Deutschland bietet vielleicht so etwas an?
Als ich einmal mal krank war, hatte ich gemerkt, dass meine WG damit gut umgehen kann. Mir wurde dann mal ein Einkauf gebracht, den ich nicht selbst hätte machen können. Eine Zimmernachbarin hat Umarmungen genau so vermisst wie ich und so haben wir manchmal uns einfach nur eine Umarmung abgeholt, wenn mal alles zu viel war.

#3 Bleib mit deinen Liebsten vernetzt

Irgendwie logisch aber vielleicht ist das ein Tipp für die Menschen, die sich schwer tun über die Ferne in Kontakt zu bleiben. Heutzutage können wir durch Social Media gut vernetzt bleiben, selbst wenn unsere Liebsten am anderen Ende der Welt sind. Manchmal braucht es einen Schubs, um dran zu bleiben. Sodass deine Liebsten halbwegs auf dem Stand sind was du erlebst und auch, dass du Teil davon sein kannst, was sie in Deutschland beschäftigt. Meiner Meinung nach kommt sonst schnell auch eine Art Entfremdung durch die Distanz.

#4 Schaffe Dir etwas zum Durchatmen

Nicht alles muss mit anderen und in Gesprächen gelöst werden, manchmal reicht ein Ort zum Wohlfühlen und Auftanken. Wenn du noch ganz frisch im Ausland bist, nimm dir die Zeit, so einen Ort für dich zu finden oder zu gestalten. Das kann auch einfach das eigene Zimmer sein, wenn es sich dann mal heimisch anfühlt. Für mich war das eine schöne Decke, die ich mir gekauft habe. Darin habe ich mich oft wie ein Burrito eingewickelt, wenn ich einfach nur da sitzen wollte, um mal nichts zu tun. Manchmal ist es auch nicht ein Ort, es kann auch ein Hobby sein, dass du auch zuhause getan hättest. Für deine mentale Gesundheit lohnt es sich dann auch in etwas zu investieren, was dir gut tut. Für mich waren das Backzutaten, um mir meinen Lieblingskuchen nach langer Zeit wieder zu backen. Für jemand anderes kann es ein Tischtennisschläger, Aquarellfarben oder ein Eintritt ins Schwimmbad oder Kino sein.

#5 Trau dich

Es ist manchmal schwer nach Hilfe zu fragen, proaktiv und eigeninitiativ zu handeln. Am meisten fällt das schwer, wenn es einem sowieso nicht gut geht. Aber auch diese Phasen wirst du durchstehen. Vielleicht ist es auch eins der essentiellen Dinge, die wir im Ausland lernen können. Es kann Überwindung und Stolz kosten, aber am Ende merke ich, dass ich doch weiter gekommen bin, es duchstehen kann und dazulerne. Ich musste mich einmal durchringen eine Verlängerung meiner Deadlines zu beantragen für Essays. Das war nicht angenehm. Ich wollte nicht hinterher sein, aber alles andere hätte es auch nicht leichter gemacht. Ich war schon mit Krankheit, Trauer, Reisestress mental am Limit. Deine mentale Gesundheit ist es wert, berücksichtigt zu werden auch wenn dafür unangenehme Entscheidungen getroffen werden müssen.

Wenn du bis hier gelesen hast, hoffe ich dass ich dich nicht eingeschüchtert habe ein Auslandsaufenthalt zu wagen! Ich glaube vieles von dem was ich erwähnt habe, beschäftigt jede:n mal mehr oder weniger. Es ist wie gesagt einfacher und schöner die Schokoladenseiten aus dem Ausland zu zeigen. Nur weil ein Abenteuer auch viele Unsicherheiten und Anstrengungen mit sich bringt, heißt das nicht, dass es sich nicht lohnt. Die Höhen und eben auch die Tiefen gehören beide dazu. Für all die Schokoladenseiten, darfst du dich gerne in meinem Blog weiter umschauen 😉
Am Ende komme ich auch zurück mit einem Koffer an Erfahrungsschätzen zu denen auch die schwierigen Phasen dazu gehören.

Cheers,
Lane

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