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El idioma – die Sprache

El idioma – die Sprache

Viele Studiengänge, für die man sich über das Erasmus-Programm bewerben kann, werden auf Englisch abgehalten. An der Universidad de Sevilla ist das nicht so. Über formelles Spanisch, Klingonisch und kitschige Bücher.

Meine persönliche Geschichte zum Español begann in Kindertagen. Meine Eltern – beide in Spanien geboren, zum Zeitpunkt meiner Geburt aber schon längst in Deutschland – haben mich bilingual erzogen. Das ging gut, bis ich in den Kindergarten kam. Meine Eltern entschieden – richtigerweise, wie ich finde – dass die deutsche Sprache Vorrang haben sollte, und ich kleiner Racker widersetzte mich den gut gemeinten Hausregeln. In der Küche sollte immer Spanisch gesprochen werden; Klein-Adri steht vom Küchentisch auf, geht ins Wohnzimmer und ruft durch die offene Tür „Reich mir mal das Salz!“.
Ich hatte als Kind und Teenager nicht viel mit dem Spanischen am Sombrero. Wollte ich auch gar nicht. Vielleicht aus einem überzogenen Drang „dazugehören“ zu wollen.

Spanisch sprechen ist nicht gleich Spanisch sprechen

Sicherlich musste (und muss) ich Spanisch nicht von der Pike auf lernen. Ich kann mich soweit verständigen, aber man sagt mir nach, dass ich einen Akzent wie der Google-Übersetzer oder die Lautsprecherdurchsagen am Flughafen habe (ich versuche es als Kompliment zu nehmen).
Außerdem habe ich den Eindruck, dass es im Spanischen einen großen Unterschied zwischen dem Alltagssprech und dem Formellen gibt. Die spanische Seifenoper ist für mich verständlich, die Nachrichtensendung hingegen klingt so, als würde die Sprecherin jedes siebte Wort auf Klingonisch sagen, einfach nur um mich zu ärgern. Es ist eben diese formelle Sprache, die ich in Sevilla lernen werde zu verbessern. Besonders, weil ich Medienwissenschaft studiere. Ich schätze, in gewissen Studiengängen hat man es da einfacher: Zwei plus zwei ergibt vier – überall auf der Welt; Wasser gefriert bei null Grad Celsius, ab 120 Dezibel kann ein Trommelfell platzen, Christoph Columbus ging 1492 in Amerika an Land. Medienwissenschaft gehört an meiner Heimat-Uni zur philosophischen Fakultät. In manchen Seminaren, da wird viel geredet, da wird sich Gedanken gemacht, da wird philosophiert. Und auch an der Universidad de Sevilla habe ich einen Kurs in der Vorauswahl belegt namens „Analyse des journalistischen Diskurses“ – Unterrichtssprache: Spanisch (und ganz bestimmt auch Klingonisch!).

Nahaufnahme einer spanischen Computertastatur.
Im Spanischen gibt es ein paar Buchstaben, die es im Deutschen nicht gibt. So eine Tastatur sollte man sich vor seinem Auslandsstudium besorgen.

Traningslager – Spanisch für Fortgeschrittene

Etwa ein Jahr vor meinem Erasmusaufenthalt intensivierte ich meine Vorbereitungen. Die folgenden Tipps haben mir geholfen mein Spanisch zu verbessern. Für Anfänger können sie vielleicht ergänzend zu klassischem Unterricht taugen.

Handy auf Spanisch stellen

Bei meinem Teil mit dem Apfel drauf geht das mittlerweile auch für einzelne Apps. Wenn du das Navigationssystem auf Spanisch stellst, verspreche ich dir ein paar Lacher bei der speziellen Aussprache deutscher Straßennamen. Andererseits lernt man aber auch Wörter wie „rotonda“ (Kreisverkehr) – das kannte ich vorher nicht. Trotzdem gilt: Vorsicht im Straßenverkehr – vielleicht behältst du beim Navi doch besser die Standardsprache, um dich nicht ablenken zu lassen.

Spanische Bücher

Das erste spanische Buch habe ich mir am Flughafen gekauft. Und zwar eins von Paulo Coelho, dem König des Kitschs. Ich wusste zu diesem Zeitpunkt, dass der Autor aus Südamerika stammt … aber ich wusste nicht, dass er Brasilianer ist! So hielt ich also ein Werk in Händen, das aus dem Portugiesischen ins Spanische übersetzt wurde und inhaltlich mal so gar nicht in mein Bücherregal passt. Trotzdem cool: Es war superleicht zu verstehen! Als Nächstes habe ich mich an Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez gewagt … das war in etwa so, als hätte ich nach meiner ersten Tennisstunde bei den US Open teilgenommen. Hier ist der Tipp: für den Anfang lieber Harry Potter als Finnegans Wake.

Spanische Filme und Serien

Leichter gesagt als geschaut. Auf der meistgenutzten Streaming-Plattform Deutschlands ist es möglich, die Sprache mit wenigen Mausklicks umzustellen. In Deutschland ist für die meisten Formate aber nur das lateinamerikanische Spanisch verfügbar. Dieses unterscheidet sich vor allem in der Aussprache stark vom Kastilischen (Castellano), der Amtssprache Spaniens. Mittlerweile gibt es auch viele (sehr gute!) Filme und Serien im spanischen Originalton. Dabei muss man bedenken – hier spricht der Medienwissenschaftler in mir – dass die Dialoge häufig schwieriger zu verstehen sind, wenn die Tonangel über den Schauspielern baumelt und nicht etwa ein spanischer Synchronsprecher konzentriert ins Mikro quasselt. Untertitel können Abhilfe schaffen.

Nahaufnahme eines Vokabelheftes Deutsch-Spanisch.

Vokabelheft

Für ein Studium an der Universidad de Sevilla braucht man Spanischkenntnisse auf B1-Niveau (B2 für manche Kurse). Ich habe neben der deutschen auch die spanische Staatsbürgerschaft und musste daher kein Zertifikat einreichen; hatte auch niemals Spanischunterricht. Trotzdem habe ich in den letzten Monaten ein Vokabelheft angelegt. Das war hilfreich und auch sehr spaßig. Eine Auswahl ganz toller spanischer Wörter und Formulierungen gibt es ab morgen hier auf dieser Seite.

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