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G20-Gipfel auf Bali – Studieren wie während Corona

G20-Gipfel auf Bali – Studieren wie während Corona

Seit Wochen und Monaten laufen die Vorbereitungen für das Gipfeltreffen der G20 Staaten auf Bali. Was das Treffen der führenden Industrie- und Schwellenländer für die ohnehin schon überfüllte Inselhauptstadt bedeutet und wie sich dadurch mein Studienalltag an der Udayana University verändert, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

G7, G8, G20, UN-Klimakonferenz oder das Weltwirtschaftsforum – ständig findet irgendwo auf der Welt eine politische Konferenz mit zahlreichen hochrangigen Gästen statt, über die ich bislang immer nur durch die Medien erfahren habe. Das Treffen der G20 Staaten hier auf Bali ist das erste Mal, dass ich wirklich unmittelbar von den Auswirkungen einer solchen Konferenz betroffen bin.

Wer sind die Gruppe der Zwanzig?

Wie gerade schon erwähnt, gibt es mehrere Formen dieser Gipfeltreffen. Das „G“ steht für „Gruppe“ und die Zahl dahinter gibt immer die Anzahl der teilnehmenden Staaten an. Ursprünglich bin ich deshalb davon ausgegangen, dass bei dem G20-Gipfel auch 20 Staaten teilnehmen werden. Tatsächlich besteht die Gruppe der Zwanzig oder abgekürzt G20 aus insgesamt 19 Staaten sowie der Europäische Union. Gemeinsam repräsentieren sie knapp über 80 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts und des globalen CO2-Ausstoßes. Es gibt unzählige Treffen und Arbeitsgruppen, die das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs vorbereiten. Die Politiker und geladene Gäste beraten dann neben wirtschaftlichen Themen, auch über andere globalen Themen wie Klimapolitik, Frauenrechte, Bildung, Migration und Terrorismus. Zu den Mitgliedern zählen neben den Vereinigten Staaten von Amerika, Deutschland, Frankreich auch Russland, die Volksrepublik China und auch Indonesien. Zum Höhepunkt des G20-Gipfeltreffens am 15. und 16. November werden sämtliche Staats- und Regierungschef auf Bali erwartet. Bundeskanzler Olaf Scholz ist bereits vergangen Samstag in Richtung Vietnam aufgebrochen und wird nachdem er am Montag an einer Konferenz in Singapur teilgenommen hat, weiter nach Bali reisen. In den kommenden Tagen wird also alles was Rang und Namen in der Politik hat auf Bali eintreffen. Wenn euch das Thema mehr interessiert findet ihr alle wichtigen Informationen auf der Internetseite der Bundesregierung.

Wieso auf Bali und nicht woanders?

Aktuell hat Indonesien den jährlich wechselnden Vorsitz über die G20-Staaten und ist damit in der Verantwortung das Gipfeltreffen der Regierungschefs und alle weiteren Veranstaltungen zu organisieren. Als Gastgeberland hat Indonesien darüberhinaus aber auch die Möglichkeit die Agenda und die Themen aktiv mitzubestimmen und zusätzliche Gäste einzuladen. Die balinesische Bevölkerung scheint sich zu freuen und ist stolz darauf, dass so ein großes Event bei ihnen stattfindet. Für Bali ist die Austragung des G20-Gipfels ein Prestigeprojekt mit großer internationaler Außenwirkung, jeder Menge Aufmerksamkeit und natürlich Werbung. Gerade die lokale Wirtschaft und die Menschen, die vom Tourismus leben – und das sind die meisten, haben durch die Corona-Pandemie drei sehr harte Jahre hinter sich. Auch wenn mittlerweile wieder mehr Touristen nach Bali kommen, sind es noch immer nicht so viele, wie vor der Pandemie. Die Hoffnung besteht jetzt darin, dass der G20-Gipfel auch den Tourismus auf Bali weiter ankurbeln wird.

Onlinelehre und verschobene Veranstaltungen

Für mich bedeutet der G20-Gipfel erstmal wieder eine Umstellung. Um sicher zustellen, dass sich der Terroranschlag von Bali vor genau 20 Jahren mit mehr als 200 Toten nicht wiederholt, hat die indonesische Regierung über 18.000 Militär- und Polizeibeamte in die Region entsandt. Unter anderem patrouillieren 12 Kriegsschiffe vor der Küste und 13 Hubschrauber kreisen regelmäßig über der Stadt. Hinzu kommt, dass Straßen gesperrt und ganze Regionen vollständig abgeriegelt sind. Das Gipfeltreffen wird in Kongresszentren und Hotels von Nusa Dua, südlich des internationalen Flughafens stattfinden. Die Halbinsel ist bekannt für weiße Strände, viele Surfer und wunderschöne Sonnenuntergänge. Damit ist das einer meiner Lieblingsorte auf Bali. Auch mein Campus liegt mitten im Zentrum der Inselhauptstadt Denpasar und ist damit unmittelbar von dem Gipfel betroffen. Seit vergangener Woche steht fest, dass die Vorlesungen diese Woche wie zu Zeiten von Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen während der Corona Pandemie online stattfinden. Dementsprechend werde ich Montag und Dienstag in meiner Unterkunft verbringen und den Vorlesungen vom Küchentisch aus folgen. Die Praxisabschnitte am Mittwoch und Donnerstag fallen aus und werden auf Termine nach dem Gipfeltreffen verschoben. Wie für die Balinesen typisch, wurde der Stundenplan erst sehr kurzfristig geändert, obwohl der Termin für den G20-Gipfel schon seit Monaten feststeht – aber daran habe ich mich mittlerweile gewöhnt. Wahrscheinlich ist es das Beste, die Hauptstadt Denpasar und alle südlich liegenden Gebiete in den kommenden Tagen so gut es geht zu meiden.

Blick aufs Meer mit einem Kriegsschiff am Horizont.
Ein Kriegsschiff patrouilliert vor einem der beliebtesten Strände der Region.

Zu viel für die Insel?

Ich bin weder Verkehrsexperte noch Städteplaner oder Politiker, aber in meinen Augen ist Bali nicht unbedingt der beste Austragungsort für ein solches Event. Die Verkehrssituation in der Stadt ist auch ohne die ganzen Sicherheitsmaßnahmen, Einschränkungen und zusätzlichen Kontrollen katastrophal. Ohne einen Roller und ohne das Befahren der Bürgersteige gibt es auf einigen Strecken überhaupt kein Durchkommen. Ja, ihr habt richtig gelesen. Auch wenn das Befahren der Bürgersteige eigentlich gesetzlich verboten ist, nutzen viele Balinesen den zusätzlichen Platz neben der Straße zum überholen. Es fühlt sich an, als würde das Ballungsgebiet rund um die Inselhauptstadt förmlich aus allen Nähten platzen. Die Straßen und Infrastruktur geben noch mehr gebündelten Verkehr in meinen Augen einfach nicht her. Auch wenn die Regierung jetzt eine schicke neue Autobahn vom Flughafen zu den Kongresszentren hat bauen lassen, hat die einheimische Bevölkerung, die Umwelt und die Natur erstmal nichts von diesem Gipfeltreffen. In meinen Augen wäre es viel wichtiger, Geld in den Umwelt- und Klimaschutz zu investieren oder für eine vernünftige Müllentsorgung zu sorgen. Andernfalls wird aus dem Urlaubsparadies bald ein Müllparadies.

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