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Klimakrise, Koloniale Vermächtnisse & Female Leadership – die German American Conference an der Harvard University

Klimakrise, Koloniale Vermächtnisse & Female Leadership – die German American Conference an der Harvard University

Im Rahmen meines Auslandsjahres wurde ich vom DAAD zur German American Conference an der Harvard University nach Boston eingeladen. Es war eine tolle Gelegenheit, mich mit anderen deutschen Auslandsstudierenden auszutauschen und mir eine kleine Pause vom stressigen Uni-Alltag in Texas zu verschaffen. Was ich erlebt habe, erfahrt Ihr hier.

Die 11. German American Conference fand vom 1. bis 3. November in Boston statt und stand unter dem Motto „Breaking Barriers“ anlässlich des Jubiläums zum 30-jährigen Mauerfall. Mit mehr als 700 Teilnehmern und mehr als 50 Referenten ist sie die größte von Studenten geführte Konferenz ihrer Art in den USA. Die Konferenz an der Harvard University bringt Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Medien zusammen, um zukünftige Führungskräfte zu inspirieren, den transatlantischen Dialog, sowie Innovationen voranzutreiben. Im Kern der Konferenz geht es um zentrale transatlantische Herausforderungen unserer Zeit. Diesjährige Gäste waren Bundespräsident Steinmeier, US-Botschafterin Emily Haber, Friedrich Merz, Per Steinbrück, ZDF-Moderatorin Jana Pareigisund Ralph Fücks, der ehemalige Vorsitzender der Heinrich-Böll-Stiftung.

Freitag – Der Bundespräsident eröffnet die Konferenz

Die Konferenz begann mit einem Panel mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier über die Ethik der digitalen Transformation. Das Panel mit Experten aus Deutschland und den USA diskutierte dabei die Auswirkungen von Artificial Intelligence and Industry 4.0 auf die Gesellschaft. Die Quintessenz dieses Panels war, dass die Naturwissenschaften stets gemeinsam und nicht getrennt mit den Sozialwissenschaften künstliche Intelligenz vorantreiben müssen. Nur so kann sichergestellt werden, dass zukünftige Innovationen in Einklang mit der Ethik entstehen.

Im zweiten Panel, „Ein Platz am Tisch: Wer fehlt und wie können wir das ändern“, ging es um die Rolle unterrepräsentierter Gruppen in Führungsrollen in den USA und Deutschland, sowie Lösungsansätze, was jedes Land vom anderen lernen kann.

Im dritten Panel ging es um „Female Leadership“. Das Panel diskutierte dabei die unsichtbare Glasdecke, die es vielen Frauen verhindert, in Politik und Wissenschaft als weibliche Führungskraft aufzusteigen. Konkret ging es um die Fragen, ob diese Barrieren durch gesetzliche Regelungen wie Familienurlaub, eine Frauenquote überwunden und durch soziale Normen, wie sogenannten „Alt-Herrenclubs“, geschaffen und aufrechterhalten werden.

Samstag – Luisa Neubauer und die Klima-Frage

Am Samstag ging es vor allem um Frage: „Wie kann Klimagerechtigkeit angegangen werden und was muss sich ändern?“. Im der Diskussion appellierte Luisa Neubauer  von Fridays For Future, dass die Klimakrise real ist und ihre negativen Auswirkungen jeden Tag stärker spürbar werden und Politik, sowie die Gesellschaft jetzt handeln müssen. In unser Gesellschaft sind es schließlich oft die schwächsten, die oft am wenigsten zur Klimakrise beigetragen haben, aber zugleich diejenigen sind, die am stärksten von den negativen Auswirkungen betroffen sind.

Daran anschliessend hielt Ralf Fück seinen Vortrag zum Thema, „Verteidigung der Freiheit – Wie können wir den Kampf für eine offene Gesellschaft gewinnen?“. Insbesondere in Anbetracht des zunehmenden Rechtspopulismus in den USA und Deutschland, zog Herr Fücks viele Parallelen zwischen beiden Ländern und gab dabei konkrete Lösungsansätze, wie liberale Parteien und die Zivilgesellschaft gemeinsam, diesem Trend in Zukunft begegnen können. Im Mittelpunkt seines Vortrags standen die Vernetzung von Green Economy, Migration, die Zukunft Europas und die internationale Politik.

Sonntag – Koloniale Vermächtnisse in USA & Deutschland

Eine für mich persönlich sehr mitreißende Diskussionsrunde war das Panel „Koloniale Vermächtnisse in den USA und Deutschland“. 2019 markiert den 400. Jahrestag des Beginns der amerikanischen Sklaverei. In den USA wird das heutige Deutschland oft wegen seiner Erinnerungskultur gefeiert. Die koloniale Vergangenheit Deutschlands ist jedoch nicht allgemein bekannt, das koloniale Erbe bleibt für die meisten Deutschen fast unlesbar. Gleichzeitig sind die Umbenennung von Straßen, die Rückgabe von kulturellen Artefakten und die Frage der Wiedergutmachung zu umstrittenen politischen Themen geworden, die sich mit aktuellen und vergangenen Debatten in den USA reimen. Die Afro-Deutschen haben bei vielen dieser Themen die Führung übernommen, werden aber in den gängigen transatlantischen Debatten oft unsichtbar gemacht.

In der Diskussionsrunde ging es demnach um das koloniale Erbe im heutigen Deutschland, sowie die Einstellungen  in Gesellschaft und Politik. Das Ziel des Panels war es, der jüngeren Generation zu helfen, die Verständigungsbarrieren abzubauen, die das vereinte Deutschland daran gehindert haben, den Rassismus aktiv zu bekämpfen, und die transatlantische Debatte dahingehend zu erweitern.

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