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København, ich liebe dich!

Mein Semester in Kopenhagen ist Ende Juni vorbei. Aber wie war die Zeit, die Uni und wie lief es eigenlich mit meinem Dänisch?

Anfang Februar bin ich nach Kopenhagen umgezogen, bin dann im März in einen anderen Stadtteil von Kopenhagen gezogen, fünf Monate hier zur Uni gegangen und habe Kopenhagen lieben gelernt. Der Unterschied zu Deutschland war für mich auf jeden Fall größer als gedacht, kulturell gibt es dann doch größere Unterschiede. Manche davon waren am Anfang für mich etwas befremdlich, andere sind für mich so zum Alltag geworden, dass ich mich zurück in Deutschland wohl wieder etwas umgewöhnen werden muss.

Universität Kopenhagen, Digitalität und Deutsch als Zweitsprache

Meine Uni-Kurse habe ich an der KU belegt. Ich hatte ein Geschichtsseminar und einen dreigeteilen Germanistikkurs. Und was soll ich sagen: Ich habe es geliebt. Außer vielleicht, dass das eine Seminar um acht Uhr angefangen hat. Die Seminare waren mehr auf Gespräche und Diskussionen ausgelegt als an meiner Heimatuni in Deutschland. Mir persönlich hat das sehr gefallen. Vor allem im Literatur-Teil des Germanistikkurses fiel es mir so viel leichter, einen Zugang zur Literatur zu bekommen. Ehrlich gesagt war das aber vermutlich nur so, da Deutsch meine Muttersprache ist. Auf Dänisch wäre mir das vermutlich sehr viel schwerer gefallen. Da meine Komiliton:innen Deutsch als Zweitsprache gelernt haben, wäre es in dem Fall aber kein Problem gewesen, wenn ich überhaupt kein Dänisch gekonnt hätte. Was ich mir auch im Voraus schon hätte denken können: Die Digitalisierung an der KU ist auf einem ganz anderen Level als an meiner Heimatuni. Für mich war es daher sehr ungewohnt, Klausuren an einem Computer der Uni zu schreiben. Da das aber sehr gut organisiert war, war das einzige Hindernis, auf einer dänischen Tastatur einen Text auf Deutsch zu schreiben. Aber auch das ließ sich lösen. Alles in allem würde ich immer wieder ein Auslandssemester an der KU machen, vielleicht nur mit Kursen, die nicht um acht Uhr beginnen.

Der Søndre Campus der Universität in Kopenhagen.
Der Søndre Campus der KU ist besonders im Sommer mit den Kanälen wunderschön.

Das WG-Leben

Ich bin zwar einmal in Kopenhagen umgezogen, die WG gewechselt habe ich aber nicht. Meine Mitbewohnerin, ihre Katze (Bailey) und ich sind zusammen in eine neue Wohnung gezogen. Somit blieb die WG-Konstellation gleich. Und Alba hat meine Zeit in Kopenhagen wohl am meisten geprägt. Durch sie habe ich mich gleich zu Hause gefühlt, ihre Familie hat mich auch direkt aufgenommen und ich werde sie doll vermissen, wenn ich wieder zurück nach Deutschland ziehe. Alba ist zu meiner wichtigsten Bezugsperson und besten Freundin hier geworden. Durch sie hatte ich auch direkt ein Sozialleben in Kopenhagen und ich konnte Dänemark auch durch sie sehr authentisch erleben. Zusätzlich ist mein Dänisch durch sie sehr viel besser geworden. Da mein Alltag außerhalb der Uni nur auf Dänisch stattfindet und ich mit ihr nur Dänisch spreche, ist mein Akzent stark zurückgegangen und ich klinge nicht mehr ganz nach Dänischlehrbuch. Ohne sie und in einem Wohnheim würde ich sehr viel weniger Dänisch sprechen und meine Freund:innenbubble wäre weniger dänisch und mehr international. Das wäre nichts Schlimmes, nur für mein Ziel fließend Dänisch zu lernen, nicht optimal gewesen. Also für eine möglichst tiefe Immersion in dänische Kultur würde ich IMMER eine WG empfehlen.

Ich und meine Freundin Alba. Wir haben zusammen in einer WG gewohnt.
Das WG-Leben mit Alba ist einfach nur wunderschön und ich bin sehr froh in ihr eine so gute Freundin gefunden zu haben.

Hygge ist mehr als nur Klischee

Ich bin ehrlich: Dänemark hat Entspannung und das Lebensgefühl drum herum perfektioniert und ich liebe es. Zu Hygge gehört aber so viel mehr dazu als Kanelboller und Stricken. Es ist ein Lebensstil, in dem irgendwie alles entspanner ist. Dass das funktioniert, müssen aber auch die Voraussetzungen stimmen. Und die stimmen: Der ÖPNV funktioniert reibunglos, die Bürokratie hier ist minimal und komplett digitalisiert, das Gesundheitssystem ist grandios und das Gebäck ist natürlich auch sehr gut. Für mich ist alleine durch den funktionierenden und zuverlässigen ÖPNV so viel Stress weggefallen, dass sich alles entspannter angefühlt hat. Natürlich trägt jetzt gerade im Sommer auch die Lage am Meer zum Entspannungs- und Hyggefaktor bei.

Ich habe die Stressreduktion hier zum Beispiel auch an einem Rückgang meiner Migräne-Attacken gemerkt. Am Ende des Tages kann ich nicht genau sagen, woran es liegt, aber ich habe hier eine innere Ruhe, die ich nirgendwo anders hatte. Diese würde ich gerne mit nach Deutschland nehmen, leider sind viele Dinge wie der ÖPNV nicht sonderlich transportabel.

In Kopenhagen war ich regelmäßig in einem Garncafé.
Garncafés könne es meiner Meinung nach in Deutschland öfters geben.

Aber wie gut hat das mit dem dänisch Sprechen funktioniert?

Die kurze Antwort ist: Am Anfang ein bisschen holprig und schüchtern, mittlerweile alltäglich. Für mich persönlich war Dänisch sprechen zu Beginn meines Auslandssemesters mit viel Unsicherheiten verbunden. Manchmal habe ich die noch immer, wenn ich mal wieder ein Wort erfinde und meine Mitbewohnerin mich verwirrt anschaut, aber die meiste Zeit denke ich gar nicht mehr darüber nach. Klar fehlen mir hin und wieder Wörter, aber das ist, denke ich normal. Fachdiskussionen könne ich wohl nicht auf Dänisch führen, aber im Alltag habe ich keinerlei Probleme, Konversationen auf Dänisch zu führen. Alltagssprache ist mittlerweile flüssig, würde ich sagen, und darauf bin ich sehr stolz. Neue Sprachen sind mir nie leicht gefallen zum Lernen, weshalb das ein riesiger Erfolg für mich ist. Und allein dadurch, dass ich durch mein Dänisch einen fast ausschließlich dänischen Freund:innenkreis hier habe, würde ich sagen, dass mein Einblick in die Kultur sehr tief und authentisch war. Mission also erfüllt, auch wenn Kultur entdecken ein nie endender Prozess ist. Völlig integrier werde ich aber vermutlich niemals, weil ich keine Remoulade mag und das laut meiner Mitbewohnerin ein Verbrechen ist.

Blick auf das Sankt Hans Feuer in Kopenhagen.
Ohne mein Dänisch hätte ich hier beim Sankt Hans Feuer nicht mitsingen können.

Und jetzt zurück nach Deutschland und alles wie zuvor?

Zum Glück habe ich noch Zeit, bevor ich wieder nach Deutschland zurückziehe. Das Semester in Deutschland geht erst wieder Mitte Oktober los, da wollte ich den skandinavischen Sommer genißeen. Außerdem schreibe ich meine Bachelor-Arbeit über ein Thema, für das ich Archivmaterialien aus Kopenhagen brauche. Auch das erledige ich noch, bevor es wieder zurück nach Deutschland geht. Und obwohl es noch drei Monate sind, habe ich jetzt schon Angst vor dem Moment des Umzuges. Ich möchte mein Leben hier nicht einfach zurücklassen. Ich könnte das auch gar nicht. Dafür fühlt sich Kopenhagen zu sehr nach zu Hause an. Und bei einer Sache bin ich mir auch sicher, nämlich dass das nicht das letzte Mal war, dass ich in Dänemark gewohnt habe. Ich versuche mich also mit einem Vi ses! anstatt farvel! zu trösten. Also wenn du mit dem Gedanken, spielst nach Kopenhagen zu ziehen: Tu es, aber mach dich darauf gefasst, dass diese Stadt dein Herz stehlen wird. Und lern etwas Dänisch, die Sprache ist wunderschön und macht Kopenhagen magisch.

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