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Mission complete Was ich aus einem Jahr Melbourne mitnehme

Ich blicke zurück auf mein Auslandsjahr zwischen Wellen und Wissenschaft in Australien. Ich habe ganz anders studiert, endlich meine Study-Life-Balance gefunden und sehe meine eigene Kultur mit neuen Augen. Hier berichte ich, was ich im Studium gelernt habe, erzähle von Freundschaften, Freizeit und Fernweh und warum ich dir ein Auslandsjahr in Melbourne empfehle!

Nach fast elf Monaten in Melbourne kann ich sagen, dass ich meine Mission hier mehr als erfüllt habe. Ich habe nicht nur viel gelernt das mich in Zukunft zu einer besseren Psychotherapeutin macht, sondern auch neue Seiten an mir entdeckt und Freundschaften geknüpft, die mein Auslandsjahr überdauern und Landsgrenzen überwinden.

Wie war das Studium in Melbourne?

Ich habe mein Auslandsjahr in Melbourne mit der Mission begonnen, mein wissenschaftliches Schreiben auf Englisch zu verbessern und Module zu besuchen, die in Deutschland nicht angeboten werden zu Themen wie Inklusion, Suizidprävention, Sucht und kulturelle Reflexivität.

Nach über zehn Monaten in Melbourne merke ich, wie stark sich mein Englisch verbessert hat. Besonders die vielen Hausarbeiten, die ich oft anstelle von Klausuren schrieb, haben mein wissenschaftliches Schreiben spürbar weiterentwickelt. Die Module waren tatsächlich so spannend, wie ich es mir erhofft hatte und waren zudem sehr praxisnah und anwendungsorientiert gestaltet. Was mir besonders auffiel war, dass die Bedürfnisse marginalisierter Gruppen stets mitgedacht wurden, was ich als Fokus so aus Deutschland nicht kenne. Besonders geprägt haben mich die Module zu Kultureller Sicherheit und Reflexivität, in denen ich viel über die Indigene Bevölkerung Australiens lernte. Im Vordergrund stand allerdings nicht Wissen über eine bestimmte Kultur anzusammeln, schließlich gibt es über 250 verschiedene Indigene Völker in Australien, sondern stattdessen seine eigene kulturelle Prägung zu reflektieren und vor allem eine fortlaufende Praxis der Selbstreflektion zu entwickeln. Dies sind Fähigkeiten, die ich mit nach Deutschland nehmen werde und in meine zukünftige Arbeit als Psychotherapeutin integrieren werde.

Study-life-Balance neu gedacht: Hier in Australien organisieren sich die Studierenden ehrenamtlich in Clubs. Mit dem Surfclub habe ich gemeinsam eine Reise an die Ostküste Australiens gemacht, nach Byron Bay.

Ganz anders als in Deutschland ist auch das Campusleben hier. Während ich in Deutschland mit Glück einen Platz in einem Unisportkurs ergattern konnte und sich sonst das meiste Sozialleben in der Mensa abspielt, ist der Campus hier wie eine kleine Stadt. Es gibt viele Restaurants und Imbisse, einen kleinen Supermarkt, eine Postfiliale und sogar eine Arztpraxis inklusive eines kostenlosen psychotherapeutischen Angebots für Studierede. Es gibt regelmäßige kostenlose Events wie Konzerte lokaler Bands im Sommer. Das Highlight sind allerdings die vielen ehrenamtlich organisierten Studierendenclubs für Hobbys, Sprachen, Religionen oder Sportarten. Vom Mittelalterclub über Gaming, Wasserski und Surfen ist hier alles dabei! Die Clubs organisieren regelmäßige Events von Pubcrawls bis Wochenendtrips und Reisen.

Ein Zuhause auf der anderen Seite der Welt

Ich habe im ersten Semester in einer teuren Studierendenunterkunft (iglu) South Yarra nahe der Stadt und im zweiten Semester im Studierendenwohnheim („the Halls“ genannt) auf dem Campus gewohnt. Rückblickend war South Yarra definitiv die bessere Location, allerdings boten die Halls ein besseres Sozialleben. Der Clayton Campus liegt über eine Stunde vom Stadtzentrum entfernt. In Melbourne fahren die Bahnen unter der Woche nur bis ungefähr Mitternacht und die Busse zum Campus stoppen sogar noch früher. Unter der Woche war es quasi nach 22 Uhr schwierig, nach Hause zu kommen ohne ein teures Taxi oder Uber zu bezahlen. Ich würde empfehlen sich eine Unterkunft, am besten ein „share house“ also eine WG, entlang der Pakenham Bahnlinie zu suchen, denn Bahnen fahren noch bis Mitternacht.

Rückblickend bin ich sehr froh, dass ich einen internationalen Führerschein beantragt hatte. So konnten wir mehrere Roadtrips machen und waren viel flexibler und günstiger unterwegs als mit einer gebuchten Tour. Im Nachhinein hätte ich zumindest ernsthaft darüber nachdenken sollen mir hier für ein Jahr ein Auto zu kaufen. Dank meiner australischen Freunde bin ich auch ohne über die Runden gekommen aber es hätte mir definitiv viel Freiheit geschenkt.

Freizeit, Freundschaften, Fernweh

Meine Mission für mein Auslandsjahr war auch der interkulturelle Austausch. Melbourne und besonders die Monash University waren dafür genau die richtige Wahl. Ich lernte andere Austauschstudierende und internationale Studierende von überall auf der Welt kennen. Für mich war es unfassbar spannend mit Menschen zu sprechen, die in ganz anderen politischen Systemen aufgewachsen sind, zum Beispiel in China oder Singapur.

Gleichzeitig ist auch meine australische Freundesgruppe kulturell unfassbar divers. Die meisten haben Wurzeln in anderen Ländern, sei es Vietnam, Griechenland oder Irland. Wir haben viel über Identität gesprochen und wie es ist sich zwei Kulturen zugehörig aber irgendwo fremd zu fühlen.

Ich würde allen zukünftigen Austauschstudierenden an der Monash empfehlen einem Club beizutreten, da ich wirklich kaum Leute im Unterricht kennengelernt habe. Mein Lieblingsclub ist der Surfclub (Monash Boardriders). Dadurch habe ich genauso viele australische wie internationale Freunde gewonnen. Ich kenne aber auch viele Austauschstudierende die ihre Freunde vor allem bei den Orientierungsveranstaltungen am Semesterstart kennenlernten und wenig Kontakt zu Australiern hatten.

Meine Freizeit habe ich hier in Australien viel in der Natur verbracht, beim Wandern und Surfen. Die Highlights waren aber definitiv meine Reisen. Australien bietet atemberaubende Natur und du kannst dich darauf einstellen, dass die Austauschstudierenden hier eigentlich konstant im Planungsprozess für den nächsten Trip sind. In den Semesterferien habe ich auf einem Roadtrip entlang der Ostküste den ältesten Regenwald der Welt gesehen, samt Krokodilen, war im Great Barrier Reef tauchen, habe Wale beobachtet und Freundschaften geschlossen, die mein Auslandsjahr überdauern werden. Ich übernachtete unterm Sternenhimmel im Outback, bestieg verschneite Berge in Tasmanien, beobachtete ein Schnabeltier in freier Wildbahn und war in Byron Bay mit Delfinen surfen. Es sind wirklich unvergessliche Erinnerungen und ich werde ein Leben lang dankbar für die Chance sein, dieses Auslandsjahr machen zu dürfen.

Was mich überrascht hat

Überrascht hat mich vor allem wie gut ausgestattet die Universität ist. Alle Seminarräume bieten mehrere modernen Bildschirme und auch die Clubs haben genug Budget, um sich Surfboards, Wasserskiboote oder Gaming PCs zu leisten. Im Vergleich zu Deutschland fluoriert hier das Studierendenleben durch die vielen Clubs, das werde ich wohl am meisten vermissen. Überrascht hat mich außerdem, wie unpraktisch die öffentlichen Verkehrsmittel sind verglichen mit meiner Heimatstadt Berlin. Ich bin es nicht gewohnt, nachts nicht nach Hause zu kommen oder Sehenswürdigkeiten nur mit Tour oder Auto erreichen zu können. Gewundert hat mich zudem, wie selten ich tatsächlich wilden Tieren in Australien begegnet bin.

Was ich mitnehme

Durch das Studium habe ich eine stärkere Sensibilisierung für die Bedürfnisse und Barrieren marginalisierter Gruppen im Gesundheitssystem gewonnen. Die anwendungsorientierten Kurse halfen mir Reflexion als eine fortlaufende Praxis zu verstehen und ermutigen mich, Veränderung nicht nur auf individueller sondern vor allem systemischer Ebene anzugehen.

Persönlich entdeckte ich in Australien meine Liebe zur Natur, zum Campen und Surfen. Darum nehme ich gleich zwei Neoprenanzüge aus Australien mit. Ich könnte mir inzwischen gut vorstellen, längere Zeit in einem Van zu leben und durchs Outback Australiens zu fahren, gleichzeitig freue ich mich über jede Sekunde die ich allein in einer Küche verbringe, nachdem ich für ein Jahr Räumlichkeiten mit Fremden geteilt habe.

Und was wurde aus meiner Mission?

Meine Mission “Zwischen Wellen und Wissenschaft” habe ich ´erfüllt! Das Studium beinhaltete viel mehr wissenschaftliches Schreiben als ich erwartet hatte. Meine Fähigkeiten haben sich signifikant verbessert und auch die Balance zwischen Studium und Freizeit ist mir im Vergleich zum Studieren in Deutschland hier in Australien nun endlich gelungen. Weniger stressig war es allerdings nicht. Auch der Blick über den europäischen Tellerrand ist mir geglückt, da ich sowohl viel über die Indigene Bevölkerung gelernt habe sowie einen kulturell sehr diversen Freundeskreis hatte. Bereits in meiner ersten Woche in Melbourne stand ich auf einem Surfboard und obwohl ich nach einem Jahr immer noch eine absolute Anfängerin bin, besitze ich inzwischen mein eigenes Surfboard, kenne jedes Mitglied des Surfclubs und war wahrscheinlich öfter am Strand als in der Stadt. Mit dem Wellenreiten hatte es also auch geklappt und ich habe eine Leidenschaft gewonnen, die mich mein Leben lang begleiten wird.

Warum ich dir ein Auslandsjahr empfehle

Wann im Leben bekommst du nochmals die Chance für eine so lange Zeit im Ausland zu leben und vielleicht sogar ein Stipendium zu bekommen? Einen Auslandsaufenthalt machen zu dürfen ist ein wirklich einmaliges Privileg und eine große Chance. Ich kann nur jedem empfehlen, diese Chance zu nutzen!

Wenn du darüber nachdenkst, ein Auslandsjahr zu machen, kann ich Melbourne von Herzen empfehlen. Die kreativ gestalteten Module, die kulturelle Vielfalt, die Natur rund um die Stadt und die beeindruckende Auswahl an Studierendenorganisationen und Freizeitclubs haben mein Leben bereichert, wie ich es nie erwartet hätte. Durch die umfangreichen Angebote für Studierende findet hier jeder seinen Platz und wer gerne reist, für den ist Australien die richtige Wahl. Dieses Jahr hat mir nicht nur neue Perspektiven eröffnet, sondern mich als Mensch und angehende Psychotherapeutin nachhaltig geprägt.

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