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Mission Possible: Studium im Paradies

Mission Possible: Studium im Paradies

Eigentlich wollte ich zwischen dem Bachelor und dem Masterstudium ein bisschen reisen. Dann kam aber Corona und natürlich kam alles ganz anders: keine Bachelor-Abschlussfeier, der Umzug nach Köln für den Master, keine Erstitage und drei Semester Online-Lehre über Zoom. Und damit festigte sich der Wunsch, noch einmal ins Ausland zu gehen. Also habe ich bei den Partneruniversitäten von Köln geschaut und La Réunion gefunden. Die Möglichkeit, auf einer kleinen Insel im Indischen Ozean zu wohnen und dort zur Uni zu gehen, klingt doch eher wie ein Traum oder? Und ja, was soll ich sagen, jetzt bin ich hier und es gibt definitiv schlechtere Orte für ein Studium! Aber wie sieht mein Uni-Alltag aus?

Eins vorweg: Die Beschäftigten an der Uni sind alle sehr bemüht, den StudentInnen, aber vor allem auch uns Internationals, die Zeit so schön wie möglich zu gestalten. Es gibt einmal im Monat ein kostenloses Frühstück für alle, Theateraufführungen, Konzerte oder von der Uni organisierte Partys.

Tausche Großstadt gegen Insel

Mein Unialltag und die Universität an sich sind hier allerdings schon ziemlich anders als in Deutschland. Das, was als Erstes auffällt, ist auf jeden Fall der Zaun: Die Uni ist einmal komplett eingezäunt und es gibt an den beiden Eingängen Security-Männer. Wenn ich abends zu meinem Sportkurs gehen möchte, muss ich meistens meinen Studentenausweis und meinen Ausweis für den Sport vorzeigen, um auf das Gelände zu kommen. Dadurch fühlt man sich aber auch gleichzeitig viel sicherer, weil man weiß, dass wirklich nur StudentInnen und Professoren bzw. andere Befugte auf dem Universitätsgelände sind.

Ein weiterer Unterschied zu Deutschland? Die Seilbahn! Während ich in Köln meistens mit dem Rad unterwegs bin, gehe ich hier meistens überall zu Fuß hin bzw. nehme die téléphérique (Seilbahn), um zur Uni zu kommen.
Und jetzt noch das Beste: Man sieht das Meer! Sowohl aus der Bibliothek, aus den meisten Seminarräumen als auch aus der Mensa: Du hast überall das Glück, auf das Meer schauen zu können! Und ich kann dir sagen, im Seminar rauszuschauen und das Meer zu sehen, macht es wett, dass manche Seminare drei Stunden am Stück ohne Pause gehen! Aber generell ist es hier etwas schwierig, was den Stundenplan und die Kurswahl angeht…

Lernzettel auf einem Tisch. Im Hintergrund sieht man das Meer.
Nichts geht gegen einen Meerblick beim Lernen!

Survival-Guide: Stundenplan erstellen

Du brauchst auf jeden Fall starke Nerven, was das Thema Stundenplan angeht. Die Zeiten für die verschiedenen Seminare ändern sich wöchentlich. Das erleichtert es nicht gerade alle Seminare unter einen Hut zu bekommen und Überschneidungen zu vermeiden. Außerdem kommst du in keine richtige Routine, eben weil es sich jede Woche ändert. Manche Kurse beginnen außerdem bereits um 7.30 Uhr, während manche Seminare auch noch bis 21 Uhr dauern.

Aber einfach entspannen, nicht aufregen und die Kurse nehmen, die irgendwie reinpassen. Ich hatte auch einen Kurs zu Anthropologie, der jede Woche vier Stunden am Stück ging. Da es aber auf 20 Stunden insgesamt begrenzt war, war der Kurs dann nach fünf Wochen auch schon vorbei. Die vierstündige Klausur habe ich dann bereits Mitte Oktober geschrieben und seitdem habe ich mittwochs frei 😊 Also es hat auch etwas Gutes, dass manche Kurse sehr lang sind!

RU-Time!

Mittags ist „RU-Time“! (RU= Restaurant universitaire). Oft treffen wir uns alle mittags in der Mensa. Es gibt zwei unterschiedliche Möglichkeiten: Einmal die „normale Mensa“, in der es ein Mittagsangebot für 3,30 Euro gibt und einmal eine Mensa, in der es eine Art Buffet gibt. Die Letzte ist aber deutlich teurer, deshalb gehen da auch eher die ProfessorInnen hin.

Das Gericht für 3,30 Euro besteht aus einer Vorspeise (wenn du Glück hast, ist noch Salat da, ansonsten darfst du dir dann zwei Desserts nehmen), Hauptgericht (Reis + Fleisch + Bohnen) und einem Dessert (Apfel/ Orange/ Joghurt/ Pudding zur Auswahl). Im Großen und Ganzen kann ich sagen: Vielfalt sieht anders aus 😀 Ich esse hier wirklich jeden Tag in der Mensa Reis – und das seit 2,5 Monaten. Für Vegetarier ist es daher auch noch schwieriger, außer du stehst auf trockenen Reis mit ein paar Bohnen.


Das Schöne am RU? Der Meerblick!

Ein anderer großer Unterschied zu Deutschland? Die Öffnungszeiten! Während du in Köln in einer Mensa durchgehend warmes Essen bekommst, sind die Zeiten im RU auf 11.30 bis 13 Uhr begrenzt. Um 12 Uhr (da sind die meisten Seminare zu Ende) ist es immer sehr voll und du wirst eher von den anderen StudentInnen durch die Mensa geschoben. Gibt auf jeden Fall Schöneres als so engen Körperkontakt bei 30 Grad. Spätestens ab 12.30 Uhr gibt es auch eigentlich dann nur noch Reis, natürlich ohne Soße, weil sonst schon alles aufgegessen wurde. Also: Wenn du in die Mensa gehst: Geh vor 12 Uhr!

Hulk in the making…

Was ist noch anders zur deutschen Uni? Du kannst dir hier einen Sportkurs benoten lassen und dafür 2 ECTS bekommen. Ich mache den Kurs „Musculation“. Der Prof trägt bei uns den Spitznamen „Militärmann“. Ich glaube, das sagt schon alles über sein Wesen aus: Zwei Stunden Krafttraining die Woche bei ihm und du spürst mindestens noch vier Tage später den Muskelkater. Zudem bin ich persönlich mit seiner Form des Trainings nicht ganz d’accord: Oft wird ohne ein richtiges Aufwärmen direkt mit Gewichten an den Geräten trainiert, es werden die gleichen Gewichte für Frauen und Männer genommen und jede Woche werden diese Gewichte bei den Übungen um mindestens 5-10 Kilo erhöht. Er baut dann immer verschiedene Stationen auf, in denen wir unter seiner Aufsicht Gewichtübungen für die Muskelgruppe – `Arme machen. Und zwar nur Arme! Und glaub mir, 10 Kilo pro Seite ausstrecken kann ganz schön anstrengend sein! Schauen wir mal, ob ich irgendwann wirklich noch Muskeln in meinen Spaghetti-Armen aufbauen kann oder gar als Hulk zurückkomme.

Zwei Studenten im Fitnessstudio
Sport bei 30 Grad? Da helfen selbst Ventilatoren nicht viel! Aber Moritz und ich ziehen trotzdem fünf Mal die Woche Sport durch!


Zudem müssen wir für diesen Kurs eine Hausarbeit schreiben und unser körperliches Ziel ausarbeiten. Dafür müssen wir einen eigenen Trainingsplan erstellen und Übungen für jede Einheit unseres persönlichen Trainings präsentieren und täglich eine an das Objektiv angepasste Ernährung dokumentieren. Ich finde, das ist schon viel Aufwand für 2 ECTS Punkte.

Dann gibt es aber noch Sportkurse, die du zusätzlich auswählen kannst, die nicht benotet werden. Davon kannst du zwei auswählen. Hier gibt es beispielsweise auch Tauchen, allerdings musst du dich schnell dafür anmelden, da es sehr begehrt ist und nur wenig Plätze gibt. Ich mache noch Zirkeltraining und Bodytraining und muss sagen, die beiden Kurse machen superviel Spaß! Bei dem Bodytraining sind neben nur noch zwei andere Studenten dabei und es fühlt sich ein bisschen wie Personal Training an.


Das reicht dir noch nicht an Sport? Dann kannst du dich wie ich noch im RUC Club anmelden. Für 20 Euro im Semester kannst du damit das eigene Fitnessstudio der Uni nutzen. Allerdings hat dies nur unter der Woche zu bestimmten Zeiten auf (immer nur nachmittags bzw. abends und täglich leider auch nur zwei Stunden), sodass du es schon gut planen musst, wann du hingehen möchtest. Außerdem ist es montagabends beispielsweise sehr voll, sodass du immer lange warten musst, um an ein Gerät zu können. Das Schöne ist aber, dass du irgendwann die Leute kennst. Ich glaube, dass ich so langsam in der französischen „Gym-Clique“ akzeptiert werde: Ich werde mit Handschlag begrüßt und durfte neulich die Musik auswählen. Hat aber auch zwei Monate gedauert! Dafür gehört der tägliche Gym-Besuch nun definitiv zu den Highlights meiner Sportkarriere hier auf La Réunion.

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