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Warum ich fast nicht in Washington D.C. angekommen wäre

Warum ich fast nicht in Washington D.C. angekommen wäre

Die Zusage ist da. Das Visum ausgestellt. Der Flug gebucht. Der Koffer gepackt und Verabschiedungen ausgesprochen. Dennoch wäre aus meinen Auslandsabenteuer Amerika fast nichts geworden.

Einmal USA

Problem Nr. 1

Unterkunft: 7 Tage vor Abflug und noch immer obdachlos

Da ich nur für ein Semester bleibe und dieses nur 4,5 Monate dauert, habe ich mich auch für das günstigste Zimmer in den Wohnheimen auf dem Campus beworben. Für ein Dreibettzimmer mit Dusche und Toilette auf dem Gang wird schon eine enorme Summe von 4089 Dollar verlangt, das entspricht 3638 Euro. Zum Glück studiere ich nicht im Bachelor, darf somit selber kochen und muss mir nicht zusätzlich einen Meal Plan zu legen.

Somit dachte ich, es wäre für die 4,5 Monate überschaubar. Für gewöhnlich leben Masterstudierende nicht mehr auf dem Campus und auch für Internationals werden keine Zimmer freigehalten. Von der Dame aus dem International Office in Amerika bekam ich nicht viel Hilfe und auch keine Antwort, wo denn für gewöhnlich die Austauschstudierenden leben – sieben Tage vor Abflug und noch immer obdachlos. Mein Glück: Ich hatte an der der KU Eichstätt eine Stelle als studentische Hilfskraft, und betreute in dem Rahmen eine Gruppe Studierender von meiner Partneruni in den USA. Ihnen klagte ich mein Leid, noch immer keine Unterkunft zu haben.

Einer aus der Gruppe, Erik, hat Freunde, die in der Nähe der Catholic University of America leben. Er stellte Kontakt zwischen uns her und wir verabredeten uns zu einem ein Skype-Gespräch. Das war wenige Tage vor dem Abflug. Am gleichen Abend bekam ich die Zusage für einen Wohnheimplatz auf dem Uni-Campus. Allerdings wurde mir ein Einzelzimmer für 4697 Dollar, umgerechnet 4178 Euro, zugewiesen. Das wären ca. 1044 Euro im Monat, nur für ein Zimmer mit gemeinsamen Bad und Küche, ohne Essen! Die Zimmer sind nur mit dem Nötigsten ausgestattet. Bettwäsche, aber auch Kissen und Bettdecke, Handtücher, Töpfe, Geschirr etc. müssen mitgebracht werden. Die meisten Internationals kaufen alles vor Ort, das bedeutet aber nochmals enorme Ausgaben.

Somit war ich sehr froh, dass mir Eriks Freunde Maria und Abe ihr freies Zimmer anboten, mit allem, was man so braucht. Ich zahle jetzt 700 Dollar (ca. 623 Euro) im Monat. Drei Tage vor Abflug war dann endlich alles geklärt.

Ich wohne jetzt in einem schönen Einzelzimmer, kann zu Fuß zur Uni laufen und wurde sogar vom Flughafen abgeholt. Auch die Metro-Station ist nicht weit, wenn ich mal ins Stadtzentrum fahren möchte – ich hatte kurz vor knapp großes Glück.

My new Room

Problem Nr. 2

Kanada

Mein gebuchter Flug ging vom Frankfurt International Airport  nach Toronto. Nach 2,5 Stunden Aufenthalt sollte es von da zum Ronald Reagan Airport in Washington D.C. weitergehen. Ich wurde bereist vorgewarnt, dass auch für den kanadischen Transitbereich ein Visum benötigt wird. Auf der offiziellen Webseite der Kanadischen Regierung fand ich die Information, dass ein gültiges Visum für die USA auch für die Einreise nach Kanada reiche und ein zusätzliches kanadisches Visum nicht notwendig sei.

Mit dieser Auskunft fand ich mich am Check-In-Schalter in Frankfurt ein, wo bereits sehr viele Leute standen. Nach 45-minütiger Wartezeit erklärte mir die Dame am Check-In, dass sie mich ohne ein kanadisches Visum nicht einchecken wird. Panik bei mir und wütende Blicke von meinem Vater, der mich zum Flughafen begleitet hatte, folgten. Glück im Unglück: Man kann das Kanadische eTa-Visum sofort online (wird meistens direkt verschickt, kann aber auch ein paar Tage dauern) beantragen oder an einem anderen Schalter vor Ort ausgestellt bekommen. Somit rannte ich einmal durch den Frankfurter Flughafen. Vor Ort kostet das Visum 60 Euro, online wohl nur 7 kanadische Dollar. Während des Visum-Antrags konnte ich Sachen aus meinen Koffer ins Handgepäck verlagern, denn ich hatte auch noch Übergepäck. Danach noch einmal zurückrennen, vordrängeln und einchecken, dann ab durch die Kontrollen und auf die Minute genau am Gate ankommen – nur um festzustellen, dass der Flug eine Stunde Verspätung hatte.

Problem Nr. 3

Transit durch Kanada und Einreise in die USA

Erst beim Einchecken in Deutschland wurde mir gesagt, dass ich meinen Koffer in Toronto in Empfang nehmen, ihn auschecken, damit die Terminals wechseln und ihn erneut einchecken müsse. Am Flughafen in Toronto muss man zum anderen Terminal die Bahn nehmen, was zwar recht schnell geht, aber schlecht ausgeschildert ist. Beim Check-In stand kaum jemand an, somit war die Stunde Verspätung, die ich bereits hatte, kein Problem. Der Bereich des Security-Check war genauso leer und es ging super schnell voran. Dann kam aber die Passkontrolle. Froh, den letzten Schritt vor meiner Ankunft angetreten zu haben, schritt ich zum Grenzbeamten und reichte ihm meinen Pass mit meinem Visum. Nach dem Einscannen meiner beiden Hände wurde ich nach dem DS-160 Formular gefragt. Nach ewigem Wühlen in meiner Tasche und mehrmaligem Durchsuchen meiner ganzen Dokumente stellte ich fest, dass ich den Zettel nicht dabei hatte. Der Grenzbeamte durchsuchte ebenfalls mein Dokumente, schaute mich an und sagte: „I don’t think you will be able to enter the U.S. today“: 21 Uhr abends in einem fremden Land und womöglich keine Weiterreise.

Ich musste dem Grenzbeamten folgen und wurde von einem anderen Beamten nochmals befragt. Ich reichte ihm alle Unterlagen, die ich hatte: Die Zusage für den Platz an der CUA, das Handbuch für neue Studierende, das Handbuch für Internationals etc. Scheinbar wirkte ich glaubwürdig und durfte auch ohne die DS-160 Form das Büro verlassen, um für meinen Flug von Toronto nach Washington D.C. zu boarden. Jedoch wurde ein Vermerk in meine Online-Akte eingetragen und ich musste eine neue DS-160 Form beim International Office der amerikanischen Uni abholen.

Auf den Schock erstmal eine Stärkung

Willkommen in den USA

Ein paar Stunden später, nach insgesamt über 24 Stunden Reise, bin ich erschöpft und glücklich in meinem neuen Heim angekommen.

Kommentare
  1. Gerd

    10. September 2019

    Am Ende alles gut. So wie ich es dir gewünscht habe

    1. Natalie Wagenbach

      10. September 2019

      Dankeschön 🙂 zum Glück alles Gut gegangen

  2. Lars Gerick

    29. August 2019

    🤷‍♂️Ist ja haarsträubend…

    1. Natalie Wagenbach

      10. September 2019

      Ende gut alles gut 🙂 bzw. muss ja noch zurück nach Deutschland kommen

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