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Von Bonn bis nach San Jose!

Von Bonn bis nach San Jose!

Ein Auslandssemester ist ohnehin schon eine große Sache – und dann auch noch auf einem ganz anderen Kontinent? In Costa Rica? Wieso ich mich dafür entschieden habe, nach San Jose zu gehen, wie mein Weg dahin war, wieso das auch etwas für dich sein könnte und wie genau du es anstellst, erfährst du hier.

Das Abenteuer Auslandssemester in Costa Rica hat bei mir jetzt wirklich begonnen, ich kann es selbst noch kaum glauben! Ich möchte die Gelegenheit nutzen und von der Zeit davor berichten, damit du eine Ahnung davon bekommen kannst, was da so auf dich zukommen könnte. Die Planung so eines Auslandssemesters kann bei jedem*r anders aussehen. Bei mir dauerte es tatsächlich nur ungefähr ein Jahr von der Planung bis zum Abflugtermin. Viele Dinge musst du trotzdem schon früh im Kopf haben, auch wenn die tatsächliche Deadline erst später ansteht. Nimm daher die Zeitangaben in den Überschriften nur als ungefähre Anhaltspunkte davon, wann ich, was gemacht habe.

Carla steht mit Regenjacke und Trekkingrucksack in einem nebligen Wald
Das Abenteuer Auslandssemester wartet auch auf dich!

Mindestens ein Jahr vorher: Wo soll es hingehen?

Als Geographin nicht ins Ausland gehen? Das kam für mich nicht in Frage. Nachdem ich mich grundsätzlich dafür entschieden hatte, auf jeden Fall im Laufe meines Bachelors ein Auslandssemester zu machen, war ich mir lange Zeit nicht sicher, wo genau ich eigentlich hin möchte. Mir schwirrte der Kopf von den vielen Möglichkeiten! Eines aber war mir klar: Das Ganze soll eine Herausforderung für mich werden. Wichtig war mir, meine akademischen Interessen weiter zu verfeinern und neue Perspektiven auf meine Studieninhalte zu bekommen. Und das am liebsten natürlich in den regionalen Kontexten, die mich am meisten interessieren: (Süd-)Ostasien, Süd- oder Mittelamerika. Außerdem wollte ich eine neue (Welt-)Sprache lernen, am liebsten Spanisch. Aus verschiedensten Gründen verwarf ich Mexiko, Kolumbien, Thailand und den Süden der USA – zu teuer, zu unsicher oder ich konnte mir nicht vorstellen, wirklich für längere Zeit dort „normal“ zu leben. Dann brachte mich eine Freundin auf die Idee mit Costa Rica und traf damit bei mir ungeahnt ins Schwarze. Costa Rica zu besuchen, ist tatsächlich ein Kindheitstraum von mir. Als „nachhaltiges“ Land mit großen Bemühungen zur klimaneutralen Energieversorgung und zum sanften Tourismus ist es natürlich auch für mich als Geographin interessant.

Für die Uni Veritas entschied ich mich, da sie mir am besten das bot, was ich mir vorstellte: Kurse, die mein bisheriges Studium inhaltlich und methodisch ergänzen und auf Englisch stattfinden, sodass ich mein akademisches Niveau  halten konnte. Währenddessen würde ich im Alltag und mit einem Sprachkurs Spanisch lernen können. Einziger Nachteil: Es handelt sich um eine private Universität, also kommen Studiengebühren auf mich zu. Aber um deren Finanzierung kümmern wir uns gleich!

Meine Überlegungen lassen sich in den folgenden vier Fragen zusammenfassen:

Schon sehr früh habe habe ich mich an die Auslandskoordinatorin unseres Institutes gewandt. Das kann ich nur jedem ans Herz legen, egal, wie weit fortgeschritten deine Planungen schon sind. Die Leute helfen dir gerne weiter, dafür sind sie da! Vielleicht können sie dir jemanden vermitteln, der schon mal genau da war, wo du hin willst oder sie haben andere wertvolle Tipps für dich.

Solltest du dich jetzt für eine Ziel-Uni entschieden haben, die Teil des Erasmus-Programms oder eines Direktaustausches ist, ist der Rest dieses Blogeintrages nicht mehr so relevant für dich. Schaue dir stattdessen lieber die Blogs der anderen an, zum Beispiel von Marina (Erasmus+ in Irland) oder von Nina  (Direktaustausch nach Seoul).

Aha, du willst aber auch lieber komplett dein eigenes Ding machen und Freemover werden? Dann bist du hier genau richtig. Viele der Infos in diesem Beitrag beziehen sich zwar explizit auf Costa Rica, manche Tipps sind aber universell gültig. Los geht’s!

Zwischen einem und einem halben Jahr vorher: Bewerbung

Jetzt weißt du im besten Fall, an welche Uni du willst, aber will die Uni dich auch? Zeit, sich zu bewerben. Genau so, wie du es auch schon bei den Unis in Deutschland gemacht hast. Der Umfang der Bewerbung kann sehr unterschiedlich sein, bei der Universidad Veritas hielt er sich in Grenzen. Wichtig waren vor allem Formalia, wie Notendurchschnitte und persönliche Daten. Außerdem musste ich eine Bewerbungsgebühr zahlen. Das ist bei außereuropäischen Unis durchaus mal der Fall. Anderswo kann das aber ganz anders sein, mit größerem Fokus auf Motivationsschreiben und eventuell sogar Bewerbungsgesprächen. Je nachdem, wie „berüchtigt“ das Bewerbungsverfahren deiner Wunsch-Uni ist, solltest du dir schon einen Plan B oder C bereit gelegt haben. Wichtig: Fristen im Blick haben! Die können teilweise sehr, sehr früh sein!

Mindestens (!!!) ein halbes Jahr vorher: Finanzierungsmöglichkeiten auschecken und darauf bewerben

So ein Auslandssemester will erstmal bezahlt werden: Flüge, Studiengebühren, Wohnung, Essen und auch noch ein bisschen Spaß. Das läppert sich schnell. Ich recherchierte also: Wie viel kosten Flüge nach Mittelamerika eigentlich? Welche Möglichkeiten gibt es, dort zu wohnen? Wie teuer sind Supermärkte? Möchte ich an den Wochenenden vielleicht Ausflüge unternehmen (ja, natürlich möchte ich das!) und wie viel muss man da so kalkulieren? Ich sprach mit Leuten, die schonmal da gewesen sind und konsultierte Travel-Blogs.

Das alles zusammen ergab eine schlaue Excel-Datei, die ich auch noch mit dem fütterte, was meine Eltern und ich so aufbringen können würden. Die Differenz dazwischen wollte aber natürlich auch noch irgendwie bezahlt werden und hier kam Promos ins Spiel.

PROMOS  ist ein Stipendium vom DAAD, das explizit dafür gedacht ist, die „Auslandsmobilität von Studierenden zu steigern“, sprich, dir da Förderungsmöglichkeiten zu bieten, wo bis jetzt noch keine sind. Das heißt, dass du völlig ungebunden von Erasmus- oder Direktaustauschkooperationen bist, dich dafür aber auch um alles selbst kümmern musst. Für die Bewerbung gibt es keine besonderen Vorraussetzungen. Gute bis sehr gute Noten, ehrenamtliches Engagement und eine stichhaltige Begründung für die Wahl deiner Wunsch-Uni helfen aber sicherlich. Dafür bekommst du finanzielle Förderung für die Mobilität (Flüge) sowie eine monatliche Stipendienrate, die sich nach dem Zielland richtet. Außerdem kannst du bis zu 25 Prozent der Studiengebühren gefördert bekommen. Infos hierzu bekommst du bei deiner Heimatuni, denn PROMOS wird dezentral nach Uni vergeben.

Bei mir passte das alles ganz gut, denn ich konnte aufgrund meiner mehrjährigen Mitgliedschaft in der Geographie-Fachschaft den Punkt Engagement gut abhaken und holte mir Unterstützung beim Erstellen meiner Bewerbungsunterlagen. Das kann ich nur empfehlen: Wenn du jemanden kennst, der*die gut in sowas ist, frag einfach mal nach Tipps!

Außerdem habe ich mich um AuslandsBAföG beworben. Du glaubst, die Bewerbung bei PROMOS ist aufwendig? Hah. Ich will gar nicht wissen, wie viel Lebenszeit in diesem BAföG-Antrag steckt… Obwohl ich sogar einen Online-Dienstleister in Anspruch genommen habe, der einem beim Ausfüllen der Unterlagen hilft und ausrechnet, wie viel einem zustehen könnte, hat das Ganze echt ewig gedauert. Nachdem ich also wochenlang nervenaufreibend ungefähr alle Bestätigungen und Bescheinigungen dieser Welt zusammensuchte, stand leider in meinem BAföG-Bescheid eine dicke Null. Na toll. Trotz dieser Erfahrung würde ich dennoch allen raten, es wenigstens zu versuchen!

Wo du aufpassen solltest: Für manche Bewerbungen brauchst du zum Beispiel Bescheinigungen über deine Auslandskrankenversicherung. Es lohnt sich also, sich so langsam auch um diese zu kümmern. Auch eine Liste der Kurse, die du belegen möchtest, kann gefragt sein. Meist ist es kein Problem, wenn du einzelne Nachweise nachreichst, aber frag vorher lieber nach.

Zum Thema Finanzierung meines Auslandssemesters kommt demnächst noch ein viel detaillierterer Post, in dem ich genau aufschlüssele, was mein Budget ist und wie viel ich wofür ausgebe. Das macht aber erst nach einer gewissen Zeit vor Ort Sinn, also: Stay tuned!

Mindestens ein halbes Jahr vorher: Visum

Um nach Costa Rica einzureisen, hast du als deutsche*r Staatsangehörige*r zwei Möglichkeiten: Studentenvisum oder Touristenvisum. Ersteres bedeutet sehr viel Aufwand (zeitlich, organisatorisch und finanziell), wird aber von der UCR verlangt (laut den Informationen einer Freundin, die dort studiert). Zweiteres bedeutet, dass du mit einem sogenannten Visa on Arrival einreist, das allen Deutschen ermöglicht, 90 Tage im Land zu bleiben. Da die meisten Semester länger gehen, müsstest du in dem Falle einmal aus- und wieder einreisen, wobei die Universidad Veritas dafür sogar beim Organisieren hilft. Überleg dir vorher gut, was sich für dich lohnt.

Fünf Monate vorher: Flüge buchen

Ich hasse es, Flüge zu buchen. So, jetzt ist es raus. Es gibt für mich nichts nervigeres, als stundenlang Preisvergleichsseiten zu vergleichen und am Ende das Gefühl zu haben, dass es eh jedes Mal teurer wird. Trotzdem: Was sein musste, musste sein und ich habe recht früh angefangen, potenzielle Flugdaten rauszusuchen. Letzten Endes habe ich die Buchung allerdings über ein Reisebüro vornehmen lassen, weil ich das immer beruhigender finde, als bei einem beliebigen Reise-24-Internetanbieter mehrere Hundert Euro zu lassen. Ich habe mich außerdem für den, von der Lufthansa angebotenen, Direktflug zwischen Frankfurt und San Jose entschieden. Da würde ich im Nachhinein allerdings eher einen Flug mit Zwischenstopp wählen. Das lohnt sich nicht nur finanziell, sondern deine Beine werden es dir auch danken, wenn sie sich nicht zwölf Stunden in einem Economy-Sitz verkeilen müssen. Bei Flügen mit Zwischenstopp in den USA und in Kanada muss man deren Einreisebestimmungen aber auch nochmal beachten, die können sehr streng sein.

Vier Monate vorher: Gesundheitlich alles paletti?

Dank Corona hat der Impfpass ein Image-Upgrade bekommen. Für Auslandsreisen ins außereuropäische Ausland ist er aber auch aus anderen Gründen wichtig. Je nachdem, wo genau du wie lange hinfährst, brauchst du zum Beispiel bestimmte Tropenimpfungen – bei mir war es unter anderem Typhus. Das frühzeitig abgeklärt zu haben, war sehr wichtig, denn manche Impfstoffe sind nicht immer sofort vorrätig, andere brauchen eine gewisse Zeit, um zu wirken oder sehr langen zeitlichen Abstand zu anderen Impfungen. Lass dich auf jeden Fall entweder von deinem Hausarzt/ deiner Hausärztin oder der reisemedizinischen Abteilung deiner Uni zum Thema Reiseimpfungen beraten. Falls dir da noch etwas fehlt, kann das länger dauern, als du denkst.

Auch wichtig, weil sie dir im Zweifelsfall deinen kompletten Aufenthalt gründlich versauen können: Deine Zähne. Geh früh genug zum Zahnarzt und sag ihm/ ihr Bescheid, dass du für längere Zeit weg sein wirst. Klärt gemeinsam ab, ob noch wichtige Behandlungen anstehen. Du möchtest nicht wie ich deine letzten Wochen zum Teil beim Zahnarzt verbringen und noch einen Tag vor der Abreise eine Wurzelbehandlung bekommen müssen, glaub mir.

Solltest du weitere gesundheitliche Dinge zu beachten haben, kläre den Umgang damit im Ausland lieber früher als später ab, eventuell auch mit deiner neuen Uni.

Noch eine spezielle Sache für Frauen wie mich, die mit einer (Kupfer-)spirale oder etwas ähnlichem verhüten: Lass dir von deiner Frauenärztin einen Zettel geben, auf dem genau draufsteht, welches Modell du hast. Diese Info kann im Zweifelsfall sehr wichtig sein.

Drei Monate vorher: Unterkunft vor Ort organisieren und eventuelle Verträge zu Hause kündigen oder pausieren

Ich wollte auf keinen Fall in die Situation kommen, am Flughafen anzukommen und nicht zu wissen, wohin nun muss. Daher kümmerte ich mich frühzeitig um eine (vorläufige) Unterkunft. Ich wollte unbedingt mit Menschen in meinem Alter zusammenwohnen, hatte aber aus Deutschland keine Möglichkeit, ein WG-Zimmer zu bekommen (Wenn da jemand Tipps hat, ab in die Kommentare damit!). Daher entschied ich mich auf Empfehlung einer Freundin für einen Co-Living-Space, mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass ich ja immer noch die Möglichkeit habe, in eine WG zu „wechseln“, wenn sich die Möglichkeit bietet. Aber so habe ich erstmal einen Ankerpunkt, von dem aus ich in Ruhe weiterschauen kann.

Eine weitere beliebte Möglichkeit, die die Uni Veritas stark bewirbt, ist das Gastfamilienprogramm. Dort kann man bei einer einheimischen Familie wohnen und bekommt zwei Mahlzeiten am Tag. Das kann sicherlich eine tolle Erfahrung sein, wenn man der Typ für sowas ist. Ich selbst konnte mir das allerdings nicht für mich vorstellen. Studentenwohnheime gibt es in San Jose keine, soweit ich weiß.

Außerdem schaute ich zu dem Zeitpunkt, welche Verträge ich zu Hause pausieren oder kündigen kann: Das Fitnessstudio, den Handyvertrag und ähnliches brauche ich im Ausland nicht, also kann ich da gut Geld sparen.

Zwei Monate vorher: Untermiete organisieren

Wenn du keine Lust hast, deine 300, 400, 500 € Miete im Monat parallel weiter zu zahlen, solltest du dich auch um eine Untervermietung deines WG-Zimmers kümmern. Bis man da jemand gefunden hat, kann es dauern: Meine Untermieterin haben wir erst ungefähr einen Monat vor Abflug gefunden. Das liegt häufig daran, dass viele eine Zwischenmiete suchen, wenn sie für ein Praktikum in einer anderen Stadt sind, die Praktikumszusagen aber manchmal sehr kurzfristig verteilt werden.

Einen Monat vorher: Packen, Verabschieden und alles nochmal kontrollieren

Schon über einen Monat vor Abreise hatte ich die ersten „Abschieds-„treffen, einfach weil das sonst alles nicht gepasst hätte. Alle Freund*innen nochmal zu sehen, ist ein schönes Ziel, klappt aber leider nicht immer. Aber es gibt ja heutzutage zum Glück Skype und Zoom, also kann man natürlich auch im Ausland in Kontakt bleiben.

Dann kam der große Spaß: packen! Nicht nur die Koffer müssen abreisebereit gemacht werden, sondern auch das Zimmer will entsprechend leergeräumt werden. Dazu gibt es leider keine wirklichen Hacks, aber meine liebste Strategie ist: Lieblingsmusik an, Timer auf 25 Minuten stellen, in denen so viel einpacken wie man hinbekommt, dann 5 Minuten Pause und das Ganze so lange, bis man keine Lust mehr hat.

Auch sinnvoll ist es definitiv, schon ein paar Wochen vorher anzufangen, die Sachen, die man mitnehmen möchte, zur Seite zu legen. Eine Packliste durfte bei mir natürlich auch nicht fehlen, damit ich auch ja nichts vergesse.

Ganz wichtig: Eine Woche vor Abflug solltest du nochmal alle wichtigen Dokumente kontrollieren, erneut die Einreisebestimmungen checken und eventuell benötigte Dokumente ausdrucken, sowie wichtige persönliche Ausweisdokumente (Pass, Impfpass, Kreditkarte…) abfotografieren oder einscannen, sodass du sie im Falle des Falles zumindest noch in digitaler Form dabei hast.

Hast du noch weitere Tipps, andere Erfahrungen oder Fragen zum Thema? Schreib gerne einen Kommentar! Ansonsten freue ich mich, wenn du mich weiterhin hier, auf Instagram und Twitter begleitest!

 

 

 

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