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Wohnheimleben in Slowenien – die Nachteile

Wohnheimleben in Slowenien – die Nachteile

Die linke Seite eines 15m2 Zimmers als Eigenheim für die nächsten drei Monate? So fühlt es sich an, aufgrund von Faulheit und Bequemlichkeit im Studentenwohnheim der University of Ljubljana unterzukommen.

Wer sich über das Online-Bewerbungsformular an der University of Ljubljana bewirbt, kann zusätzlich noch angeben, ob er/sie ein Zimmer im Wohnheim in Anspruch nehmen möchte. Genau das habe ich aus Bequemlichkeit getan. Mit nur einem Klick hatte sich die Unterkunftssuche für mich erledigt. Welche Vor- und Nachteile aus dieser schnellen Entscheidung resultierten, möchte ich Dir im Bezug auf das Leben im Wohnheim schildern. In meinem vorherigen Post habe ich bereits die positiven Aspekte beschrieben, hier folgen die Nachteile des Wohnheimlebens.

Meine persönlichen Flops

Hygiene

Ich erinnere mich sehr gut an meine Reaktion, als ich das erste Mal das Zimmer betrat. Staub, eine tote Spinne und ganz viel Müll. Bedauerlicherweise hatte die vorherige Bewohnerin das Zimmer nicht gereinigt. Schnell habe ich festgestellt, dass das keine Ausnahmesituation war. Das Leben im Wohnheim erfordert eine sehr große Schmerzensgrenze, wenn es um das Thema Hygiene geht. Nicht alle Bewohner*innen haben das gleiche Verständnis von Sauberkeit. So kann es sein, dass du die einzige bist, die das Bedürfnis hat, das Bad zweimal die Woche zu putzen. Daher empfehle ich dir entweder einen Putzplan einzuführen oder aber die dich an die Bedürfnisse deiner Mitbewohner*innen anzupassen.

Lärm

150 Studierende in einem Gebäude? Das sorgt für viel Krach. Obwohl ich das „ruhigere“ Wohnheim für meinen Aufenthalt in Slowenien gewählt habe, muss ich mich dennoch an den konstanten Geräuschepegel gewöhnen. Hier mal eine kleine Auflistung über die potentiellen Lärmerzeuger:

  • Gemeinsames Kochen der Nachbarn bis spät in die Nacht: Kochen, das ist doch nicht laut! Da liegst du falsch. Wenn hier gekocht wird, muss die Eingangstour offen stehen, weil es in der Küche keine Fenster gibt. Außerdem kochen immer 5-10 Leute zusammen, was bedeutet, dass aktiv nur wenige mit dem Kochen beschäftigt sind. Während zwei kochen, sorgen die anderen für Entertainment in Form von Musik, Witzen oder Brettspielen. Diese ganze Prozedur des gemeinsamen Kochens und Essens zieht sich dann bis spät in die Nacht.
  • Vögelgezwitscher und Bauarbeiten: Es ist quasi unmöglich, absolute Ruhe zu finden. Sobald das Fenster zum Lüften geöffnet wird, geht es los. Glückliche Vögel, genervte Bauarbeiter*innen, Sportaktivitäten uvm.
  • Party, Party und viel mehr Party: Parties gibt es jeden Tag. Angefangen von Karaoke bis hin zu Beerpong ist das Partyprogramm unendlich. Demnach sind die Nächte sehr lang und vor allem sehr laut.

Ausstattung

„Simpel, alt und minimalistisch“ das sind die perfekten drei Worte, um die Ausstattung in den Wohnheimen zu beschreiben. Die Zimmer sind sehr minimalistisch eingerichtet. Pro Bewohner*in befindet sich ein Bett, eine Kleiderschrankhälfte und ein Schreibtisch im Zimmer. Die Wände sind weiß und kahl. Um etwas Leben in die Zimmer zu bringen, habe ich bspw. Fotos und Erinnerungen aufgehangen. Außerdem sind die Möbel uralt (teilweise stinkig). Darüberhinaus funktionieren die Waschmaschinen nicht so gut, was bedeutet, dass entweder die Tür nicht aufgeht oder die Wäsche nicht gewaschen wird.

WLAN

Wenn am Abend alle versuchen, über das WLAN Serien zu schauen, kann es sein, dass dein Internet plötzlich nicht mehr funktioniert. Dieser Zustand kann sich über Stunden und Tage ziehen. Das erschwert das Lernen in den Wohnheimen.

Platzmangel

Abgesehen von der minimalistischen und alten Ausstattung der Zimmer kommt noch hinzu, dass jeder Platz genutzt wurde, damit zwei Personen auf 15qm^2 wohnen können. Wenn ich beim Schlafen meinen Arm in Richtung des Bettes meiner Mitbewohnerin ausstrecken würde, könnte ich sie berühren. Unsere Koffer liegen auf dem Schrank und die Schuhe hinter der Tür, was dazu führt, dass die Koffer beim Öffnen des Schrankes auf uns fallen und die Tür sich nicht vollständig öffnen lässt.

Privatsphäre

Kommen wir zum größten Nachteil. Seit Februar habe ich keine Privatsphäre. Alleine sein? Das gibt es nicht. Ich verbringe 24/7 mit meiner Mitbewohnerin. Ich schlafe mit ihr ein, wache am nächsten Tag mit ihr auf. Wenn ich mal traurig bin, bekommen es alle mit. Telefoniere ich mit meiner Familie im Zimmer, hören es noch die Nachbarn, weil die Wände nicht schalldicht sind. Wenn ich Freunde einlade, sind noch mindestens drei andere beteiligt. Im Wohnheim bist du niemals allein.

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