studieren weltweit
Papierkram und Fristenstress: Bewerbung an der Traumuni

Papierkram und Fristenstress: Bewerbung an der Traumuni

Ihr sitzt Zuhause und habt die Entscheidung getroffen, dass es euch für euren Bachelor oder Master in die Niederlande gehen soll? Aber wie kommt ihr denn überhaupt an eure Traumuni? Wie läuft so eine Bewerbung in unserem Nachbarland eigentlich ab? Hier eine kleine Orientierungshilfe!

Zugegeben: Ich habe absolut keine Ahnung, wie man sich an einer Uni in Deutschland bewirbt. Das habe ich schließlich nie gemacht, der Bachelor in Groningen ist mein erster Schritt ins Unileben. Folglich kann ich euch auch die Unterschiede bei den Bewerbungsverfahren zwischen Deutschland und den Niederlanden nicht aufzählen. Aber einen kleinen Leitfaden zum Thema geben, das kann ich schon. Aufgepasst: Dieser Beitrag beschäftigt sich hauptsächlich mit den zulassungsbeschränkten Programmen.

Bewerbung nur mit 1,0?

Ihr wollt Psychologie studieren? Oder Medizin? Oder wie ich, internationale Beziehungen? In Deutschland steht euch da in den meisten Fällen ein ziemlich hoher Numerus clausus im Weg. Blöd, aber gut, dass man den in den Niederlanden umgehen kann. Also nicht ganz. Denn auch hier sind diese sehr beliebten Studiengänge zulassungsbeschränkt. Aber anders als zu Hause sehen sich die niederländischen Universitäten nicht nur euren Notendurchschnitt an. Meine Universität, die University of Groningen (RUG), sowie meine Fachschaft zum Beispiel, achtet bei den Bewerbern auch auf andere Kriterien. Darunter zählen kognitive Fähigkeiten, was euren Notendurchschnitt, eure Englischkenntnisse und eure Lese-, Schreibe- und Argumentationsleistungen beinhaltet. Um diese beurteilen zu können, müsst ihr unter anderem ein Motivationsschreiben abgeben, aber auch Aufgaben zu einem wissenschaftlichen Text bearbeiten. Einen Aufsatz schreiben, ein bisschen wie in der Schule halt. Das Motivationsschreiben wird dann auch noch mal einzeln bewertet. Die RUG sieht nach eigenen Angaben vor, nur die motiviertesten Studenten für das International Relations and International Organization Programm  (IRIO) auszuwählen. Es macht also Sinn, wenn ihr ein wenig Zeit und Arbeit in eurer Motivationsschreiben steckt.

Von Uni zu Uni unterschiedlich ist es, ob ihr einen Englischtest vorweisen müsst. Bei manchen Universitäten reicht der Nachweis des deutschen Abiturs, bei anderen erwartet euch ein Test. Ihr könnt da meistens zwischen dem Ielts-Test, dem Toefl-Test und dem Cambridge-Zertifikat wählen. Ich habe damals den Ielts-Test abgelegt. Zentren, um diese Sprachnachweise abzulegen, gibt es in den meisten größeren Städten überall auf der Welt.

Die Sache mit den Fristen

Um sich an einer niederländischen Universität bewerben zu können, muss man sich zuerst einen Account bei Studielink anlegen. Das ist ein allgemeines Portal, in dem man später seine Dokumente wie etwa Lebensläufe hochladen kann. Zu beachten ist, dass die niederländischen Bewerbungsfristen sehr früh angesetzt sind. Das Bewerbungsportal wird am 1. Oktober des Vorjahres geöffnet. Zumindest war das dieses Jahr bei der RUG so. Die Möglichkeit zur Bewerbung endet am 15. Januar bei Studienbeginn am 1. September desselben Jahres. Nicht zulassungsbeschränkte Studiengänge haben andere Fristen.

Das Bewerbungsverfahren

Der Aufsatz und das Motivationsschreiben müssen an der RUG bis Januar abgegeben sein. Es empfiehlt sich, das aber schon vor dem 15. Dezember zu tun. Das Auswahlkomitee benötigt nämlich etwa vier Wochen, um zu checken, ob ihr alle benötigten Dokumente vollständig eingesendet habt. Müsst ihr etwas nachreichen und bekommt diese Information erst nach dem 15. Januar, ist eure Bewerbung hinfällig. Ich hatte mich auch bei der Leiden University auf einen Studienplatz beworben. An dieser müsst ihr keine Aufsätze oder Motivationsschreiben einreichen. Hier könnt ihr im Februar (zumindest in der vergangenen Bewerberrunde) für etwa zwei Wochen auf verschiedene Dokumente zugreifen, die es zu lernen gilt. Am Ende müsst ihr dann online einen Test darüber ablegen.

Wie ihr seht, ist das Auswahlverfahren an jeder niederländischen Universität und auch für jeden Studiengang unterschiedlich. Es heißt also, dass ihr euch am besten früh im Voraus selber informiert. Die Unis bieten Tage der offenen Tür an, deren Besuch ich nur empfehlen kann.

Und dann?

Nach dem 15. Januar nehmen sich die Universitäten bis zum 15. April Zeit, die Bewerbungen zu sichten. Danach bekommt jeder eine individuelle Rankingnummer zugewiesen. In Groningen war das so, dass alle mit einer Nummer zwischen 1 und 260 in das Programm aufgenommen wurde. Danach hat man zwei Wochen Zeit, um seinen Platz zu bestätigen. Oft kann man auch mit einer höheren Rankingnummer noch nachrutschen. Das passiert zum Beispiel, wenn ein Platz abgelehnt wird oder ein Bewerber im Nachhinein die Auswahlkriterien nicht erfüllt. Man muss dann bis zum Sommer nämlich noch sein Abschlusszeugnis beglaubigt einschicken und die Studiengebühren zahlen, erst dann ist man vollständig eingeschrieben. Die Studiengebühren belaufen sich auf 2.143 Euro, die im ersten Studienjahr halbiert werden. Auch wenn man sein Zeugnis erst nach der von der Uni gegebenen Frist erhält, kann man aber eine persönliche Verschiebung der Frist beantragen.

Ich hoffe, dass der Artikel einigen von euch dabei helfen kann, Licht ins Dunkel über das Bewerbungsverfahren an einer niederländischen Uni zu bringen.

Ihr sucht gerade nach der perfekten Uni für euren Erasmus-Aufenthalt? Dann schaut doch mal bei Benjamin vorbei. Der hat sich in seinem Blogbeitrag damit beschäftigt, wie man seine perfekte Traumuni für das Auslandssemester findet!

Kommentieren

Bitte beachte, dass dein Kommentar nach dem Absenden erst von unserer Redaktion gesichtet werden muss. Aus diesem Grund kann das Erscheinen deines Kommentars etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Mehr über #Vorbereitung

Infos, Erlebnisse und Tipps zum Orgakram für deinen Auslandsaufenthalt