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Mehr als Finsternis: Rückblick auf 6 Monate Lappland

Mehr als Finsternis: Rückblick auf 6 Monate Lappland

Vor meinem Umzug nach Rovaniemi wurde ich oft gefragt, ob ich keine Angst vor der Dunkelheit habe. Die Frage, warum ich trotz des langen Winters nach Lappland gezogen bin, habe ich hier bereits beantwortet. Meine Mission war es, herauszufinden, ob Lappland mehr als „nur Finsternis“ zu bieten hat.

Die schnelle Antwort auf diese Frage: JA! Natürlich waren insbesondere die letzten zwei Monate von Dunkelheit und Kälte geprägt. Doch das war (und ist) eine spannende Erfahrung, die ich nicht missen möchte! Im dunklen Dezember habe ich gelernt, wie kostbar und wunderschön Tageslicht ist. Und wenn das Wetter es zulässt, erhellen Nordlichter den dunklen Nachthimmel.

Außerdem sollte man nicht vergessen, dass die Sommer in Lappland sehr hell sind. Als ich Anfang August angekommen bin, waren die Nächte so hell, dass ich ohne Gardinen kaum schlafen konnte. Ich habe festgestellt: Die Jahreszeiten sind hier von Extremen geprägt.

6 Monate Lappland in Bildern:

Winter- und Sommerwunderland

Der Winter in Lappland hat mich in vielerlei Hinsicht fasziniert. Bereits im Oktober hatten wir einen „Mini-Winter, der uns auf die kommenden schneereichen Monate einstimmte. Ich habe die verschneiten Landschaften genossen, war Skifahren und Schneeschuhwandern und habe mich gemeinsam mit meinen Freunden mit Glögi (Glühwein, der alkoholfrei oder mit Alkohol getrunken wird) aufgewärmt. Wer Winter wie im Bilderbuch erleben möchte, kommt hier auf jeden Fall auf seine Kosten.

Doch auch im Sommer und Herbst habe ich die Natur Lapplands genossen. Die Lagerfeuer im Sonnenuntergang haben mich besonders beeindruckt. Mit der richtigen Outdoor-Kleidung kann man auch bei Regenwetter die weiten Wälder und ihre Ruhe genießen.

Auslandsstudium: Auch in Corona-Zeiten eine bereichernde Erfahrung

Mein Masterstudium hier unterscheidet sich in vielen Dingen von meinem Bachelorstudium in Deutschland. Besonders fällt mir der Fokus auf wissenschaftliches Arbeiten auf: verglichen zu meiner Fachhochschule in Berlin muss ich hier an der Universität sehr viel längere Hausarbeiten schreiben. Auch die Vorbereitung auf Vorlesungen ist sehr arbeitsintensiv, da wir oft wissenschaftliche Artikel von mindestens 20 Seiten lesen müssen. Hier kommt auch die sprachliche Herausforderung ins Spiel: Natürlich braucht das Lesen und Schreiben auf Englisch länger als auf Deutsch. Dafür habe ich aber in den letzten sechs Monaten viele neue Wörter gelernt und mein mündlicher und schriftlicher Ausdruck auf Englisch hat sich definitiv verbessert! Unterm Strich würde ich aber sagen, dass sich diese sprachliche Herausforderung lohnt. Schließlich lernt man eine Sprache für’s Leben, da nehme ich den geringen Mehraufwand im Studium gerne in Kauf.

Mein Studium war natürlich auch von der Coronapandemie beeinflusst. Obwohl die Situation bezüglich Infektionszahlen und Einschränkungen im Vergleich zu anderen Ländern entspannt war, hat sich die Pandemie in meinem Studienalltag bemerkbar gemacht: Bis auf zwei Kurse zu Beginn des Semesters waren alle Vorlesungen online. Es viel mir nicht leicht, mich bei Online-Vorlesungen zu konzentrieren. Meine einzige wirksame Maßnahme für Selbstdisziplin: Das Handy im Flugmodus in ein anderes Zimmer legen. Besonders herausfordernd waren aber die Gruppenarbeiten. Da ich viele Studierende nie persönlich getroffen habe, ist es schwierig, sich als Gruppe zu organisieren. Damit die Kommunikation nicht zu einseitig war, haben wir meistens sowohl über WhatsApp-Nachrichten als auch über Zoom-Meetings kommuniziert. Dadurch konnten wir sowohl kurze, spontane Fragen austauschen als auch längere Gruppentreffen organisieren. Auch Online-Präsentationen sind mir nicht leicht gefallen, da ich mir der Blickkontakt und die Interaktion mit dem Publikum immer sehr wichtig sind. Mir persönlich hat es geholfen, mir die Gesichter des Publikums vorzustellen – sofern ich die anderen Studierenden kannte.

Diese Herausforderungen wären im Onlinestudium in Deutschland allerdings sicherlich ähnlich gewesen.

Der Umzug nach Finnland hat sich für mich trotz der Pandemie mehr als gelohnt, da ich meine Kommilitoninnen und Dozentinnen persönlich kennenlernen und in die finnische Kultur eintauchen konnte.

Erinnerungen, die bleiben

Ich kann kaum in Worte fassen, wie dankbar ich für meine Zeit hier in Lappland bin. Trotz der Corona-Pandemie habe ich tolle Freundinnengefunden und viel erlebt. Ich habe viel über die finnische, aber auch über die deutsche Kultur gelernt. Manchmal muss man erst in einem anderen Land leben, um festzustellen, was „typisch deutsch“ ist. Zum Beispiel ist mir bewusst geworden, wie planungsfixiert und überorganisiert wir Deutschen sind – zumindest im Vergleich zu den Finnen. Die finnische Spontanität und Gelassenheit und ihre von Intuition und Konfliktvermeidung geprägte Entscheidungsfindung werde ich sicherlich auch in Deutschland noch in mir haben.

In den letzten Monaten konnte ich viel lernen – über Finnland, über die finnische Sprache und über mich selbst. Das schönste daran ist, dass ich weiß, dass diese Erfahrungen bleiben werden; dass nichts davon verloren gehen wird. Denn was ich hier erlebt habe, wird mich auch in Zukunft prägen.

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