30. November 2025
Was für manche vielleicht eine normale Zwischenstation in ihrem Studium ist, ist für mich ein großer Schritt: Ich gehe als Erstakademiker ins Ausland. Was meine Beweggründe für ein Auslandssemester sind und weshalb es mich nach Rennes, Frankreich gezogen hat, erzähle ich euch hier.
Ich komme aus einer „Arbeiterfamilie“. Studieren kam für die meisten in meinem Umfeld nicht infrage. „Geh arbeiten. Verdien Geld“, hieß es oft. Ein Auslandssemester? Ein Luxus den man sich nur schwer leisten konnte.
Lange gezögert
Das Thema Auslandssemester hat mich schon seit Beginn meines Bachelors interessiert. Die Idee, für einige Monate alleine im Ausland zu leben, zu studieren und dabei neue Perspektiven zu erleben hat mich fasziniert. Mittlerweile bin ich im Master. Dieses Auslandssemester ist meine erste längere Auslandserfahrung. Nicht weil ich nicht wollte, sondern weil ich nicht konnte. Die finanziellen Mittel fehlten mir und ehrlich gesagt auch der Mut.
Wenn niemand im eigenen Umfeld eine Auslandserfahrung gemacht hat, ist die Hürde größer. Wen soll man fragen und wer versteht die Zweifel?
Ihr überlegt auch ins Ausland zu gehen?
Eine erste Anlaufstelle um sich zu informieren kann das International Office eurer Hochschule sein.
Mut wächst mit Austausch
Ich kenne Menschen die bereits vor mir das Privileg hatten, eine Auslandserfahrung zu machen. Menschen die ich während meines Studiums kennengelernt habe, Freunde die den Schritt gewagt haben und meine Schwester. Ich bin somit der zweite aus meiner Familie der diese Möglichkeit hat. Dieser Austausch hat mir Mut gemacht und meinen Wunsch sowas auch zu erleben nur noch mehr verstärkt.
Das Auslandssemester
Von September 2025 bis April 2026 bin ich in Frankreich. Alleine in einem neuen Land, dessen Sprache ich bis vor meinem Aufenthalt nicht gesprochen habe. Ich sehe das als Chance meine Komfortzone zu verlassen und mich persönlich als auch akademisch weiterzuentwickeln. Ein Schritt neue Chancen zu ergreifen und Herausforderungen zu meistern.
Warum Frankreich? Warum Rennes?
Ich gebe zu, dass das Wetter im Winter nicht mein Hauptgrund war um nach Frankreich zu gehen. Es war die Hochschule hier in Frankreich, die mich überzeugt hat. Sie ist eine renommierte Business School mit einem Schwerpunkt der genau zu meinen Interessen passt: International Finance.
Die Hochschule ist bekannt für ihre internationale Community. Ich lerne mit Studierenden aus aller Welt auf Englisch, in einem multikulturellen Umfeld. Für mich ist das eine große Chance, meine Sprachkenntnisse zu verbessern und neue Perspektiven durch den Austausch mit Menschen aus alle Welt zu gewinnen.
Mittlerweile kann ich sagen, dass ich mich sehr wohl in Rennes und an meiner Hochschule fühle. Habe ich das Gefühl, einen Nachteil zu haben, weil ich Erstakademiker bin? Nein, definitiv nicht. Die Leute sind super, die Professoren zuvorkommend und ich habe auch nicht das Gefühl, irgendwo hinterherzuhinken. Ich denke, dass das aber auch dem geschuldet ist, dass wir eher ein „Klassenzimmer“ Klima haben und die Professoren darauf achten, dass jeder im Unterricht mitkommt. Zu noch detaillierten Erfahrungen an der Hochschule und dem Unterricht wird aber noch ein separater Blogbeitrag kommen.
Dankbarkeit statt Zweifel
Diese Erfahrung ist keineswegs selbstverständlich für mich. Neben der Tatsache, dass ein Auslandssemester generell ein großes Privileg ist, sind die Studiengebühren der RSB für mich ohne Austauschprogramm nicht bezahlbar. Daher bin ich dankbar, dass ich diese Möglichkeit habe.
Studienfinanzierung im Ausland
Finanzierung ist in den meisten Fällen ein großes Thema für Studierende die ins Ausland gehen. Erfahre hier mehr über das Thema „Finanzierung“.
Mut zahlt sich (hoffentlich) aus
Ich habe mich bewusst dafür entschieden, ein Auslandssemester zu machen. Gegen Zweifel und obwohl ich meine Familie und Freunde für einige Zeit zurücklasse und meinen Job als Werkstudent aufgeben muss. Bewusst für mich und für meine Zukunft.
Wenn ihr euch fragt ob ihr „gut genug“ seid oder ob es sich „lohnt“, kann ich euch nur sagen: Gut genug seid ihr allemal und lohnen wird es sich meiner Meinung nach auch. Ich bin davon überzeugt, dass auch wenn ich am Ende des Auslandssemester eine schlechte Erfahrung hatte, es sich lohnen wird. Auf lange Sicht, denn wertvolle Erfahrungen werden in allen Fällen gesammelt.